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Tesla drückt aufs Tempo

US-Unternehmen plant nun weltgrößte Batteriefabrik in Grünheide - Naturschützer protestieren gegen weitere Abholzung von Waldflächen

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.

An der Baustelle der künftigen Tesla-Automobilfabrik in Grünheide (Oder-Spree) rüsten Umweltaktivisten, Anwohner und Gegner der Ansiedlung des US-Konzerns zu neuerlichem Protest. Sie wollen die geplante Rodung weiterer Waldflächen verhindern. Das Landesumweltamt hatte dem Unternehmen am Montag die Genehmigung erteilt, vorfristig weitere 82,8 Hektar Wald abzuholzen, eine Fläche, die für Rohrleitungen und als Lagerungsmöglichkeit benötigt werde. Tesla drückt enorm aufs Tempo und wirbt in diesem Zusammenhang auch mit der Ansiedlung modernster Batterietechnologie am Ort.

Im Vorfeld der Verleihung des Axel-Springer-Preises am Dienstagabend in Berlin an Elon Musk protestierten Klima- und Umweltschützer gegen den umstrittenen Multimilliardär. Musks Bauvorhaben in Brandenburg gefährde das Trinkwasser für die Metropole Berlin, hieß es dazu in einer Erklärung der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP).

Doch die kritischen Stimmen stoßen längst nicht überall auf offene Ohren. Wie aus einer Ende November veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap hervorgeht, rechnen zwei Drittel der Brandenburger nach dem Bau der Tesla-Fabrik mit weiteren Industrieansiedlungen im Land. Die Forscher hatten sich im Auftrag des Rundfunks RBB im Bundesland umgehört und herausgefunden, dass diese optimistische Sicht in allen Altersgruppen geteilt wird.

Der aktuelle Stand der Tesla-Ansiedlung am Standort Grünheide war am Mittwoch auch Thema im Umweltausschuss des Landtages. Bei Redaktionsschluss war der Tagesordnungspunkt noch nicht aufgerufen.

Tesla will im Juli 2021 in Grünheide sein Automobilwerk mit einer Jahreskapazität von 500 000 Pkw in Betrieb nehmen. Gebaut werden sollen die batteriegespeisten Kompaktmodelle 3 und Y. Bisher baut der US-Elektroautobauer sein Werk abschnittsweise ausschließlich auf der Grundlage vorläufiger Einzelzulassungen und somit auf eigenes Risiko. Die komplette umweltrechtliche Genehmigung des Vorhabens durch das Land Brandenburg steht bislang noch immer aus.

Konkretere Formen nimmt inzwischen auch die bereits bei der Projektbekanntgabe im November 2019 angekündigte Batteriefertigung am Standort an. Bei einem im Internet übertragenen Auftritt in der vergangenen Woche anlässlich einer Konferenz zur europäischen Batteriewirtschaft stellte Tesla-Chef Elon Musk nicht nur neue Kompaktmodelle speziell für den europäischen Markt in Aussicht, sondern auch den Bau der voraussichtlich weltgrößten Batteriefabrik in Grünheide. Im August hatte er ein bereits patentiertes, revolutionäres Batteriezellenkonzept vorgestellt. Diese »umweltfreundlicheren, günstigeren und stärkeren Batterien« wolle das Unternehmen bei Berlin fertigen. Sie würden nur halb so teuer wie vergleichbare bisherige Akkus.

Der Bau der Fabrik, der mit außergewöhnlichem Tempo und Nachdruck vorangetrieben wird, genießt größtmögliche Unterstützung durch das Land und den Bund. In der Region stößt er auf ein geteiltes Echo. Grünheides Bürgermeister Arne Christiani (parteilos), ein entschiedener Befürworter, sieht große wirtschaftliche Entwicklungschancen zum Nutzen der Region und ihrer Bewohner. »Ich bin von vorn herein auch von einer Batteriefertigung vor Ort ausgegangen. Dabei ist aus meiner Sicht entscheidend, dass die neue, umweltfreundlichere Batterietechnologie, die hier zum Einsatz kommen soll, möglichst dem Raubbau an der Umwelt und der Ausbeutung der Menschen bei der Gewinnung der Rohstoffe ein Ende setzt«, sagte er dem »nd«.

Anwohnerinitiativen, Umweltverbände und örtliche Unternehmen befürchten vor allem Gefahren für das Grundwasser sowie für schützenswerte Arten und Naturräume. Sie fordern seit Monaten mehr Transparenz und Mitspracherechte. Tesla hatte bereits für den Baustart im Frühjahr 2020 rund 92 Hektar Kiefernforst gerodet.

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