Flug QZ8501 gefunden

Ursache des Absturzes der AirAsia-Boing mit 162 Insassen an Bord ist unklar

  • Von Christiane Oelrich, Jakarta
  • Lesedauer: 3 Min.
Für Angehörige sind es unerträgliche Bilder: Leichen und Wrackteile treiben an der Absturzstelle im Meer. Jetzt beginnt die Ursachenforschung. Wieso hat der AirAsia-Pilot nie einen Notruf abgesetzt?

Gegen alle Vernunft hatten sie gehofft, bis zuletzt. Die Angehörigen der 162 Menschen an Bord der AirAsia-Maschine glaubten noch an ein Wunder. »Papa, komm heim, wir brauchen dich noch«, twitterte die Tochter von Pilot Iriyanto Stunden bevor das Schreckliche zur Gewissheit wird. Der Fund der Wrackteile holt sie alle aus einem schrecklichen Albtraum in eine noch schlimmere Realität: Ihre Lieben sind tot, umgekommen bei einem Flugzeugabsturz, dessen Ursache völlig im Dunkeln liegt.

Mittags läuft die Suche nach dem Airbus A320 am Dienstag schon den dritten Tag auf Hochtouren. Leutnant Tri Wibowo ist mit einer Hercules C-130 unterwegs, die Besatzung starrt aufs Wasser. Da kommt ein orangefarbenes Objekt ins Blickfeld. Kurz darauf etwas weißes, und dann ein Mensch. Wibowo stockt der Atem. Er denkt, da winkt jemand zum Flugzeug rauf, wie er dem Nachrichtenportal Kompas.com später sagte. Bei näherem Überflug wird klar: Es handelt sich um eine Leiche. Kurze Zeit später habe er weitere Leichen entdeckt, erzählte er. »Drei haben sich noch an den Händen gehalten.«

Die Angehörigen verfolgen die Entdeckung der Wrackteile und Leichen am Flughafen von Surabaya live im Fernsehen. Sie sind in einem Raum abgeschirmt, aber ihre Schreie hallen durch das Gebäude. Die Menschen, die am Morgen dort noch still gebetet haben, können ihre Emotionen nicht mehr zurückhalten. Seelsorger und Psychologen sind vor Ort. Aber es gibt kein Wort, das den Schmerz in diesen Minuten lindert.

Im Fernsehen sind Spezialisten zu sehen, die sich an Winden aus Hubschraubern herablassen, um Leichen zu bergen. Aus der offenen Luke einer C-130 filmen Soldaten Wrackteile. Gegenstände sind zu sehen, ein Koffer vielleicht, und etwas, das wie eine Notrutsche aussieht.

Drei Tage haben sich die Ermittler darauf konzentriert, das Wrack zu finden. Nun beginnt die Suche nach der Unglücksursache. Ingenieure von Airbus sind vor Ort. Als erstes müssen die Blackboxen geborgen werden. Sie sind so robust gebaut, dass sie Abstürze intakt überstehen. Sie zu finden dürfte kein Problem sein, sagte Meeresforscher Erik van Sebille. »Das Wasser ist dort nur 40 bis 50 Meter tief, da können Taucher eingesetzt werden.« Die Blackboxen sind mit Unterwasser-Ortungsbaken ausgestattet. In seichtem Wasser sind keine Schiffe mit Schleppsonden nötig, um Signale aufzufangen. Sie können auch an der Wasseroberfläche »gehört« werden. Auf die Boxen hoffen die Ermittler, denn bislang ist die Absturzursache ein großes Rätsel. Der Pilot hatte zwar kurz vor Abbruch des Radarkontakts eine Gewitterfront gemeldet und eine Kursänderung beantragt. Gewitter sind aber eigentlich keine Gefahr für Flugzeuge. In unmittelbarer Nähe waren laut Flugsicherung zu dem Zeitpunkt sechs andere Maschinen.

Schlechtwetterfronten seien alltäglich und die Maschinen entsprechend ausgerüstet, sagte Luftfahrt-Experte Cord Schellenberg. »Rund um den Äquator gibt es viele Gewitter; darauf sind die Piloten einer indonesischen Fluglinie eingestellt.«

Der Pilot war ein erfahrener Mann. »Er flog früher Kampfjets«, sagte der Leiter der Rettungskräfte, Bambang Sulistyo. Dann wechselte er in die zivile Luftfahrt und flog seit 2008 für die AirAsia, eine Airline, die seit dem kommerziellen Start 2001 keinen Unfall hatte. Wieso hat er keinen Notruf abgesetzt? Was auch immer an Bord passiert ist - es muss schnell und katastrophal gewesen sein. dpa

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