Weniger Kontrollen in einer Schattenwelt

Fragen & Antworten zur Schwarzarbeit

  • Lesedauer: 2 Min.
Zöllner sollen illegaler Beschäftigung mit Kontrollen Einhalt gebieten. Doch im vergangenen Jahr sank die Zahl überprüfter Firmen deutlich, obwohl auch in Deutschland Schwarzarbeit verbreitet ist.

Wie steht es um Schwarzarbeit hierzulande?

So wirklich weiß das niemand. Das ist ein Bereich, in dem sich die Akteure im Schatten halten. Experten vom Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung und der Uni Linz gehen davon aus, dass der Anteil illegaler Beschäftigung an der Wirtschaftsleistung 2016 um 0,4 Prozentpunkte auf 10,8 Prozent sinken wird. Die staatlichen Einbußen liegen bei jährlich etwa 60 Milliarden Euro durch die entgangene Einkommensteuer und nicht gezahlte Krankenkassenbeiträge.

In welchen Branchen ist Schwarzarbeit besonders verbreitet?

Laut Studien der Universität Linz entfällt auf die Bauwirtschaft und Reparaturen zu Hause ein besonders hoher Anteil von Schwarzarbeit. So mancher Klempner verzichte beispielsweise gern auf eine Rechnung. Auch in Autowerkstätten, Restaurants und Gaststätten gibt es relativ viele Schwarzarbeiter, zudem seien viele Putzfrauen und Babysitter juristisch gesehen illegal beschäftigt.

Warum rechnen die Experten mit einem Rückgang der Schwarzarbeit?

Grund sei die Konjunktur, heißt es in der Analyse der Tübinger und Linzer Forscher. Da viele Beschäftigte im Schnitt besser verdienten oder leichter bezahlte Überstunden machen könnten, sinke der Anreiz, in der Freizeit schwarz zu arbeiten.

Wie wichtig sind Kontrollen im Kampf gegen Schwarzarbeit?

Das ist umstritten. Gewerkschaftsvertreter fordern mehr Personal für die zuständige Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) beim Zoll, denn die viel zu geringe Kontrolldichte sei geradezu eine Einladung für betrügerische Betriebe, ihre Beschäftigten illegal im Lohn zu drücken.

Was waren die Konsequenzen aus den Kontrollen?

Im Jahr 2015 wurden von der FKS insgesamt 128 432 Ermittlungsverfahren eingeleitet nach 137 292 im Jahr davor. Dieser Rückgang insgesamt beruht auf weniger Ermittlungsverfahren wegen Ordnungswidrigkeiten.

Was könnte noch bei der Bekämpfung von Schwarzarbeit helfen?

Experten betonen, viel wichtiger als Kontrollen seien andere Faktoren wie beispielsweise die Reduzierung von Lohnnebenkosten. Dadurch könnte die Schwarzarbeit um bis zu zehn Prozent sinken. dpa/nd

Abonniere das »nd«
Linkssein ist kompliziert.
Wir behalten den Überblick!

Mit unserem Digital-Aktionsabo kannst Du alle Ausgaben von »nd« digital (nd.App oder nd.Epaper) für wenig Geld zu Hause oder unterwegs lesen.
Jetzt abonnieren!

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal