Mindestens 29 Tote nach Brand in Fabrik in Bangladesch

Nach der Explosion eines Kessels brennt das Gebäude eines Verpackungsherstellers lichterloh und stürzt ein / Betrieb produzierte auch für europäische Firmen

  • Lesedauer: 3 Min.

Dhaka. Bei einer Explosion und einem Feuer in einer Fabrik in Bangladesch sind Behörden zufolge mindestens 29 Menschen gestorben. Nach Angaben der Feuerwehr wurden zahlreiche weitere Menschen verletzt. Ein Kessel sei am Samstagmorgen in der Fabrik im Industriegebiet Tongi rund 20 Kilometer nördlich der Hauptstadt Dhaka explodiert, sagte der Sprecher der Einsatzbehörde, Mohammad Rafiquzzaman. Weil in der Fabrik Chemikalien gelagert wurden, breitete sich ein Flammeninferno aus. Das vierstöckige Gebäude stürzte ein. Die Firma belieferte auch ausländische Unternehmen wie den Nahrungsmittelriesen Nestlé.

Zum Zeitpunkt des Unglücks hatten rund hundert Menschen in dem vierstöckigen Fabrikgebäude in der nördlich der Hauptstadt Dhaka gelegenen Industriestadt Tongi gearbeitet. 29 Menschen wurden nach Angaben von Ärzten getötet, von den 70 Verletzten schwebten einige in Lebensgefahr.

Unglücke in Fabrikgebäuden in Bangladesch

In Bangladesch sind schon mehrfach Fabrikgebäude in Flammen aufgegangen oder eingestürzt. Häufige Ursachen waren unzureichende Sicherheitsvorkehrungen und Baumängel. Nach dem Unglück mit mehr als 1100 Toten im Jahr 2013 wurde ein Aktionsplan für mehr Brandschutz und Gebäudesicherheit ins Leben gerufen. Beispiele:

Juni 2015 - Eine Textilfabrik außerhalb der Hauptstadt Dhaka brennt völlig aus und stürzt in sich zusammen. Verletzt wird niemand. Das sechsstöckige Gebäude war erst ein Jahr zuvor von Inspektoren des Aktionsplans in Augenschein genommen worden.

Januar 2015 - Beim Brand in einer Recyclingfabrik für Kunststoffe in Dhaka kommen mindestens 13 Arbeiter ums Leben. Die Flammen kamen nach Angaben der Polizei mit gelagerten Chemikalien in Kontakt und breiteten sich schnell aus.

Oktober 2013 - Eine Textilfabrik in einem Industriebezirk nördlich von Dhaka gerät in Brand, mindestens neun Menschen sterben.

April 2013 - Das Rana-Plaza-Gebäude in einem Vorort von Dhaka stürzt ein. Mehr als 1100 Menschen sterben, mehr als 2500 werden verletzt. Die meisten Opfer sind Frauen, die dort als Textilarbeiterinnen arbeiteten. Fahrlässigkeit und Baumängel sollen die Ursache der schlimmsten Fabrikkatastrophe in der Geschichte Bangladeschs gewesen sein.

Januar 2013 - Sieben Menschen fallen einem Brand in einer Textilfabrik in Dhaka zum Opfer.

November 2012 - Bei einem Feuer in der »Tazreen Fashion« Textilfabrik nahe Dhaka kommen 112 Menschen ums Leben. Die Ausgänge der Fabrik sollen abgesperrt gewesen sein. dpa/nd

Die Feuerwehr befürchtet, dass die Opferzahl noch steigen könnte. Mit der Suche nach weiteren Leichen in dem ausgebrannten Gebäude konnte am Sonntag noch nicht begonnen werden. Die Einsatzkräfte hätten die ganze Nacht gegen die Flammen gekämpft, sagte der Feuerwehrmann Anis Mahmud der Nachrichtenagentur AFP. Es gebe aber immer noch einige Brandherde und die meisten Wände seien eingestürzt.

Das Feuer brach nach Polizeiangaben im Heizungsraum der Fabrik Tampaco Foils Limited aus. Die Polizei vermutet, dass im Erdgeschoss der Fabrik Chemikalien gelagert wurden. Daher habe sich das Feuer rasend schnell ausgebreitet. »Ich habe im Büro gearbeitet, als ich eine Explosion hörte und ein Beben spürte«, sagte der 35-jährige Elektriker Mohammad Rokon, der mit leichten Verletzungen zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht wurde. »Ich bin fast bewusstlos geworden. Aber ich habe mich gezwungen, mithilfe der Taschenlampe meines Handys rauszugehen.«

Der Maschinenführer Rubel Hossain überlebte das Unglück ebenfalls und half bei der Versorgung der Verletzten. »Ich fühle mich zugleich glücklich und untröstlich«, sagte er. Das Unglück traf das muslimisch geprägte Bangladesch kurz vor dem islamischen Opferfest Eid al-Adha.

Die zuständige Aufsichtsbehörde kündigte an, ein Untersuchungsausschuss werde die Brandursache untersuchen und der Frage nachgehen, ob die Brandschutzbestimmungen in der Fabrik eingehalten wurden. Der Ausschuss soll außerdem mögliche Verbesserungen bei den Sicherheitsvorkehrungen von Fabriken vorschlagen.

In der Fabrik waren Plastikverpackungen hergestellt worden. Neben einheimischen Firmen belieferte Tampoco Foils auch ausländische Unternehmen wie die örtlichen Niederlassungen des Nahrungsmittelriesen Nestle und des Zigarettenproduzenten British-American Tobacco.

Der Lebensmittelkonzern Nestlé hat mit Bestürzung auf den Einsturz reagiert. Man sei »schockiert und traurig« angesichts der Toten und Verletzten bei dem Brand, und man sei in Gedanken bei den Betroffenen des Unglücks, teilte der Schweizer Konzern am Sonntag mit. Agenturen/nd

Abonniere das »nd«
Linkssein ist kompliziert.
Wir behalten den Überblick!

Mit unserem Digital-Aktionsabo kannst Du alle Ausgaben von »nd« digital (nd.App oder nd.Epaper) für wenig Geld zu Hause oder unterwegs lesen.
Jetzt abonnieren!

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal