Keine Panik an deutschen Airports

Bei Flughafenbetreibern und Gesundheitsämtern herrscht dennoch »erhöhte Wachsamkeit«

In Deutschland wächst die Angst vor Ebola. Zumindest über die Flughäfen ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass der Virus eingeschleppt werden könnte.

Die gespenstische Szene auf dem Rollfeld des Flughafens München-Erding wirkt wie aus einem Katastrophenfilm entliehen: Helfer in biologischen Schutzanzügen stehen an einer Trage neben einem Flugzeug. Die Frau auf der Bahre vor ihnen zeigte während des Fluges plötzlich Zeichen einer schweren Infektionskrankheit. Woran sie leidet, ist bis zu diesem Zeitpunkt völlig rätselhaft.

Bereits in der Luft hatte der Pilot den Notfall an den Tower gemeldet. Bis zur Landung sind Polizei, das Mikrobiologische Institut der Bundeswehr in München und das Klinikum München-Schwabing in Alarmbereitschaft versetzt. Mit einem Spezialtransport wird die Kranke unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen auf eine Isolierstation gebracht. Auch die Mitreisenden werden einer eingehenden Untersuchung unterzogen.

Zum Glück war dieses Szenario im November 2013 nur eine Übung. Lange vor dem Ebola-Ausbruch in Westafrika hatte der zweitgrößte deutsche Flughafen den Ernstfall geprobt. Neben einem Airbus A 340 waren rund 300 Helfer und Komparsen an der Übung beteiligt. Dass der Testlauf innerhalb weniger Monate einen ernsten Hintergrund bekommen würde, ahnte zu dieser Zeit wohl niemand.

Notfallpläne wie den von München, die den Umgang mit schwer erkrankten Passagieren regeln, gibt es auf allen größeren deutschen Flughäfen. Auch in einem Ebola-Fall würden sie zum Einsatz kommen. Bisher geben die Gesundheitsämter jedoch Entwarnung: An deutschen Flughäfen scheint dieser eher unwahrscheinlich. »Derzeit besteht bei sämtlichen Beteiligten eine erhöhte Wachsamkeit für die Problematik«, sagt etwa die Sprecherin des Landratsamts Erding, Christina Centner. Grundsätzlich seien alle auf Maßnahmen wie etwa die Ausgabe von Fluggastinformationen oder Gesundheitsschecks vorbereitet. Nötig sei das aber bisher nicht. Ein Grund: »Es gibt keine Passagier-Direktflüge aus den bisher betroffenen Ebola-Endemiegebieten nach München, es sind auch keine Flüge aus diesen Regionen hierher geplant«, sagt Centner.

Auch von Berlin-Tegel aus werden keine Flugverbindungen nach Westafrika angeboten. Grundsätzlich gebe es keinen Anlass für Panik, sagt der Sprecher der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Lars Wagner. »Es gibt keine Fälle von Ebola in Tegel und wir haben auch keine konkreten Hinweise, dass das zu erwarten wäre.«

Vom Flughafen in Frankfurt am Main, mit 58 Millionen Passagieren pro Jahr nach wie vor das größte Flug-Drehkreuz in Deutschland, werden Lagos und Abuja in Nigeria angeflogen. Anders als an einigen Airports in Westafrika werden auch in Frankfurt nicht alle Passagiere systematisch untersucht. »Wir werden nur bei gemeldeten Verdachtsfällen aktiv«, sagt der Fraport-Sprecher Christopher Holschier. Das letzte Wort habe auch hier immer das Gesundheitsamt.

Tatsächlich empfiehlt auch die Weltgesundheitsorganisation WHO im Fall Ebola bisher keine Kontrollen an allen Flughäfen. Durch die Inkubationszeit der Krankheit sei ein Gesundheitscheck der Passagiere beim Betreten oder Verlassen der Flughäfen wenig sinnvoll, so die Gesundheitsorganisation. Grundsätzlich sei es unwahrscheinlich, dass tatsächlich infizierte Personen durch Kontrollen entdeckt würden.

Selbst wenn eine infizierte Person an Bord eines Flugzeugs mitreise, sei die Ansteckungsgefahr für die anderen Passagiere sehr gering: Die Krankheit werde vor allem durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Auch das Risiko einer Ansteckung für Touristen und Geschäftsreisende wird deshalb von der WHO als »sehr niedrig« eingestuft.

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