Chronik eines Untergangs

LESEPROBE

  • Lesedauer: 2 Min.

Wann begann der Niedergang der Sowjetunion? Eine Frage, deren Beantwortung gewisse Schwierigkeiten bereitet. Es gab in der Vergangenheit verschiedene Ansätze dazu. Diese decken ein breites Spektrum ab, von eher apologetischen bis wütend antikommunistischen Einfärbungen. Hier, in der Einführung zur Chronik des Jahres 1991, des letzten Jahres der Sowjetunion, soll die Vorgeschichte des endgültigen Zusammenbruchs, dieser »geopolitischen Katastrophe« (Putin), die vor genau 25 Jahren stattfand, kurz in Erinnerung gerufen werden. In Verbindung damit soll auch versucht werden, ansatzweise obige Frage zu beantworten ...

Das schnelle Ende der Sowjetunion im Jahr 1991 versetzte schon damals die Zeitgenossen in Verwunderung - und bietet auch im Rückblick einigen Anlass zu Verwunderung. Wie war es möglich, dass ein scheinbar felsenfest gefügter »Gigant«, eine internationale Staatengemeinschaft nichtkapitalistischer Gesellschaftsordnung, gesichert durch eine der mächtigsten Militärorganisationen der Welt, so mir nichts, dir nichts innerhalb von knapp zwölf Monaten zerbrach, sich auflöste und spurlos verschwand, ohne dass ein einziger Schuss abgegeben wurde (von örtlichen Scharmützeln abgesehen)? Wie war es möglich, dass das gesamte militärische Establishment der Sowjetunion und der übrigen sozialistischen Staaten einfach so beiseitetrat und seine Staaten westlichen Siegerländern, dem Westblock überantwortete?

Fünfundzwanzig Jahre sind diese Geschehnisse jetzt her, und die vorliegende Chronik (samt einer kurzen Rückschau, auf die Spätphase der Sowjetunion) soll Gelegenheit bieten, die aufregenden, ereignisreichen Monate des Entscheidungsjahres 1991 noch einmal nachzuerleben. Aus der Rückschau verdeutlichen sich viele Dinge, die damals undurchschaubar oder unerklärlich schienen.

Aus dem Vorwort zu dem von einem Autorenkollektiv herausgegebenen Band »Chronik des Untergangs. 1991: Der Kollaps der Sowjetunion« (Edition Berolina, 138 S., br., 9,99 €).

Abonniere das »nd«
Linkssein ist kompliziert.
Wir behalten den Überblick!

Mit unserem Digital-Aktionsabo kannst Du alle Ausgaben von »nd« digital (nd.App oder nd.Epaper) für wenig Geld zu Hause oder unterwegs lesen.
Jetzt abonnieren!

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal