Undankbarer Job

Oppositionsführer Jair Lapid will Israels nächster Premier werden

  • Von Cyrus Salimi-Asl
  • Lesedauer: 2 Min.
Jair Lapid: Undankbarer Job

Journalist, Autor, Schauspieler und auch noch Politiker? Jair Lapid war schon vieles in seinen 57 Lebensjahren, jetzt soll er Israel aus der Regierungskrise herausholen und eine stabile Parteienkoalition zustande bringen, nachdem Benjamin Netanjahu vom rechtskonservativen Likud gescheitert ist. Leicht gesagt mit einem Parlament, in dem sich 13 Parteien 120 Sitze teilen, aber der Name seiner Partei verheißt Hoffnung: «Jesch Atid», zu Deutsch «Es gibt eine Zukunft». Lapid zeigt sich entschlossen: «Ich werde alles dafür tun, dass so schnell wie möglich eine israelische Einheitsregierung gebildet wird, damit wir mit der Arbeit für die Bürger Israels beginnen können.» Er hat dafür vier Wochen Zeit.

Lapid, geboren in Tel Aviv, stieg 2012 nach einer Karriere als TV-Moderator in die Politik ein. Einer früheren Netanjahu-Regierung diente er als Finanzminister. Bei der Wahl im März war seine Partei hinter Likud zweitstärkste Kraft geworden. Lapid hat bereits Naftali Bennett, dem Führer der rechten Jamina-Partei, eine Machtteilung angeboten mittels Rotation des Premierministerpostens. Weitere Partner wären wohl die linksliberale Meretz und die Arbeitspartei Awoda.

Wo steht Jair Lapid politisch? Seine Partei «Jesch Atitd» vertritt die säkulare Mittelklasse, wird mal als liberal, mal als zentristisch beschrieben. Ihr Schwerpunkt liegt auf sozialen Themen wie Gesundheit und Wohnungsbau. Lapid unterstützt die Bildung eines palästinensischen Staats, will aber israelische Siedlungen in den Palästinensergebieten nicht preisgeben und schließt auch das Rückkehrrecht für Palästinenser aus; Jerusalem soll alleinige Hauptstadt Israels bleiben.

Aufschlussreich ist ein Interview von 2013 mit der US-Zeitschrift «Time»: Lapid erzählte dem Journalisten, dass sein Vater nicht aus dem Budapester Ghetto nach Israel gekommen sei, «um in einem Land zu leben, das halb arabisch, halb jüdisch ist. Er kam hierher, um in einem jüdischen Staat zu leben.»

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