Böhmermann will die SPD retten

Der Entertainer gibt bekannt, für den Parteivorsitz kandidieren zu wollen / In 70 Stunden muss er fünf Ortsverbände für sich gewinnen

  • Von Katharina Schwirkus
  • Lesedauer: 4 Min.

Jan Böhmermann will für den SPD-Vorsitz kandidieren. Das kündigte der Satiriker am Donnerstagabend in seiner Show »Neo Magazin Royale« an. Willy Brandt sei ihm im Traum erschienen und habe ihm gesagt: »Du musst es machen, der Olaf (Scholz) ist 'ne Pfeife.« Es könne juristische Schwierigkeiten geben, sagte er. An die SPD-Parteimitglieder gerichtet erklärte der Entertainer: »Ich bin bereit, die SPD zu retten, wenn Ihr mir dabei helft.« Böhmermann ist nach eigenen Worten bisher noch nicht SPD-Mitglied und bräuchte für die Kandidatur die Unterstützung von fünf Ortsverbänden, fünf Bezirken oder einem Landesverband. Er beteuerte aber, die Aktion sei kein Witz.

Der SPD-Politiker Karl Lauterbach sagt »nd« zu Böhmermanns Ankündigung: »Ich finde Böhmermann ist eine sympathische Person und denke, dass kann der SPD im Großen und Ganzen nicht schaden.« Allerdings hat Böhmermann nur noch bis Sonntag um 18 Uhr Zeit, die Formalitäten für seine Kandidatur zu erfüllen. Lauterbach sagt dazu, er könne es aber noch schaffen, wenn er die notwendigen fünf Bezirke finden würde, die ihn unterstützen.

Die SPD-Abgeordnete aus Brandenburg, Klara Geywitz, äußert sich kritisch zu Böhmermanns Plänen. »Die Zeit von einsamen Entscheidungen von Männern in der SPD ist vorbei«, sagt sie gegenüber »nd«. Sie mache sich immer »dafür stark, dass Männer und Frauen gleichberechtigt Verantwortung übernehmen. Deswegen sollte sich Böhmermann sowohl Parteibuch als auch eine Frau suchen.« Böhmermann sei ein Komiker, so Geywitz weiter. »Ich finde diese Aktion allerdings eher peinlich als komisch.« Abschließend urteilt Geywitz: »Ich glaube, Jan Böhmermann denkt bei seinem Handeln nicht in erster Linie darüber nach, was der SPD nutzt und deswegen ist er für den Vorsitz auch nicht qualifiziert.«

Ich, Jan Böhmermann, bewerbe mich als SPD Vorsitzender!

Bislang hat der Wahlvorstand der SPD bei fünf Kandidatenduos die nötige Unterstützung anerkannt, wie ein Parteisprecher am Donnerstag mitteilte. Dies sind: Scholz und die Brandenburger Landtagsabgeordnete Klara Geywitz, Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping, Europa-Staatsminister Michael Roth und die ehemalige nordrhein-westfälische Familienministerin Christina Kampmann, die beiden Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer sowie die Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis und der Verdi-Chefökonom Dierk Hirschel.

Geteiltes Echo aus der SPD

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter hatte Lauterbach unmittelbar nach Bekanntgabe der Pläne geschrieben, er hoffe, dass der Satiriker es noch schaffe, die Formalitäten für die Kandidatur zu erfüllen. Er wünschte seinem Team, dass es »nach Nina und mir den zweiten Rang erkämpfen« könnte. Anschließenden »losen wir um den Vorsitz«, so Lauterbach, der mit Nina Scheer für den Vorsitz kandidiert.

Böhmermann hat für seine Kandidatur den Hashtag »#neustart19« und die dazugehörig Website »neustart19.de« ins Leben gerufen. »Wenn die Sozialdemokratische Partei Deutschlands tatsächlich die effiziente Demokratiemaschine ist, für die ich sie halte, muss es doch möglich sein, die Formalitäten für meine Kandidatur innerhalb von drei Tagen zu erledigen«, so der Satiriker auf seiner Kampagnen-Website. In dem Video zu seiner Kandidatur sagte Böhmermann, er werde jeden Monat 186,30 Euro als Beitrag an die SPD zahlen. »Das ist was für all die Traditionalisten da draußen, die glauben, dass mir die Geschichte der SPD nicht am Herzen liegt.« Im Jahr 1863 wurde die SPD gegründet.

Die Ankündigung von Böhmermann erfolgte in der ersten Ausgabe von »Neo Magazin Royale« nach der Sommerpause. Der Fernsehstar zog mehrere der SPD-Kandidaten durch den Kakao. So brachte er boshaft Boris Pistorius mit dem früheren Paralympics-Star Oscar Pistorius aus Südafrika durcheinander: »Ich muss an dieser Stelle wirklich mal fragen: Ist Deutschland wirklich schon bereit für einen SPD-Chef ohne Beine, der seine Frau durch die Badezimmertür erschossen hat? Ich denke ja.«

Auf die angekündigte Bewerbung des Satirikers reagierten auch andere Politiker mit Humor. »Kluge Kampagne«, kommentierte Kevin Kühnert, Chef der Jugendorganisation der SPD, das Video von Böhmermanns Bewerbungsrede auf Twitter. »Es fehlen noch AWO-Tischdecke und IG Metall-Cap, dann könnten die ersten Unterbezirke weich werden. Tipp: Mehr Willy Brandt-Zitate nutzen.« Die Jusos selbst twitterten auf ihrem offiziellen Kanal: »Wenn Jan Böhmermann um Mitternacht nicht die Internationale singt, gibt's von uns keine Chance auf Unterstützung.« Alexander Schweitzer aus dem SPD-Bundesvorstand sagte der »Bild«, er finde es gut, wenn der Moderator SPD-Mitglied werde. »Allerdings sollte er beim Mitgliedsbeitrag nicht zu knauserig sein und sich das mit dem Vorsitz schnell wieder abschminken.«

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