Natürlich, niemals, vielleicht oder später

SIEBEN TAGE; SIEBEN NÄCHTE über die Corona-Warn-App und das nd

  • Von Regina Stötzel
  • Lesedauer: 2 Min.

»Natürlich!« - »Vor fünf Minuten runtergeladen.« Oder auch: »Niemals!« Geradezu bekenntnishaft wird das Herunterladen der Corona-Warn-App in den sozialen Medien behandelt. »Ja, klar.« - »Bin noch sehr unentschlossen.« - »Nein, auf keinen Fall.« Ein ähnlich breites Meinungsspektrum ist in der nd-Redaktion festzustellen. Allerdings wurden hier nicht freiwillig Bekenntnisse abgelegt, sondern im Rahmen einer nicht repräsentativen Umfrage abverlangt. Diese ergab am Tag 2 nach Präsentation der App: 20 Prozent der Redakteur*innen hatten sie installiert, deutlich mehr als in Deutschland zu diesem Zeitpunkt. 15 Prozent verfügen nicht über geeignete Gerätschaften, um die App zu laden, würden es aber auch nicht alle tun. Etwa 7 Prozent warten erst mal ein bisschen ab und installieren dann - man weiß ja, wie es läuft, sagen sie. Andere sagen, sie wüssten eben nicht, wie es läuft, und wollten deshalb zunächst Menschen oder Instanzen ihres Vertrauens zu Rate ziehen, darunter Söhne, Kollegen und den Chaos Computer Club. Letzteren halten wiederum manche für genug befragt und einbezogen, um der Sache doch halbwegs zu trauen. Kein Vertrauen genießen dagegen Jens Spahn, die Bundesregierung und der Staat an sich, weshalb knapp 25 Prozent die App klar ablehnen: »aus Prinzip«, wegen »genereller Antihaltung«, aber auch weil sie damit rechnen, dass aus der Freiwilligkeit eine soziale Kontrolle am Arbeitsplatz oder im Restaurant werden könnte.

Von den Unentschlossenen treibt die meisten ein generelles Unwohlsein in Sachen Datenschutz um, während manche noch gar keine Zeit hatten, sich mit der Thematik zu befassen. Andere zweifeln gerade wegen der ihnen zur Verfügung stehenden Informationen am Sinn der ganzen Angelegenheit. Schließlich müssten dafür auch die nachweislich Infizierten aktiv werden. »Das macht doch keine Sau!«, meint ein Kollege, der allerdings dem Smartphone auch nur dann verrät, wo er ist, wenn er sich beim Pilzesammeln im Wald verirrt hat. Weniger konsequent sind da einige Kolleg*innen, die zwar die Corona-Warn-App ablehnen, aber durchaus etwa Google Maps mit Standortzugriff benutzen oder auf Facebook so allerhand unter ihrem Klarnamen verraten. Nachfragen diesbezüglich lockten durchaus das eine oder andere verschämte Lächeln hervor. Wer sich darum keinen Kopf mache, habe auch kein Argument gegen die Corona-Warn-App, sagte wiederum eine Kollegin, die sie geladen hat.

Interessante Schlussfolgerungen ließen sich daraus ziehen, dass gerade in den kleineren Ressorts gewisse einheitliche Tendenzen zu erkennen waren. Diese auszuführen lässt aber leider der bei der Befragung zugesicherte Datenschutz nicht zu. Ansonsten werden wir alle Entwicklungen im Zusammenhang mit der Corona-Warn-App weiterhin kritisch verfolgen, garantiert ohne Bekenntnisse.

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