Globale Volksmusik

Der Begriff »Weltmusik« ist eine westdeutsche Erfindung. Erstmals tauchte er 1972 auf der Kunstausstellung zu den Olympischen Spielen in München auf. Neben Pop- und Jazzmusikern begannen damals auch Komponisten der sogenannten ernsten Musik, sich für östliche Klänge und Musizierweisen zu interessieren, unter ihnen Karlheinz Stockhausen, Hans Otte und Peter Michael Hamel. Der bürgerliche Konzertsaal war ihnen längst zu eng geworden, und auch das, was bis dahin als Avantgarde galt, wusste ihr Streben in unbekanntes Terrain nicht mehr zu stillen.

Wenn man so will, reisten jene Künstler damals mit offenen Ohren hinaus in die Welt, um auszuprobieren, wie fremde Traditionen und Folkloren, wie auch das Musizieren von »Laien« in ihr eigenes künstlerisches Schaffen eingehen kann. Vier Jahrzehnte später haben sich die Bewegungen umgekehrt: Längst ist die Welt ins Land gekommen. Davon, wie die Musik der Einwanderer hier heimisch geworden ist, zeugte in den letzten Jahren auf besondere Weise das Ensemble »Heimatlieder aus Deutschland« mit seinen wirbelnden Konzerten und zwei CDs, auf denen ihre Lieder von DJs remixt wurden.

Insgesamt 250 Menschen verschiedenster Herkunft haben sich an diesem Projekt beteiligt. Einige von ihnen stürzen sich nun in ein neues Experiment: Beim Festival »Ein Traum von Weltmusik« machen sie sich an die Interpretation eben jener Kompositionen, die am Anfang standen. Im Hebbeltheater am Ufer (HAU 1) spielen sie am Freitag Werke von Stockhausen, Otte und Hamel, dem Niederländer Simeon ten Holt und der Österreicherin Grete von Zieritz, die schon im frühen 20. Jahrhundert in Berlin ihre »Japanischen Lieder« aufnahm. Am Sonnabend folgen eine Interpretation des »Canto Ostinato« von ten Holt und Improvisationen des französischen Free-Jazz-Pianisten François Tusques. Im Anschluss an die Konzerte wird es Vorträge und Diskussionen geben. mha Foto: Melanie Stegemann

Ein Traum von Weltmusik. 23., 24. Juni, jeweils ab 19.30 Uhr, im HAU 1, Stresemannstr. 29, Kreuzberg

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