Versöhnung im Streit um Tampon-Petition

Unternehmen entschuldigt sich bei Aktivistinnen wegen Unsichtbarmachung ihrer Arbeit

  • Julia Trippo
  • Lesedauer: 3 Min.

Insgesamt 190.000 Unterschriften sammelten die Aktivistinnen Nanna-Josephine Roloff und Yasemin Kotra aus Hamburg mit ihrer am Weltfrauentag 2018 gestarteten Petition gegen den sogenannten Tampontax. Diese setzte sich für die Abschaffung des erhöhten Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent für Menstruationsprodukte ein. Denn die hohe Besteuerung stelle laut Petition »eine fiskalische Diskriminierung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts« dar. Der Kampf gegen den Tampontax begann 2014, als Aktivistin Penelope Kemekenidou die erste Petition auf der Plattform change.org ins Leben rief. Als Nanna-Josephine Roloff und Yasemin Kotra ein paar Jahre später das Thema wieder aufgreifen wollten, übertrug Penelope Kemekenidou ihnen die Rechte, auch die 30.000 bereits gesammelten Stimmen blieben erhalten.

Im Rahmen ihrer Kampagne traten die beiden Frauen für Unterstützung an Unternehmen heran, darunter auch der Kondomhersteller Einhorn. Von ihnen erhielten die Aktivistinnen eine Absage. Im Mai 2019 startete das Unternehmen dann selbst, gemeinsam mit dem Magazin »Neon«, eine Online-Petition auf der Webseite des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages mit gleicher Zielsetzung. Doch Rollof und Kotra stören sich daran, dass Einhorn - vor Start der eigenen Petition - von ihrem Engagement wusste, aber nicht zu einer Zusammenarbeit oder Unterstützung bereit war. Den Hamburgerinnen gehe es nicht darum, wer wie viel zum Erfolg beigetragen hat, sondern um die »bewusste Entscheidung über bestehenden Aktivismus hinwegzugehen«, erzählte Roloff im Gespräch mit »nd«.

Seit dem 1. Januar 2020 gilt das neue Steuergesetz, das die Steuersenkung von 19 auf sieben Prozent für Menstruationsprodukte beinhaltet. Damit werden Produkte wie Binden, Tampons, Menstruationstassen und -unterwäsche nicht mehr als »Luxusartikel« sondern als »Artikel für den täglichen Bedarf« eingestuft.

Viele Monate nachdem die Steuersenkung beschlossen wurde, drangen die Probleme aus dem Hintergrund wieder nach vorne: Ursache war ein Fernsehauftritt der Sängerin Lena Meyer-Landrut in der Faisal Kawusi Show. Die Sendung ist bereits aus dem letzten Jahr, aber erst jetzt zufällig auf den Radar der Frauen gekommen. Der Moderator attestierte dort Meyer-Landrut, einer der »führenden Feministinnen des Landes« seiner Meinung nach, sie habe etwas Politisches geschafft - nämlich die Senkung des Mehrwertsteuersatzes. Die Sängerin verwies darauf, dass dies nicht ihre, sondern Einhorns Idee gewesen sei. Sowohl das Magazin »Neon« als auch die beiden Aktivistinnen wurden außen vor gelassen. Nanna-Josephine Roloff schlug das ganz sauer auf, obwohl sie dachte, »das Ganze eigentlich hinter sich gelassen zu haben«. Ihre Enttäuschung vertraute sie drei Freundinnen an, die auf ihren Instagram-Kanälen auf die Problematik aufmerksam machten.

Am Donnerstagabend gab es ein klärendes Gespräch zwischen den beiden Parteien. Die Mitarbeitenden bei Einhorn hätten Roloffs Einschätzung zufolge aus ihren Fehlern gelernt. Nachdem das Thema auf Instagram wieder hochgekocht war, hagelte es einen Shitstorm für Einhorn – trotz ihrer öffentlichen Entschuldigung.

Das Einhorn-Team, Roloff und Kotra wollen nun an einem gemeinsamen Projekt arbeiten. Denn die Kritik im Netz habe ein schlechtes Licht auf Aktivismus von Unternehmen geworfen, Engagement das Roloff grundlegend befürwortet. Zusammen wollen sie herausarbeiten, wie und unter welchen Voraussetzungen Unternehmen sich für gesellschaftliche Veränderung einsetzen können.

Werde Mitglied der nd.Genossenschaft!
Seit dem 1. Januar 2022 wird das »nd« als unabhängige linke Zeitung herausgeben, welche der Belegschaft und den Leser*innen gehört. Sei dabei und unterstütze als Genossenschaftsmitglied Medienvielfalt und sichtbare linke Positionen. Jetzt die Beitrittserklärung ausfüllen.
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft
Dazu passende Podcast-Folgen:

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal