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  • »Kommunistischen Fraueninternationale«

Alles durch die Revolution! Alles für die Revolution!

Vor 100 Jahren erschien die erste Ausgabe der »Kommunistischen Fraueninternationale«

  • Von Ronald Friedmann
  • Lesedauer: 4 Min.

Im Herbst 1920 hatte das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale (Komintern, KI) in Moskau auf Initiative von Clara Zetkin und weiteren engagierten Frauen die »Richtlinien für die kommunistische Frauenbewegung« beschlossen. Clara Zetkin war es auch, die den Beschluss noch einmal redigierte, bevor er Ende 1920 in der Monatszeitschrift der kommunistischen Weltpartei veröffentlicht und damit für die Sektionen, also die Mitgliedsparteien, der Kommunistischen Internationale verbindlich wurde. Neben einer historisch-politischen Einführung und einem umfassenden Teil, in dem die kurz- und langfristigen Forderungen der kommunistischen Frauenbewegung formuliert wurden, enthielt der Beschluss ausführliche Orientierungen für die Organisation der politischen Arbeit unter den Frauen. Offen blieb allerdings die Frage, ob es künftig eine eigenständige kommunistischen Weltorganisation der Frauen, vergleichbar der Roten Gewerkschaftsinternationale oder der Kommunistischen Jugendinternationale, geben sollte oder ob die Arbeit mit und für die Frauen zu den Aufgaben der Kommunistischen Parteien im Rahmen von »Frauenabteilungen« der Parteiapparate gehören sollte.

So blieb auch die Rolle des Internationalen Frauensekretariats mit Sitz in Moskau zunächst ungeklärt, das Anfang 1921 gegründet wurde und dem unter anderem aus Sowjetrussland Alexandra Kollontai und Nadeshda Krupskaja, die Frau Lenins, aber auch Henriette Roland-Holst aus den Niederlanden und Rosa Bloch aus der Schweiz angehörten. Die Leitung oblag Clara Zetkin. Sehr schnell einigte man sich auf eine gewisse Arbeitsteilung: Das Sekretariat in Moskau widmete sich vorrangig der Arbeit mit den Frauen des sogenannten Ostens. So fand Ende Mai 1922 in Baku der erste »Kongress der schaffenden Frauen in den transkaukasischen Sowjetrepubliken« statt, bei dem es darum ging, die Stellung der Frau in den muslimisch geprägten Gesellschaften zu stärken.

In Berlin entstand - wiederum auf Initiative von Clara Zetkin, die im internen Kreis beklagt hatte, dass die neue kommunistische Frauenorganisation »mehr auf dem Papier als in der Wirklichkeit« existieren würde - ein Westeuropäisches Büro, das zwar formal dem Moskauer Frauensekretariat nachgeordnet war, das aber seine Tätigkeit weitgehend selbstständig organisierte.

Zu den wichtigsten Maßnahmen des Westeuropäischen Büros gehörte die Herausgabe einer eigenen internationalen Zeitschrift mit dem programmatischen Titel »Die Kommunistische Fraueninternationale«, deren erste Nummer Ende April 1921 ausgeliefert wurde.

Voller Optimismus erläuterte Clara Zetkin in ihrem »Geleitwort« die künftige Rolle der neuen Zeitschrift: Sie sei »zur Zeit das einzige internationale Frauenorgan, das die Probleme der sogenannten Frauenfrage nicht vom brüchigen Boden der bürgerlichen Gesellschaftsauffassung und in frauenrechtlerischer Perspektive betrachtet, sondern das mit seiner Wertung der Dinge auf dem wetterharten Granit der sozialistischen, der kommunistischen Weltanschauung steht, den Blick unverrückt der Menschheitsbefreiung durch den Kommunismus zugewendet. Sie ist deshalb eine Schöpfung der revolutionären Arbeiterbewegung selbst, und zwar ihres fortgeschrittensten, zielklarsten, wegsichersten und tatkräftigsten Teils: der Kommunistischen Internationale.«

Und weiter: »Die Zeitschrift wird [...] eine Stätte des Austausches der Anregungen und Erfahrungen der Kommunistinnen aller Länder sein, eines wechselseitigen Lernens aus der Praxis, wie es durch Berichte vermittelt wird über die kommunistische Frauenbewegung, das Weben und Wirken der Genossinnen bei der unentbehrlichen, unscheinbaren Alltagsarbeit, wie in dem großen heroischen Kampf zur Überwindung des Kapitalismus.« Clara Zetkin ließ keinen Zweifel, dass sie die neue Zeitschrift als ein wichtiges Mittel sah, ihre ursprüngliche Idee einer »Kommunistischen Fraueninternationale« als einer eigenständigen Organisation innerhalb der kommunistischen Bewegung zu befördern.

Doch ungeachtet großer eigener Anstrengungen und der unermüdlichen Mitarbeit ungezählter, zumeist namenlos gebliebener Mitstreiterinnen hatte die neue Zeitschrift, nicht zuletzt wegen fehlender Unterstützung durch die männerdominierte Führung der KI, keinen Bestand. Nur die Jahrgänge 1921/22 erschienen vollständig. In der zweiten Jahreshälfte 1923 erschien keine einzige Ausgabe, 1924 nur die Hefte eins, drei und sieben. Zwar hatte die Redaktion im Sommer 1924 angekündigt, dass die fehlenden Ausgaben »außerordentlichen Umständen wegen erst später erscheinen« würden, doch das geschah nicht. Bereits im Sommer 1925 musste die »Kommunistische Fraueninternationale« ihr Erscheinen endgültig einstellen.

An der Spitze der Komintern war entschieden worden, das Internationale Frauensekretariat aufzulösen und die Zuständigkeit für die Frauenarbeit einer »Frauenabteilung« zu übertragen. Auch diese Entwicklung widerspiegelte die fortschreitende »Bolschewisierung« der kommunistischen Weltbewegung, die tatsächlich eine Stalinisierung war. Festzuhalten bleibt:

Die Geschichte der KI ist inzwischen wissenschaftlich gut dokumentiert. Doch eine umfassende Untersuchung der schon auf den ersten Blick faszinierenden weltweiten kommunistischen Frauenbewegung in der ersten Hälfte der 1920er Jahre fehlt noch immer.

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