Vorsicht, Zufall!

Warum CDU-Vize Strobl lieber keine Abstimmung ohne Fraktionszwang möchte

  • Wolfgang Hübner
  • Lesedauer: 2 Min.

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Thomas Strobl ist gegen die völlige Gleichstellung von Schwulen und Lesben. Das ist kein Wunder, der Mann kommt aus Baden-Württemberg, da ist die CDU immer noch etwas hartleibiger drauf als anderswo. An den Gedanken der Homo-Ehe müssen sich Leute wie Strobl noch ein paar Jahre lang gewöhnen. Interessanter ist, wie er seine Ablehnung begründet. Er beruft sich u.a. auf den schwarz-roten Koalitionsvertrag und kommentiert den Vorschlag, im Bundestag ohne Fraktionszwang über die Homo-Ehe abstimmen zu lassen, mit der Bemerkung, man dürfe nicht mit Zufallsmehrheiten operieren.

Das hat er wirklich schön gesagt. Denn besser kann man seine Abscheu vor sich in der Debatte entwickelnden und verändernden Mehrheiten nicht formulieren. Zufallsmehrheiten, das meint ja: Wahrscheinlich wäre eine Mehrheit der Bundestagsabgeordneten für die Homo-Ehe, aber wozu hat man schließlich eine Koalition, wenn nicht dazu, die SPD und notfalls auch die eigenen Leute herumzukommandieren? So spricht ein gelernter Demokratie-Verächter. Und recht hat er ja. Wenn man nämlich einmal damit anfängt – wohin kommt man dann? Womöglich dahin, dass die eine Zufallsmehrheit gegen neue Auslandseinsätze der Bundeswehr stimmt, die nächste Zufallsmehrheit für die Freigabe von Cannabis usw. usw. Dann allerdings könnte man ja auch gleich das Volk nach dem Zufallsprinzip entscheiden lassen. Und überhaupt: Ruft nicht jede Wahl eine Zufallsmehrheit auf den Plan? Dagegen muss man doch was tun! Strobl, übernehmen Sie!

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