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Novalis, Tucholsky, Markwort

PERSONALIE

  • Jürgen Amendt
  • Lesedauer: 2 Min.

Jetzt wissen wir es auch aus seinem Munde. Helmut Markwort ist ein Journalist, der sich bemüht, »ein objektiver Journalist zu sein«, der aber eine »subjektive Schwachstelle« hat: das Wissen darum, dass ein Helmut Markwort ein ganz Großer der Zunft ist, dem eine Identität nicht genug ist, einer, der in der Tradition mindestens von Kurt Tucholsky steht, vielleicht sogar von Novalis.

Die Hybris passt zu Helmut Markwort. Der 77-jährige gebürtige Darmstädter hat jetzt öffentlich im Verbandsmagazin des Bayerischen Journalisten Verbands (BJV) bestätigt, was seit langem vermutet wurde: Unter dem Namen »Moritz Rodach« berichtete er ab und an für »Focus Online« über den FC Bayern München.

An sich ist die Verwendung eines Pseudonyms nicht ungewöhnlich in der Journalistenzunft - manche tun es, um Geld am Fiskus vorbei zu schleusen, manche, weil sie an einem Tag mit mehreren Artikeln gleichzeitig in einer Zeitung vertreten sind, andere wiederum deshalb, um spielerisch in eine andere Rolle mit einer anderen Sichtweise zu schlüpfen.

Bei Markwort verhält es sich viel profaner. Der frühere Chefredakteur ist seit 1992 Mitglied im Verwaltungsbeirat des FC Bayern München e.V., seit 2003 sitzt er zudem im Aufsichtsrat der FC Bayern München AG. Ein »Geschmäckle« hat das schon.

Dem Magazin des BJV erzählte Markwort auch, dass »Moritz Rodach« nicht sein einziges Pseudonym sei und dass er sich diesbezüglich in einer Reihe mit Tucholsky und Novalis sehe. Er wolle nicht alles unter dem Namen Helmut Markwort veröffentlichen, vor allem dann nicht, wenn er eine »lokale Glosse« oder ein »leichtes Operettenstück« schreibe, denn: »Der hat ein politisches Gewicht, dieser Markwort.«

Auf die Kolumne in der von seiner Lebensgefährtin Patricia Riekel geleiteten »Bunte«, in der »dieser Markwort« seinem anderen Ich die Verwendung des Pseudonyms »Moritz Rodach« verzeiht, darf man gespannt sein.

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