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  • Antisemitismus

Judenfeindlicher Angriff auf 25-Jährigen am Potsdamer Hauptbahnhof

Nach Angriff auf Mann mit Kippa: Jüdische Gemeinde verunsichert

  • Lesedauer: 2 Min.

Potsdam. Ein 25-jähriger Potsdamer, der eine Kippa mit Davidstern trug, ist vor dem Potsdamer Hauptbahnhof angegriffen und beleidigt worden. Beamte der Bundespolizei hätten nach dem Vorfall am Samstag als mutmaßlichen Täter einen syrischen Staatsangehörigen ermittelt, berichtete die Polizeidirektion West am Sonntag.

Der 25-Jährige sei von dem 19-jährigen Syrer angespuckt worden. Ermittelt werde gegen ihn wegen Volksverhetzung. Der Student sagte der Deutschen Presse-Agentur, er trage aus persönlichen Gründen täglich die Kippa. Nach eigenen Angaben ist der Mann als Christ geboren und hat den jüdischen Glauben für sich vor einigen Jahren angenommen. Er ist derzeit kein Mitglied einer Jüdischen Gemeinde.

»Als ich am Hauptbahnhof aus der Straßenbahn ausgestiegen bin, habe ich hinter mir Schatten wahrgenommen«. Im nächsten Moment sei er schon angespuckt, antisemitisch beleidigt und mit Gebärden bedroht worden. Der Verdächtige soll den 25-Jährigen als »Drecksjude« bezeichnet haben. Daraufhin alarmierte dieser die Polizei.

Nach dem Angriff hat sich die Jüdische Gemeinde besorgt gezeigt. Der Vorsitzende der Potsdamer Gemeinde, Evgeni Kutikow, erklärte am Montag: »Potsdam war bisher eine sichere Stadt. Der Angriff traf uns unerwartet. Die Mitglieder unserer Gemeinde sind sehr verunsichert.« Einige Mitglieder seien in der Stadt mit Kippa unterwegs, so Kutikow. »Wir wünschen uns, dass Potsdam eine sichere Stadt für Juden bleibt.«

Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit den Fall. »Die Ermittlungen dazu sind noch nicht abgeschlossen«, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Potsdam.

Nach Angaben des Innenministeriums von Anfang Juli auf eine Anfrage der AfD im Landtag wurden in Brandenburg von Januar bis Mai 51 politisch motivierte Straftaten im Bereich Hasskriminalität und Antisemitismus registriert. Das waren 13 Fälle oder rund ein Drittel mehr als im gleichen Zeitraum 2018. In lediglich zwei der 89 Delikte in beiden Zeiträumen ging es um Straftaten aus religiöser Ideologie.

Gläubige jüdische Männer tragen oft eine Kippa: ein kleines, rundes Käppchen aus Stoff auf dem Hinterkopf. Das jüdische Gesetz schreibt sie zwar nicht ausdrücklich vor, aber unter orthodoxen Juden ist die Kippa zur verpflichtenden Tradition geworden. Damit wollen sie vor allem ihre Demut vor Gott bezeugen. Agenturen/nd

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