Ein ganz schlechter Stil

Meine Sicht: Rainer Rutz über die Erhöhung der Preise für Semestertickets

  • Von Rainer Rutz
  • Lesedauer: 2 Min.

Dass der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg finanziell unter den Auswirkungen der Coronakrise ächzt, steht außer Frage. Aber einen Großteil der Studierenden in beiden Bundesländern trifft die Krise im Kleinen ja doch noch weitaus härter. Vor allem weil massenhaft die Nebenjobs weggebrochen sind, mit denen man sich bislang gerade so über Wasser halten konnte. Und ein Ende dieser Situation ist beileibe nicht absehbar. Ausgerechnet jetzt die Preise für die Semestertickets anheben zu wollen, zeugt also mindestens von mangelndem Feingefühl.

Klar, eine Ticketpreiserhöhung um fünf oder sechs Euro pro Semester im ersten Jahr klingt erst einmal nicht danach, als würde sie Studierende in den finanziellen Ruin treiben.

Doch es geht beim Widerstand gegen die Pläne der Verkehrsunternehmen zu Recht auch und vor allem ums Prinzip und den Stil. Denn dass die Hochschulen gerade auf der Notstufe laufen und ihre Präsenzveranstaltungen auf ein Minimum reduziert haben - und damit auch das studienbedingte Fahrtaufkommen - , sollte auch zu den Verantwortlichen beim Verkehrsverbund durchgedrungen sein. Das ist an sich schon keine gute Werbung für das Anliegen, mehr Menschen (und ja nicht nur die Studierenden) dazu zu bewegen, die Angebote des Öffentlichen Nahverkehrs zu nutzen.

Hinzu kommt aber die Art und Weise, wie die Preiserhöhungen durchgedrückt werden. Die angebotene Alternative zur Verteuerung lautet ja: Wenn ihr unsere Forderung nicht akzeptiert und weiter rumbockt, gibt es eben gar kein Semesterticket mehr. Friss oder stirb! Genau das ist in der aktuellen Krise ein »unsolidarisches« Verhalten, und nicht, wie der Sprecher der Unternehmen meint, der Widerstand gegen die höheren Preise.

Davon abgesehen sollte das Ziel aller künftigen Verhandlungen ohnehin ein anderes sein. Ist es den Verantwortlichen ernst mit dem Bekenntnis zur Verkehrswende, sollte am Ende das 365-Euro-Jahresticket stehen. Und das nicht nur für Studierende, sondern generell für alle Nutzerinnen und Nutzer des Öffentlichen Personennahverkehrs.

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