Ein irrer Duft von frischen Kräutern

In Peter Frankes Kräutermanufaktur dreht sich alles um gesunde Produkte, die uns die Natur schenkt. Von Heidi Diehl

Der beste Rat ist der Vorrat!«, hörte Peter Franke immer wieder von seiner Mutter, die sich auch ein Leben lang daran hielt. Sie kochte ein, was der Garten hergab, sie zog mit dem Jungen los, um Kräuter zu sammeln, die frisch oder getrocknet als Tees gegen allerlei Wehwehchen zum Einsatz kamen. Die Küche, in der es immer so gut roch, gehörte in den Kindheitstagen zu seinen Lieblingsplätzen, und so musste er auch nicht lange überlegen, was er einmal werden wollte: Koch.

Viele Jahre stand er am Herd, arbeitete zu DDR-Zeiten erfolgreich bei der Interhotel-Gruppe. Auch nach der Wende blieb er seinem Metier treu, baute die »Spreewälder Kochakademie« auf, in der viele Hobbyköche lernten, dass das Gute im Einfachen liegt und dass Kochen unheimlich viel Spaß machen kann. Zumindest mit einem wie Peter Franke, der jedem Gericht noch ein ganz besonderes Gewürz zugibt: eine kräftige Prise Witz und Humor.

So gern er am Kochtopf stand und steht, seine ganz große Liebe gehörte schon immer den Wildkräutern. Seit langem war es sein Traum, sich ihnen ganz und gar zu widmen. Neun Jahre ist es nun her, dass er beschloss, sich diesen zu erfüllen. Da war er Mitte 50, in einem Alter, in dem andere bereits anfangen, Pläne für die Rente zu schmieden. Doch nach dem Motto: »Wer wagt, gewinnt!« gründete Peter Franke in Burg seine »Spreewälder Kräutermanufaktur« und verarbeitet seitdem ganz nach der Lebensmaxime seiner Mutter das, was die Natur ihm bietet. Am liebsten mit Menschen, die seine Leidenschaft teilen. Und so kann jeder mit ihm durch die Wiesen laufen, Kräuter sammeln und diese anschließend in allerlei Köstlichkeiten verwandeln.

»Waaas, das kann man essen?« Immer wieder hört er das, wenn er mit seinen Seminarteilnehmern loszieht, um Brennnesseln, Vogelmiere, Giersch, Bärlauch, Löwenzahn, Sauerampfer und andere vermeintliche Unkräuter zu sammeln. »Spätestens aber, wenn sie das Pesto essen, das wir gemeinsam daraus hergestellt haben, habe ich sie überzeugt«, freut sich der Kräuterexperte.

Auch ein Gewinner des 15. nd-Lesergeschichten-Wettbewerbs kann sich nebst Begleitung davon überzeugen, dass fantastisch schmeckt, was uns die Natur so großzügig überlässt. Vor allem, wenn man es noch selbst gesammelt und verarbeitet hat. Unter dem Motto »Vorwärts, zurück zur Natur« lädt Peter Franke die beiden ein, sich drei Tage lang ganz und gar auf einen Wildkräutertrip zu begeben. Im Hotel »Zum Stern« in Werben, wo die Gäste für zwei Nächte wohnen, werden sie mit einem Glas Unkrautbowle auf die kommenden Tage eingestimmt. Und im Zimmer verbreitet ein prall gefülltes Kräutersäckchen einen irren Duft frischer Kräuter. Das soll auch beim Einschlafen helfen, weiß der Naturbursche. Doch das Bett kann warten. Denn erst einmal geht es mit Peter Franke auf einen Wildkräuterspaziergang und danach in die Manufaktur, um die Schätze zu verarbeiten und zu verkosten. Nebenbei erfahren die Seminaristen nicht nur, dass gegen jedes Zipperlein ein Kraut gewachsen ist, sondern auch welches: Löwenzahn und Brennnesseln gegen Frühjahrsmüdigkeit und Erschöpfung, Lindenblüten, Schafgarbe, Borretsch und die Knoblauchrauke stärken das Immunsystem, und Mutterkraut, Melisse und Johanniskraut können gegen Kopfschmerzen gegessen werden.

Im Spreewald sein und nicht Kahn fahren geht gar nicht. Deshalb gehört zum Preisträgerpaket auch noch eine zweistündige Tour durch die Fließe - selbstverständlich gibt es dazu einen Spreewälder Kräuterlikör. Und bevor nachts das Kräutersäckchen dann endlich seine Wirkung entfalten kann, sind die Gäste noch eingeladen, ein Menü nach Rezepten des Gastgebers zu genießen.

Ganz nebenbei bekommen die Preisträger - wie alle Seminaristen der Kräutermanufaktur - noch einen Einblick in das Leben vor rund 200 Jahren im Spreewald. Denn der Schlossberghof, in dem die Kräutermanufaktur ihren Sitz hat, ist die älteste Hofstelle von Burg. In dem Haus, wo heute die Schätze der Natur zu verschiedenen Köstlichkeiten verarbeitet werden, lebte einst der Bauer mit seiner Familie. Vor einigen Jahren wurde das Doppelstubenhaus von 1804 saniert. Für Peter Franke ist es ein Privileg, hier Vorräte schaffen zu dürfen wie einst die Altvorderen.

Gleich nebenan befindet sich der 1,5 Hektar große Burger Kräutergarten, der von behinderten Menschen aus den Lebenshilfewerkstätten Cottbus bewirtschaftet wird. So manches, was hier wächst, wird in der Manufaktur veredelt.

Gerade erst hat Peter Franke hier die erste grüne Auffangstation Deutschlands gegründet. Was das ist? Ganz einfach: Jeder, der in seinem Garten mehr Kräuter oder Gemüse hat, als er selber verwenden kann, kann das frisch Geerntete in die »Spreewälder Kräutermanufaktur« bringen und dort gegen verarbeitete Kräuter in vielfältiger Form eintauschen.

Also, worauf warten Sie noch? Bevor Sie das nächste Mal Brennnesseln, Giersch oder Löwenzahn auf den Komposthaufen werfen, essen Sie einen Teil auf und bringen den Rest zum Kräuterexperten. Und wer weiß, vielleicht bekommen Sie ja Lust, selbst mal ein Kräuterseminar mitzumachen.

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