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Die Mythen der Coronaleugner

»Nur eine Grippe«? Diese fünf oft verwendeten Argumente der Coronaleugner sind falsch - und zwar aus Gründen

  • Von Nils Sandrisser, epd
  • Lesedauer: 4 Min.

Frankfurt a.M. Gegner der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie kritisieren grundlegende Annahmen der Politik. Wesentliche Behauptungen der Coronaleugner sind jedoch von der großen Mehrheit der Wissenschaftler widerlegt. Im Einzelnen:

Behauptung: Covid-19 hat kaum Einfluss auf die Sterblichkeit

Stimmt, ist aber irrelevant. Die aktuell knapp 22.000 Corona-Toten lassen natürlich die Zahl der Todesfälle, die in Deutschland bei etwa einer Million liegt, nicht enorm steigen. Die Sterblichkeit sagt aber nichts über die Gefährlichkeit einer Krankheit aus.

»Querdenker« argumentieren häufig mit der Sterblichkeit - verwechseln aber dabei Sterblichkeit (Mortalität) mit Letalität (Tödlichkeit). Mortalität bezeichnet die Zahl der in einem bestimmten Zeitraum Verstorbenen, unabhängig von deren Todesursache. Letalität ist der Anteil von Menschen, die an einer bestimmten Krankheit leiden und daran versterben.

Das Coronavirus hat die Mortalität in Deutschland zwar nicht enorm ansteigen lassen, der Anstieg ist aber durchaus nachweisbar, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen.

Behauptung: Covid-19 ist nicht gefährlicher als Grippe

Stimmt nicht. Die Letalität der Virusgrippe ist mit 0,2 Prozent sehr niedrig. Beim Coronavirus ist die Bestimmung der Letalität nicht ganz einfach. Das liegt daran, dass nicht klar ist, wie viele Infektionen ohne Symptome ablaufen, also unerkannt bleiben. In Studien lag dieser Anteil zwischen vier und 40 Prozent. Der Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass die Letalität von Covid-19 bei etwa einem Prozent liegt - und damit fünf Mal höher als die der Grippe. In der Altersgruppe über 80 Jahre verstirbt sogar rund jeder zehnte Erkrankte.

21 Prozent der Covid-19-Patienten, die so schwer erkrankt waren, dass sie ins Krankenhaus aufgenommen werden mussten, verstarben. Bei der Virusgrippe waren es nur zwölf Prozent, wie das Epidemiologische Bulletin des Robert-Koch-Instituts von Anfang Oktober belegt. Insgesamt verläuft Covid-19 auch bei Fällen, in denen die Patienten überleben, viel schwerer als die Virusgrippe. Letztere befällt fast immer nur die Atemwege. Beim Coronavirus hingegen sind relativ häufig andere Organe wie Nieren oder Herz betroffen, außerdem das Gefäß-, Nerven- und Immunsystem.

Behauptung: Die steigende Zahl der Corona-Infektionen liegt nur daran, dass mehr getestet wird

Falsch. Die Zahl der Tests korreliert nicht mit der Zahl der Erkrankungen. Richtig ist: Seit Mai wird verstärkt getestet. Gleichzeitig sanken aber während des Sommers die Infektionszahlen. Seit Juli nahm die Zahl der Tests nur noch leicht zu. Trotzdem begannen im Oktober die Infektionszahlen exponentiell in die Höhe zu schnellen.

Behauptung: Die Corona-Tests sind unzuverlässig

Sind sie nicht. Jeder Test hat natürlich eine Fehlerquote, aber die Zuverlässigkeit der sogenannten PCR-Tests liegt bei nahe 100 Prozent. Bei unplausiblen Befunden werden die Tests in der Regel wiederholt.

In »Querdenker«-Kreisen kursiert die Aussage, dass jeder PCR-Test positiv werde, wenn man nur den sogenannten Ct-Wert hoch genug ansetze. Der Ct-Wert beschreibt die Zahl der Zyklen von Erhitzen und Abkühlen einer Probe, die es braucht, um Virusgene zu identifizieren. Ein niedriger Ct-Wert bedeutet, dass es nur wenige Zyklen braucht, um Virusmaterial in einer Probe zu finden. Und das heißt, dass viel davon vorhanden sein muss, der Patient also infektiös ist.

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Tatsächlich wird ein PCR-Test ab 60 Zyklen aus technischen Gründen immer positiv und wird deshalb gar nicht praktiziert. Ein Test des Robert-Koch-Instituts wird ab einem Ct-Wert von 30 als negativ gewertet. Wie hoch der Ct-Wert sein darf, um als negativ zu gelten, ist allerdings von vielen Faktoren abhängig: vom Stadium des Patienten zum Zeitpunkt des Abstrichs, vom Abstrich selbst, vom auswertenden Testgerät und so weiter. Der Ct-Grenzwert von 30 gilt daher nur für Tests des Robert-Koch-Instituts.

Behauptung: Maskentragen bringt nichts

Doch. Zwar stimmt es, dass die Viren so klein sind, dass sie leicht das Gewebe der Mund-Nasen-Bedeckungen durchdringen können. Aber Masken halten einen Teil der Tröpfchen zurück, die wir ausatmen und an denen Viren kleben können. Aerosole - sehr kleine Tröpfchen - können das Gewebe zwar sehr viel besser passieren als Tröpfchen. Aber ein Teil bleibt eben doch hängen. Und so sinkt die Viruslast. Denn ein einzelnes Virus reicht in der Regel nicht, um das Immunsystem zu überwinden. Je weniger Viren eingeatmet werden, desto geringer das Infektionsrisiko. Aber das Maskentragen verringert nur das Risiko einer Infektion. Ein absoluter Schutz ist es nicht. epd/nd

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