Die scheinbare Technokommunistin

Elon-Musk-Freundin und Musikerin Grimes philosophiert öffentlich über Künstliche Intelligenz und Kommunismus

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 3 Min.
Exzentrischer Style, widersprüchliche Politik: die Sängerin Grimes - hier bei der Präsentation ihres neuesten Albums
Exzentrischer Style, widersprüchliche Politik: die Sängerin Grimes - hier bei der Präsentation ihres neuesten Albums "Miss Anthropocene".

Ob sie gespürt hat, dass sich viele ihrer Altersgenossen in den USA gerade Gedanken über Alternativen zum Kapitalismus machen? Schließlich gibt es Umfragen, die zeigen, dass gerade Menschen unter 40 Jahren dem Sozialismus in den USA offen gegenüberstehen. Oder wollte Grimes ihren Technikoptimismus mit dem Linksruck ihrer Generation versöhnen? »Wenn Künstliche Intelligenz richtig eingesetzt wird, ist sie der schnellste Weg zum Kommunismus. Wir könnten zu einer Situation kommen, wo niemand arbeiten muss und alle ein komfortables Leben führen können«, erklärt die Sängerin in einem TikTok-Video, das am Donnerstag in den USA in den sozialen Netzwerken trendete.

»Künstliche Intelligenz könnte bei der Automatisierung der Landwirtschaft helfen, Korruption ausrotten und uns so nah wie möglich an einen Zustand echter Gleichheit führen«, so die Künstlerin mit den Tropfen-Tattoos im Gesicht, die für ihren futuristischen Modestil bekannt ist. Sie schwärmt von einem Kommunismus ohne Kollektivlandwirtschaft, weil diese nicht ohne Zwang durchgesetzt werden könne. Und das habe »keinen Vibe«, so Grimes. Ein Hinweis darauf, dass die Sängerin auch kritisch zum Sozialismus steht, oder zumindest darauf, dass ihre politische Einstellung vielschichtig, vielleicht auch widersprüchlich ist.

Grimes, die seit 2018 die Freundin von Multimilliardär Elon Musk ist, hat vergangenes Jahr erklärt, sie sei »ein bisschen Sozialistin, aber nicht ökonomisch« und stehe auf »freie Märkte« und glaube, dass der Kapitalismus »einige Dinge lösen könne«. Im Gespräch mit den Journalisten von »Crackmagazine« hatte sie außerdem erzählt, die Demokratie funktioniere nicht. Sie sagte, dass sie nicht an das Überleben der Menschheit glaube, sondern dass Künstliche Intelligenz sie ersetzen werde. Grimes teilt den Technikglauben ihres Partners. Passend dazu haben die beiden ihren 2020 geborenen Sohn X AE A-12 genannt.

Die 33-jährige Kanadierin ist bekannt durch ihren exzentrischen, von japanischer Anime und Manga sowie Mittelalter Elementen beeinflussten Stil. Grimes hat 2020 ihr fünftes Studioalbum »Miss Anthropocene« herausgebracht. Ihr Stil vermischt Elektro, Pop und RnB – mit etwas futuristischer Politik. Im Dezember vergangenen Jahres veröffentlichte sie einen »Cyberpunk« DJ-Mix. Gewidmet war der »all den Cyberpunks, die täglich gegen Ungerechtigkeit und Korruption kämpfen«. Zuletzt war sie Anfang Mai in der US-amerikanischen Sendung Saturday Night Life aufgetreten.

Die Musikerin, die sich in ihrer Twitter-Biografie einmal als »Antiimperialistin« bezeichnete, hat Musk immer wieder in den sozialen Netzwerken verteidigt. So schrieb sie in Reaktion auf die Vorwürfe, Musk zerstöre den Planeten und beute die Menschheit aus, er wolle lediglich »das Reisen nachhaltig und grün« machen. Deswegen gab es auch am Donnerstag viele kritische Stimmen in den sozialen Netzwerken ob der scheinbaren Zuwendung von Grimes zum Technokommunismus.

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