Tausende protestieren in Moskau gegen Ukrainekrieg

Demonstration kritisiert Putins Ukraine-Politik / Polizei spricht von 5.000 Teilnehmern, Organisatoren von Zehntausenden / Menschen fragen auf Plakaten: »Wofür sterben unsere Soldaten?«

Berlin. Unter dem Motto »Nein zum Krieg!« haben am Sonntag Tausende Menschen bei einem großen Friedensmarsch in Moskau für ein Ende der Auseinandersetzungen in der Ostukraine aber auch gegen die Ukraine-Politik von Kremlchef Wladimir Putin protestiert. Unter einem großen Sicherheitsaufgebot der Polizei trugen die Demonstranten unter anderem Schilder mit den Bildern und Namen von russischen Soldaten, die bei den Kämpfen in der Ostukraine getötet wurden. »Wofür sterben unsere Soldaten?«, heißt es fragend und anklagend zugleich auf Plakaten.

Die Menschen fordern die Behörden auf, die Einsätze und den Tod von russischen Soldaten in der Ostukraine aufzuklären. Die Verantwortlichen für diese »Kriegstreiberei« müssten bestraft werden. Viele Menschen trugen die blau-gelben ukrainischen Nationalflaggen. Der Kreml bestreitet bis heute auch, russische Soldaten einzusetzen. Doch sogar in Staatsmedien gab es zuletzt Berichte über russische Soldaten, die »freiwillig während ihres Urlaubs« in der Ostukraine kämpften.

Es ist der Frust über die Ukraine-Politik, der Tausende Russen an diesem spätsommerlich warmen Sonntag auf die Straße treibt. Auch einfache Menschen bekommen die Folgen der westlichen Sanktionen gegen Russland im Zuge des Konflikts zunehmend zu spüren. Krisenstimmung macht sich breit. Was viele Menschen besonders ärgert, sind die steigenden Preise für Lebensmittel und der massive Wertverfall des Rubel.

Die russische Opposition hatte zum ersten Mal seit Ausbruch des blutigen Konflikts in den umkämpften Gebieten Lugansk und Donezk im April eine solche Anti-Kriegs-Kundgebung organisiert. Die Polizei gab die Zahl der Demonstranten mit rund 5.000 an. Zugelassen hatte die Stadt Moskau maximal 50.000 Teilnehmer. Der Demonstrationszug mit Zehntausenden Menschen nähere sich der angekündigten Zahl, meinte der Chef der liberalen Oppositionspartei Jabloko, Sergej Mitrochin.

Die Proteste in Moskau werden vom einst reichsten Mann des Landes, Michael Chodorkowski, unterstützt. »Es ist eine brüchige Waffenruhe, aber das Problem bleibt. Unser Land nimmt direkt oder mittelbar an dem Konflikt teil«, heißt es auf der Seite khodorkovsky.ru des Putin-Kritikers Chodorkowski. Mit seiner am Wochenende wiederbelebten Initiative »Open Russia« will er auch die Zivilgesellschaft im Land wieder auf die Beine bringen.

Die Polizei berichtete von zahlreichen Gegnern der Kundgebung, die abgedrängt werden mussten. Ultranationalisten und orthodoxe Geistliche hatten bei Kundgebungen zuletzt Putin aufgefordert, die Separatisten mit russischem Militär zu unterstützen. Zudem ist aus Sicht einer Mehrheit der Russen die ukrainische Regierung verantwortlich für den Krieg. Agenturen/nd

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