Karibikinseln in Angst vor »Maria«

Gefährliche Sturmflut wird befürchtet

Viele Karibikinseln haben sich noch nicht von den Verwüstungen des Hurrikans »Irma« erholt, da zieht bereits ein neuer Wirbelsturm heran: »Maria« befand sich am Montag 145 Kilometer nordöstlich von Barbados. Er dürfte in den nächsten 48 Stunden weiter an Kraft gewinnen und am Dienstag den Nordosten der Karibik erreichen. Das Nationale Hurrikanzentrum der USA (NHC) warnte vor schweren Überflutungen. Laut NHC bewegte sich der Hurrikan der Stärke 1 in Richtung Nordnordwest auf die Leeward-Inseln zu, die er in der Nacht zu Dienstag erreichen sollte. »Maria« könne eine »gefährliche Sturmflut mit großen und zerstörerischen Wellen« verursachen, warnte das NHC. Der Meeresspiegel an den Leeward-Inseln könne um 1,20 bis 1,80 Meter steigen. Für die Leeward-Inseln, die Jungferninseln und Puerto Rico sagte das Hurrikanzentrum Regenfälle von bis zu 51 Zentimetern und schwere Überflutungen voraus.

Auf den zu Frankreich gehörenden Antillen-Inseln Guadeloupe und Martinique galt am Montag die höchste Alarmstufe. Warnungen wurden auch für den Commonwealth-Inselstaat St. Kitts und Nevis, das britische Überseegebiet Montserrat und die Dominikanische Republik ausgegeben. Auch auf den Britischen und Amerikanischen Jungferninseln, den niederländischen Antilleninseln Sint Eustatius und Saba und in den Inselstaaten St. Lucia sowie Antigua und Barbuda wurden Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Barbuda war beim Durchzug von »Irma« vollständig zerstört worden.

Frankreichs Innenminister Gérard Collomb rechnete mit »großen Schwierigkeiten« für die Überseegebiete. Er kündigte die sofortige Entsendung von 110 zusätzlichen Soldaten des Zivilschutzes und Hunderter weiterer Einsatzkräfte an, um für Sicherheit zu sorgen und bei der Versorgung zu helfen. Die Schulen auf Guadeloupe wurden bis auf Weiteres geschlossen. Der französische Wetterdienst rechnete damit, dass sich das Auge des Sturms »in der zweiten Hälfte der Nacht auf Dienstag« in unmittelbarer Nähe von Guadeloupe befinden werde. Für die französisch-niederländische Insel Saint-Martin und das französische Saint-Barthélemy galt die niedrigere Warnstufe Gelb. Beide Inseln waren durch »Irma« schwer verwüstet worden. »Irma« hatte in der Karibik etwa 40 Menschen getötet, im US-Bundesstaat Florida kamen mindestens 20 Menschen um.

Die Regierungen Großbritanniens, Frankreichs und der Niederlande sehen sich seitdem Vorwürfen ausgesetzt, sie hätten zu spät auf das Unwetter in ihren Überseegebieten reagiert. Für Unmut sorgten neben Stromausfällen sowie Trinkwasser- und Lebensmittelengpässen auch Plünderungen, da es an Polizisten fehlte. AFP/nd

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