Arbeit gefährdet die Gesundheit

Meine Sicht: Marie Frank fordert die Ausweitung der Maßnahmen auf das Berufsleben

  • Von Marie Frank
  • Lesedauer: 2 Min.

Eine Party in einer Shisha-Bar mit zwölf Leuten in Reinickendorf am Mittwochabend, eine Privatparty mit mehr als 20 Menschen in Buckow am Dienstag, am Wochenende sogar eine Hochzeitsfeier in Mitte mit 60 Gästen - der Isolationsimperativ wackelt zusehends. Dass die Menschen langsam müde sind von den immer neuen Einschränkungen, ist verständlich.

Zwar geben die Infektionszahlen beileibe keinen Anlass zur Entwarnung, und Berlin ist von Lockerungen weit entfernt, allerdings sehen es immer weniger Menschen ein, ihr Leben für die Wirtschaft aufs Spiel zu setzen, aber ihr Privatleben massiv herunterzufahren. Denn auch wenn uns das Kapital gern etwas anderes einredet: Für die meisten Menschen ist das Leben jenseits der Arbeit, das, was zählt. Lohnarbeit ist lediglich ein notwendiges Übel, um dieses Leben zu ermöglichen - nicht andersherum.

Warum sich also jeden Morgen und Abend zu Stoßzeiten in überfüllte Verkehrsmittel stellen, wo Abstandhalten unmöglich ist, um dann ins Büro oder die Fabrik malochen zu gehen, wo Dutzende Kolleg*innen das gleiche Schicksal teilen, nur um sich dann nach Hause in soziale Isolation zu begeben? Weil es unbedingt notwendig ist, dass in der Pandemie 10.000 neue Autos mit Verbrennungsmotor gebaut werden? Weil wir nicht leben können ohne sexistische Werbung, die uns das nächste sinnlose Produkt andrehen will, das wir nicht brauchen?

Wohl kaum. Wenn die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie also akzeptiert werden sollen, dürfen die Einschränkungen nicht nur das Privatleben betreffen, sondern müssen auch im Arbeitsbereich gelten. Eine Homeoffice-Pflicht allein reicht da nicht aus, denn nicht nur die Büros, auch andere nicht lebensnotwendige Arbeitsbereiche müssen dichtgemacht werden, wenn wir die Ausbreitung des Coronavirus stoppen wollen. Dann ist in den Öffis auch wieder Platz für »systemrelevante« Arbeiter*innen wie Pfleger*innen oder Verkäufer*innen. Das mag für die Wirtschaft »schmerzhaft« sein, bietet aber auch die Chance auf nachhaltigen Wandel: Denn Autos mit Verbrennungsmotor sind ohnehin kein Zukunftsmodell, und Werbung im öffentlichen Raum braucht auch keine*r.

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