Potsdam bietet Klickkultur

Zahlreiche Veranstaltungen zum Jahrestag des ersten Lockdowns am 13. März

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

Eine Frau nähert sich hoffnungsvoll dem Potsdam-Museum auf dem Alten Markt, stößt aber mit der Nase an die verschlossene Glastür. Mit diesem Filmchen stellt das Netzwerk »Kultur macht Potsdam« humorvoll nach, wie Künstler versuchten, in das Museum zu gelangen, um dort ihre Werke auszustellen. Schließlich wurde ihnen trotz Coronakrise geöffnet - nicht die Glastür, aber ein virtueller Raum, in dem bei einem Aktionstag am 13. März 100 Künstler ihre teils großformatigen Bilder präsentieren. Dazu passend werden bei dem Aktionstag Geschichten erzählt, wie Künstler die Coronakrise erleben und überleben.

»Es ist vielleicht das nachhaltigste Projekt, denn es soll über Corona hinaus bestehen«, erklärt Annette Paul, die das überaus vielfältige Programm für den 13. März koordiniert. Die Vorbereitungen begannen bereits im November. Rund 1500 Arbeitsstunden wurden seitdem ehrenamtlich geleistet. Man hoffte ursprünglich, die Veranstaltungen zum Jahrestag des ersten Lockdowns normal durchführen zu können. Stattdessen ist es leider doch nur via Internet möglich.

Die Liveübertragungen erfolgen aus dem Nikolaisaal, aus dem Hans-Otto-Theater und der Galerie Sans Titre. »Es darf auftreten, wer wollte«, erläutert Theaterintendantin Bettina Jahnke. Jeweils zehn Minuten Zeit bekommen die Künstler, die einzeln oder in Gruppen auftreten. Der Zuschauer fühle sich eventuell von der Fülle der Angebote überfordert, räumt Jahnke ein. Doch man habe bewusst die Breite der Potsdamer Kulturszene zeigen und darum nicht auswählen und gewichten wollen. So steuert Clownin Angela Hopkins ein Kinderprogramm bei.

Theaterintendantin Jahnke hatte im Frühjahr 2020 die Initiative ergriffen und die Gründung des Netzwerks »Kultur macht Potsdam« angeregt. Ging es zunächst nur darum, die Coronakrise in gegenseitiger Hilfe zu bewältigen, so werden jetzt auch politische Forderungen erhoben, die darüber hinausreichen. Mehr Geld für die Kultur wird etwa verlangt, mehr Personal für den zuständigen Fachbereich in der Stadtverwaltung und weniger Bürokratie bei der Vergabe und der Abrechnung von Fördermitteln.

Es gehe jetzt darum, zu prüfen, was bei realistischer Betrachtung umgesetzt werden könne, sagt Noosha Aubel. Sie ist die Kulturbeigeordnete der Stadt Potsdam und zeigt sich sehr offen für das Anliegen und die Bedürfnisse der Künstler. Aubel dankt allen Beteiligten für das »herausragende Engagement« für die Kultur. Die Stadt machte 50 000 Euro locker, um dem Netzwerk unter die Arme zu greifen. Für den Aktionstag werden Spenden aber noch gern genommen. Rund 1800 Euro für mehrere Projekte spendiert haben die Stadtverordneten Uwe Adler (SPD) und Sascha Krämer (Linke), die im Dezember bei ihrer Spendenaktion »Kunst statt Böller« etwa 3000 Euro einsammelten.

Versprochen werden für den 13. März beispielsweise Musik, Theater, Film und Gesprächsrunden. So werden auch Kulturpolitiker zur Wort kommen. Fragen an sie können Bürger per E-Mail an die Adresse politik@kulturmachtpotsdam.de einreichen. Die Abgeordneten aus Landtag, Bundestag und EU-Parlament erhalten die ausgewählten Fragen allerdings nicht vorab, sie müssen spontan antworten. Die ersten Fragen sind bereits eingegangen. Bisher ist das Programm des Aktionstags noch nicht vollständig ins Internet eingestellt, aber ab 10. März soll es dort komplett zu finden sein.

Technische Finessen lassen Festivalstimmung aufkommen, kann Sina Schmidt vom Theaterkollektiv Fritzahoi! versprechen. Sie demonstriert, was in einem speziellen virtuellen Raum möglich ist. Dort kann man sich durch entsprechende Klicks mit einem anderen Besucher zu einem Privatgespräch zurückziehen und hört dann nur noch gedämpft, was sich vorn auf der Bühne abspielt. Tritt man näher an die Bühne heran, ist das Programm wieder laut und deutlich vernehmbar.

Warum die Kultur unverzichtbar ist, sagt Anja Engel vom Kreativhaus Rechenzentrum: »Kultur entwickelt Utopien.«

www.kulturmachtpotsdam.de

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