Dein Herz schlägt für Maschmeyer

Das Robert-Koch-Institut stellte die freiwillige Datenspende-App vor // Ein eHealth-Startup in das Carsten Maschmeyer investierte produziert die App

  • Von Daniel Lücking
  • Lesedauer: 3 Min.

Eine freiwillige Datenspende soll im Kampf gegen das Coronavirus helfen: Werte, wie Blutdruck, Herzschlag und Körpertemperatur, sollen Menschen nun in Verbindung mit ihrer Postleitzahl und weitestgehend anonymisiert über eine App übermitteln. Schon kurz nach der Vorstellung durch den Präsidenten des Robert-Koch-Instituts (RKI) Professor Lothar H. Wieler gerät die App an ihre Leistungsgrenzen. Wer hinter der App steckt, ist nicht sofort ersichtlich.

»Danke für Ihr großes Interesse an der #Datenspende-App«, schreibt das RKI auf Twitter. »Durch die vielen Zugriffe gibt es aktuell technische Probleme, u.a. bei der Eingabe der PLZ. Wir arbeiten daran #ZusammengegenCorona«.

Die breite Akzeptanz der Bevölkerung zu einer solchen technischen Maßnahme gegen das Coronavirus war in den letzten Tagen bereits erwartet worden und bestätigt sich bei diesem App-Projekt. Aus den Daten von Fitnessarmbändern und Smartwatches wollen die Wissenschaftler des RKI Erkenntnisse gewinnen, noch bevor sich Krankheitssymptome zeigen. »Diese Daten helfen uns, die Dunkelziffer der Infizierten zu minimieren und bessere Maßnahmen treffen zu können.«

Fieber, veränderter Schlaf und eine verringerte Aktivität würden auf eine mögliche Infektion hindeuten, aber letztlich keine Covid19-Infektion bestätigen können, heißt es aus dem Robert-Koch-Institut in der morgendlichen Pressekonferenz. Die Symptome sollen ausgewertet werden und die Daten darüber in eine regionale Karte fließen, die die Verbreitung von potenziell Infizierten bis auf Ebene der Postleitzahl zeige.

Maschmeyer-Investment

Wenn es in der Öffentlichkeit um Datenschutz geht, dann wird gewöhnlich auf die Beteiligung von Facebook oder Google an Datenauswertungen mit Ablehnung reagiert. Weniger etabliert ist der kritische Blick bei anderen Unternehmen, die in großem Stil an Datensammlungen beteiligt sind. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen der App offenbaren, dass das deutsche Unternehmen, das die App umsetzt, ein hochbewertetes Berliner StartUp ist. Ein Firmenportrait der mHealth Pioneers GmbH, das im Mai 2019 in der Wirtschaftswoche erschien, legt die Hintergründe des 2017 gegründeten Unternehmens offen.

Zu den bekanntesten deutschen Investoren zählt Carsten Maschmeyer, der zuletzt in der TV-Produktion Höhle des Löwen quasi am Fließband nach neuen Unternehmensideen und Geschäftskonzepten suchte. Maschmeyer ist umstritten. Insbesondere die Berichterstattung rund um den von ihm mitgegründeten Finanzdienstleister AWD, dessen Verkaufsmethoden über Jahre in der Kritik standen, zog rechtliche Auseinandersetzungen nach sich.

Zu den weiteren Investoren zählt Min-Sung Sean Kim, der für Samsung in die Bereiche künstliche Intelligenz und immer wieder auch Gesundheitsdaten investiert.

Nicht nachvollziehbar

Markus Beckedahl, Chefredakteur von Netzpolitik.org fordert via Twitter einen verantwortungsvollen Umgang mit den Daten. Er macht klar, dass sensible Gesundheitsdaten nur dann in ausreichendem Maß bereitgestellt würden, wenn Menschen vertrauen könnten: » Einfach drauf schreiben «Vertraut uns» reicht da nicht. «

Mittlerweile wurde bekannt, dass es sich bei der Datenspende-App nicht um eine quelloffene App handelt. Daher kann technisch zunächst nicht nachvollzogen werden, ob Daten aus der App noch anderweitig genutzt werden.

CA2 - Die neue Datenspende-App des RKI

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