Wortgewaltig, wuchtig

James Lee Burke

  • Von Eric Breitinger
  • Lesedauer: 2 Min.

Pete Flores ist ein typischer Antiheld, wie sie die Kriminalromane des großen US-Autors James Lee Burke bevölkern. Sein Gesicht ist durch Narben entstellt, der Ex-GI trinkt und lässt sich, seit er aus Irak zurück ist, mit den falschen Leuten ein. Auch diesmal, als er Einwanderer über die Grenze schmuggelt. Flores muss hinter der Kirche eines Nestes in Südwesttexas mitansehen, wie seine Auftraggeber die neun Asiatinnen mit einer MP niedermetzeln, ihre Körper verscharren. Er haut ab und setzt so einen genretypischen blutigen Wettlauf in Gang. Bald jagen Killer, das FBI und die Polizei ihn und seine attraktive Freundin Vikki, eine kellnernde Country-Sängerin.

Der 77-jährige Burke gilt als Altmeister des harten US-Kriminalromans. Er gewann alle wichtigen US-Preise. Hiesige Krimi-Leser kennen meist nicht mal seinen Namen. Seit über zehn Jahren erschien kein Roman mehr von ihm auf Deutsch. Mit Burke ist ein wortgewaltiger Chronist des amerikanischen Südens zu entdecken. Seine Kriminalromane sind düster und wuchtig, voll mystischer Anspielungen und poetischer Schilderungen der Natur. Die Menschen sind für ihn stets wichtiger als die Geschichte, die letzten Fragen spannender als das Spiel mit der Suspense.

In »Regengötter« erkundet er, was aus normalen Menschen wird, wenn das Böse in ihr Leben tritt. Da ist Sheriff Hackberry Holland, ein über 70-jähriger Korea-Veteran und Wiedergänger John Waynes, der sich seine Vergangenheit als Säufer, Lügner und Ehebrecher nicht verzeihen kann. Er will die Mörder mit Anstand zur Strecke bringen. Sein Gegenspieler, der psychopathische Killer »Preacher« wähnt sich im höheren Auftrag, zeigt aber auch Mitgefühl gegenüber Schwachen. Und da ist Nick Dolan, ein fetter, verschlagener Stripclub-Besitzer, der über sich hinauswächst, als seine Familie ins Visier der Killer gerät. Am Ende sind die Frauen die wahren Helden: Dolans resolute Gattin Esther, Hollands Kollegin Pam und die taffe Vikki bieten Verbrechern ohne Zögern die Stirn.

»Regengötter« ist auch ein Western. Alles läuft auf das große Duell am Schluss zu. Allerdings kamen Holland und Burkes andere Helden erschöpft und moralisch gebrochen aus dem Krieg. Ein Sieg bringt ihnen im besten Fall noch Ruhe vor ihren Dämonen. Den Optimismus eines John Wayne, neuen Horizonten entgegenzureiten, haben sie verloren.

James Lee Burke: Regengötter. Aus dem Amerikanischen von Daniel Müller. Heyne, 672 S., br. 16,99 €.

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