Aufstehen gegen die Sherpas des Großkapitals

Am Mittwochvormittag begann der »Gipfel für globale Solidarität«

  • Simon Poelchau
  • Lesedauer: 3 Min.

»Wenn am Ende der Woche die Staats- und Regierungschefs der G20 zusammenkommen, werden sich nicht die Mächtigsten der Welt treffen. Dies sind jene Superreichen, denen die großen Konzerne gehören«.

Als Vandana Shiva zu ihrer Rede ansetzen will, wird sie von den Organisatoren des Alternativgipfels unterbrochen. Es gebe außerhalb der Halle noch mehr Menschen, die die indische Ökologin, Bürgerrechtlerin und Trägerin des alternativen Nobelpreises sehen wollen. Deshalb die Bitte: Zusammenrücken, damit noch mehr Menschen in die Halle passen, damit noch einige die Chance bekommen, Vandana Shiva sprechen zu hören.

Kurz vorher, als die Türen zur Halle 6 im Hamburger »Kampnagel« noch nicht offen waren, hatte sich schon eine lange Schlange von Ungeduldigen gebildet, die unbedingt bei der Auftaktveranstaltung zum »Gipfel für globale Solidarität«, dem Alternativgipfel der G20-Gegner in der ehemaligen Fabrik, dabei sein wollten. Die Veranstalter der Tagung, die Mittwoch und Donnerstag in Hamburg stattfindet, zeigten sich zufrieden über den Andrang. 1500 Menschen hatten sich im Vorfeld angemeldet.

Auch die Intendantin des Kampnagels, Amelie Deuflhard, war sichtlich froh, den Alternativgipfel »hosten« zu dürfen. Der »Sound in der Stadt« habe sich nämlich in den letzten Tagen verändert, man könne sich in Hamburg nicht mehr unterhalten, weil überall Hubschrauber fliegen würden. Selbst für ganz friedliche Veranstaltungen würde ein riesiges Polizeiarsenal aufgeboten. Dagegen wolle man ein Zeichen setzen auf dem Kampnagel, so Deuflhard.

Für die Inderin Vandana Shiva sind die Staats- und Regierungschefs der G20, die sich Ende der Woche in der Hansestadt treffen, indes nicht die wahren Mächtigen. Sie seien nur die »Sherpas« einer Handvoll Superreicher, die hinter den großen Konzernen und Investmentsfonds stehen würden, sagte die Aktivistin in Anlehnung an Diplomaten, die Sherpas genannt werden und Gipfeltreffen für die Staatschefs vorbereiten. »Das ist die Art und Weise, wie sie die Globalisierung antreiben, die Planeten und den Menschen verletzen«, so Shiva. Die Ökologin erinnerte dabei an die mehr als 300.000 indischen Farmer, die bereits in den Selbstmord getrieben worden wären, weil unfaire Handelsverträge die Rechte für das Saatgut in die Hände globaler Konzerne legen.

»Wir müssen gegen die Sherpas des großen Kapitals aufstehen und sie bekämpfen«, rief auch der brasilianische Gewerkschafter Valter Sanches auf. Er richtete den Blick auf eine andere Seite der Globalisierung: die globalen Wertschöpfungsketten. Große Marken würden Hosen in Ländern wie Bangladesch für sechs Euro das Stück einkaufen und sie in den Fußgängerzonen hierzulande für 49 Euro verkaufen. Die Arbeiter, die diese nähten, erhielten aber nur einen Hungerlohn. »Das ist unternehmerische Gier«, so Sanchez. Wenn sich die Arbeiter dagegen auflehnen, würden sie immer unterdrückt. »Denn diese armen Länder denken, dass sie nur an der Globalisierung teilnehmen können, wenn sie die niedrigsten Löhne anbieten können«, meinte der Gewerkschafter.

In den kommenden drei Tagen wird es insgesamt elf Podiumsveranstaltungen auf dem Alternativgipfel geben. Zudem werden 75 Workshops abgehalten. Ziel der Tagung sei es, so die Veranstalter, Kritik an der Globalisierung der G20 zu formulieren, Alternativen zu gestalten und über Strategien zur Umsetzung dieser zu diskutieren.

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