Preise für Bauland steigen rapide

5,9 Milliarden Euro wurden letztes Jahr in Brandenburg für Immobilien ausgegeben

  • Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 4 Min.

Ruft jemand aus dem Rhein-Main-Gebiet beim Obersten Gutachterausschuss für Grundstückswerte in Brandenburg an. Er möchte sich ein Haus im Berliner Speckgürtel kaufen und hat ein Angebot für 500 000 Euro. Verblüfft erkundigt er sich: Da könne doch mit der Immobilie irgendetwas nicht stimmen, wenn sie so günstig sei?

Das erlebt der Gutachterausschuss-Vorsitzende Jürgen Kruse. Ihn wundert das nicht. Denn obwohl die Preise für Bauland, Eigenheime und Eigentumswohnungen im vergangenen Jahr noch einmal gestiegen sind, seien sie im Vergleich mit anderen Metropolenregionen wie Frankfurt am Main oder München immer noch günstig. Dabei gilt es allerdings auch zu bedenken, dass die Einkommen dort viel höher sind als hier.

Aus dem Grundstücksmarktbericht

Im vergangenen Jahr wurden in Brandenburg 36 000 Hektar Bauland, Acker und Weide veräußert.Der Höhepunkt war im Jahr 2001 mit 80 000 Hektar. Es ist seitdem tendenziell immer weniger geworden - auch deshalb, weil die bundeseigene Bodenverwaltungs- und verwertungsgesellschaft (BVVG) nicht mehr so viel privatisiert wie früher.

Ein freistehendes Ein- oder Zweifamilienhäuser kostete im vergangenen Jahr im Schnitt insgesamt 213 000 Euro beziehungsweise 1775 Euro je Quadratmeter. Ein Reihenhaus oder eine Doppelhaushälfte kostete 180 400 Euro.

2017 wurden im Land Brandenburg 4587 Kaufverträge zu Eigentumswohnungen abgeschlossen. Das entspricht einem Plus von vier Prozent. Mit 741 Kaufverträgen lag Potsdam in dieser Statistik wieder vorn. Durchschnittlich kostete eine neue Eigentumswohnung 3239 Euro je Quadratmeter.

Bei zehn Prozent der bebauten Grundstücke, die im vergangenen Jahr veräußert worden sind, handelte es sich um Wochenendhäuser. 26 Prozent dieser Datschen standen im Berliner Speckgürtel. Dort kosteten sie durchschnittlich 76 900 Euro, außerhalb des Speckgürtels nur 37 200 Euro. af

5,9 Milliarden Euro sind 2017 auf dem brandenburgischen Immobilienmarkt ausgegeben worden. Es ist der zweithöchste jemals im Land Brandenburg erzielte Umsatz. Im Jahr zuvor waren es noch 5,4 Milliarden Euro. Der Trend der vergangenen zehn Jahre: Es wird immer weniger Fläche für immer mehr Geld veräußert. 2017 wurden 35 312 Kaufverträge abgeschlossen und vom Notar beurkundet.

Diejenigen, die sich Bauland für ein Eigenheim oder gleich ein fertiges Haus kaufen, um selbst dort einzuziehen, stammen überwiegend aus Berlin. Diejenigen, die Immobilien als Wertanlage oder Spekulationsobjekt aufkaufen, sitzen oft in Süddeutschland. Das erklärt Kruse, als er am Donnerstag den brandenburgischen Grundstücksmarktbericht 2017 vorstellt.

Im Speckgürtel werden Bauland und Häuser knapp und damit immer teurer. Interessenten sind deshalb nicht mehr so wählerisch wie früher. »Man kann nicht unter drei Grundstücken das schönste auswählen«, sagt Kruse. Genommen werde inzwischen auch, was einen kleinen Makel habe, Altlasten beispielsweise oder eine weniger attraktive Umgebung.

»Wer ein Haus oder eine Eigentumswohnung erwerben oder sein Traumhaus bauen möchte, muss dazu immer tiefer in die Tasche greifen«, weiß Innenstaatssekretärin Katrin Lange (SPD). Es lohne die Überlegung, sich weiter weg von Berlin niederzulassen, wo die Preise allein schon für Bauland dreieinhalb mal niedriger liegen. Dabei spielt nicht nur die Entfernung eine Rolle, sondern auch die Verkehrsanbindung. Von einigen Städten aus ist das Berliner Stadtzentrum mit dem Regionalzug schneller zu erreichen als es mit dem Bus oder mit dem Auto von einer Gemeinde aus klappen würde, die näher liegt. Brandenburg/Havel ist so ein Fall, auch Rathenow, wo die Zahl der verkauften Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen in die Höhe geht.

Jürgen Kruse spricht in diesem Zusammen von einer »einfachen Abwägung mit Blick ins Portmonee und auf die Uhr«. Ein Grund zur Freude ist die Entwicklung für das Land, weil es nicht allein 6,5 Prozent Grunderwerbssteuer einstreicht, sondern durch die Zuzügler auch ganz generell Steuerzahler hinzugewinnt. Städte, die nach der Wende Einwohner verloren und langsam verfielen, bekommen wieder Entwicklungsmöglichkeiten. Die Kehrseite der Medaille: Selbst ein bescheidenes Eigenheim oder auch nur eine anständige Mietwohnung muss man sich nun erst einmal leisten können. Denn der Preisauftrieb wirkt sich auch auf die Mieten aus. Die Preise für Baugrundstücke kletterten im vergangenen Jahr um 26 Prozent auf durchschnittlich 106 Euro pro Quadratmeter. Spitzenreiter ist hier die Gemeinde Kleinmachnow gewesen, in der im Schnitt 527 Euro für den Quadratmeter Bauland hingeblättert werden mussten. Die höchsten Durchschnittspreise für Ein- und Zweifamilienhäuser wurden mit 800 000 Euro ebenfalls in Kleinmachnow erzielt, gefolgt von Potsdam mit 595 000 Euro.

Es gibt aber auch weiterhin noch einige abgehängte Gebiete, wo Häuser aus Mangel an Nachfrage zu Spottpreisen verhökert werden. Der Landkreis Elbe-Elster dürfte in dieser Hinsicht mit zu den billigsten in Deutschland gehören, bestätigt Kruse. Dort sind etwa in Schlieben Häuser bereits für 48 000 Euro und weniger zu haben. In solchen Gegenden gilt: Wenn die Oma stirbt, müssen die Kinder oder Enkel, die längst im Westen leben, froh sein, wenn sie überhaupt jemanden finden, der ihnen das geerbte Haus abnimmt, mit dem sie selbst nichts anfangen können.

Ackerflächen sind im Landesdurchschnitt binnen eines Jahres 17 Prozent teurer geworden. In der Uckermark kostet der Quadratmeter 1,82 Euro. Im uckermärkischen Brüssow entstand die absurde Situation, dass dort so ein Stück Feld lediglich 60 Cent billiger ist als ein Quadratmeter Bauland.

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