Kriminelle drohen in Tschechien mit Ebola

Regierungschef Sobotka: Täter spielen mit der Angst der Bevölkerung

  • Von Jindra Kolar, Prag
  • Lesedauer: 2 Min.
Unbekannte Erpresser drohen dem tschechischen Staat mit einer Ebolaverseuchung. Sie verlangen eine Million Euro, ansonsten wollen sie öffentliche Plätze kontaminieren.

Tschechiens Innenministerium ermittelt fieberhaft. Auf einer Pressekonferenz erklärte Innenminister Milan Chovanec am Dienstag in Prag, die Polizei würde einige Tage brauchen, um die Drohung zu überprüfen. Der oder die Täter hätten ein »ausgeklügeltes Kommunikationsmittel« benutzt, um ihre Forderung zu präsentieren. Sie sei zeitgleich an mehrere staatliche Einrichtungen gegangen.

Trotz der Bedenken, Panik in der Bevölkerung auszulösen, habe man sich entschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen, weil auch verschiedene Medien die Drohung erhalten hätten. Der oder die Täter forderten umgerechnet eine Million Euro. Die Zahlung sollte in drei Raten in virtuellen Bitcoins erfolgen, hieß es im Forderungsschreiben. Damit versuchten die Täter Spuren zu verschleiern.

Laut Vizepolizeipräsident Zdenek Laube wird der Fall als »Gefährdung der Gesellschaft« eingestuft. Dem oder den Tätern droht bei Entdeckung eine Freiheitsstrafe bis zu 12 Jahren. Die Spezialeinheit für die Bekämpfung des organisierten Verbrechens hat die Ermittlungen übernommen. Deren Chef Robert Slachta erklärte, man setze alles daran, den Tätern auf die Spur zu kommen. Noch ist nicht klar, ob sie aus dem In- oder Ausland kommen.

Premier Bohuslav Sobotka betonte, die Täter spielten mit der Angst der Bevölkerung. Eine solche Tat sei nur als »Hyänismus« zu bezeichnen. Die Regierung nehme die Drohung ernst, ohne sie jedoch zu überbewerten. Die für die Gesundheit verantwortlichen Stellen unternähmen alles, um eine Verbreitung von Ebola in Tschechien auszuschließen.

Auch die Gesundheitsbehörden versuchten, die Bevölkerung zu beruhigen. Es sei unwahrscheinlich, dass es möglich sei, Ebola-Viren anzuzüchten, zu transportieren und an öffentlichen Stellen zu verbreiten. Die »klimatischen und hygienischen Bedingungen in Tschechien, das Niveau der epidemiologischen Arbeit und des Gesundheitswesens schließen eine massenhafte Verbreitung von Ebola aus«, hieß es. Zu den Präventivmaßnahmen gehört, dass Einreisende in einem Fragebogen angeben müssen, wo sie sich in den vergangenen 42 Tagen aufgehalten haben. Diese Kontrollen werden an allen fünf internationalen Flughäfen durchgeführt. Täglich kommen bis 17 000 Reisende auf tschechischen Flughäfen an.

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