Nicht nur drüber reden

Klaus Joachim Herrmann über den Dialog mit Russland

  • Von Klaus Joachim Herrmann
  • Lesedauer: 1 Min.

Dialog und Partnerschaft klingen nach einer guten Sache. Aber über etwas zu reden, heißt für manche auch nur, dem Gegenüber kräftig um die Ohren zu hauen, was einem an ihm alles nicht passt. Und wenn den einen Partnerschaft alles Lob wert ist, kann diese anderen durchaus zu Missfallen und Misstrauen gereichen. Eben dafür lassen sich beim deutsch-russischen Petersburger Dialog und der Östlichen Partnerschaft mehr als genug Beispiele anführen.

Dialog-Vorsitzender Pofalla - »Es ist gut, dass wir darüber reden.« - ließ schon im Vorfeld keine Attacke gegen Moskau aus: Ostukraine, Krim, »nicht mehr zu überbietender« Zynismus gegenüber Syrien, »Drangsalierung« der Zivilgesellschaft usw. Die Östliche EU-Partnerschaft wird von Russland wiederum als Einvernahme früherer Sowjetrepubliken und gegen sich selbst gerichtet verstanden: erst Partnerschaft, dann EU, dann NATO, dann... Längst zieht der Pakt an den Grenzen auf, ausgerechnet die Deutschen führen geschichtsvergessen ein Kommando in Litauen.

Nur drüber reden reicht nicht. Die Sicht der Gegenseite, ihre Bedenken müssen ernst genommen und über die eigenen nachgedacht werden. Um Verständnis ist gegenseitig zu werben, erst daraus kann Annäherung und Wandel folgen. »Versteher« darf kein Schimpfwort bleiben.

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