Krieg im Südsudan

TV-Tipp: »Wir waren Rebellen«

  • Von Katharina Dockhorn
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Jubel war groß, 2011 vereint der Jubel über die Unabhängigkeit Hunderttausende Menschen auf den Straßen der südsudanesischen Hauptstadt Juba. Eine Militärparade prägt die offizielle Feier, Rebellenführer wie der erste Präsident Salva Kiir Mayardif ergreifen die Macht. Unter die Massen mischt sich auch Agel Ring Machar, Kapitän der ersten Basketball-Nationalmannschaft des Landes, in der die verschiedenen Ethnien des Landes friedlich vereint sind.

Ihm folgen Katharina von Schröder und Florian Schewe in »Wir waren Rebellen - Krieg und Frieden im Südsudan« über zwei Jahre. Über ein Einzelschicksal zeigen sie die Euphorie nach der Unabhängigkeit, die Zweifel, die Enttäuschung über den Stillstand und schließlich den erneuten Griff zur Waffe. Sie streifen jedoch nur die Oberfläche. Information zu Land und Leuten und der gesellschaftlichen Entwicklung sind so spärlich, dass nur informierte Zuschauer folgen können.

Agel Ring Machar gehört zu den vier Millionen Rückkehrern, die dem zerstörten Land mit einer unterentwickelten Infrastruktur einst den Rücken kehrten. Als Kind wurde er von den Rebellen gegen die Zentralregierung des Sudan an der Waffe ausgebildet. Die Kalaschnikow liegt heute unter der Matratze - obwohl Agel Ring Machar in Australien eine Ausbildung erhielt. Mit seinem Wissen will er die Versorgung mit Trinkwasser verbessern.

Die Filmemacher kehren auf verstaubten Straßen voller Schlaglöcher mit Agel Ring Machar an die Orte des Krieges und der Flucht zurück. Sie lassen sich bei langen Fahrten über staubige Pisten Zeit, sich auf das Land einzulassen. Viele Passagen sind angesichts der begrenzten Zeit zu lang. Die Minuten fehlen, um Machers Ringen mit den Behörde zu zeigen und die Ursachen eines Konflikts anzureißen, der nach dem Rücktritt des Vizepräsidenten Miek Machar im Juli 2013 in einen blutigen Bürgerkrieg mündete und den jüngsten Staat der Welt im Dezember wieder in die Schlagzeilen brachte. Die UNO warf sowohl den Anhängern Kiirs als auch denen Machars schwere Verletzungen der Menschenrechte vor. Da sie verschiedenen Ethnien angehören, bleibt der Eindruck eines Stammeskrieges.

Die Filmemacher fangen die Stimmung und Mentalität ein, die es den Anhängern bewaffneter Lösungen leicht macht, die Meinungsverschiedenheiten blutig auszutragen. Über Jahrzehnte haben sich die Menschen mit dem Krieg arrangiert. Ihre Seelen sind gezeichnet, egal ob sie selbst kämpften oder als Bauern mit den Kriegern ihre spärliche Habe teilten.

Insgesamt hinterlässt der Film einen zwiespältigen Eindruck. Er macht deutlich, wie schwer der demokratische Neuanfang in einem vom Krieg geprägten Land ist und wie wenig der Einzelne ausrichten kann. Die Filmemacher schaffen es aber nicht, das Einzelschicksal mit dem des Landes zu verweben.

ZDF, 0.10 Uhr

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