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»Im Grunde ist es egal, ob ein Mensch über einen gelungenen Text glücklich ist oder über ein Wurstweckle«, sagte Inge Jens einmal, die Ehefrau des vor einigen Jahren verstorbenen Tübinger Literaturhistorikers Walter Jens. Das sagte sie zu einem Zeitpunkt, als ihr Ehemann bereits schwer dement war. »Wurstweckle« (schwäbisch) bedeutet so viel wie »ein mit Wurst belegtes Brötchen«. Und die Frau hat ja recht: Glück ist ein Zustand, der sich im Leben der meisten wohl selten genug einstellt. Und ob das kurzzeitig empfundene Behagen des Altphilologen nun daher rührt, dass er beim morgendlichen Überfliegen der Überschriften in seiner Tageszeitung versehentlich »Aischylos« liest statt »Asylchaos«, oder daher, dass gerade ein schmackhafter Speisebrei aus eingeweichten Fleischkäsebröckchen und erfolgreich zerspeicheltem Kleingebäck die Kehle hinuntergleitet, ist irrelevant. Hauptsache ist doch, die Wurst stammt nicht aus dem Schlachtkonzern Tönnies. tbl

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