So, liebe Genossen

Doppelspielband rauscharm: Im Dezember 1989 machte ein Sonderparteitag der SED den langen Weg der Erneuerung unwiderruflich. Über Probleme des Rückblicks, Strafe auf Holzsitzen und eine fast vergessene Vorstandssitzung

  • Von Tom Strohschneider
  • Lesedauer: ca. 14.0 Min.
Die schwarze Kiste

Eines Tages stand diese Kiste in meinem Büro. Schwarz, verstaubt, mit einem Plastikreißverschluss. Rrrritsch. Darin ein knappes Dutzend alter ORWO-Tonbänder, Typ 122-LN-360 m. Das »Doppelspielband rauscharm« war einmal für 23,20 Mark zu haben. Damals in der DDR. Ein Preisschild als Zeithorizont. Was würde hier zu hören sein? Auf einem Pappcover mit schwarzem Stift eine Antwort: »PV, 15.12.89« Parteivorstand also. Es musste sich um eine Sitzung vom Dezember des Wendejahres handeln, abgehalten zwischen den beiden Wochenenden, an denen der Sonderparteitags der SED stattfand.

Wer den Mitschnitt heute hört, vernimmt als erstes die unverkennbare Stimme des jungen Gregor Gysi. Der war damals Anfang 40, er klingt erschöpft und leicht kurzatmig: »So, liebe Genossinnen und Genossen, ich begrüße euch zur ersten Parteivorstandssitzung nach der Konstituierung.«

Die Konstituierung des Parteivorstandes der SED,...


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