Sportlich, flexibel, traditionstreu

Die nd-Rennsteiglauf-Mannschaft wird volljährig - drei Ehepaare aus dem Team blicken zurück und nach vorn

  • Von MICHAEL MÜLLER
  • Lesedauer: 4 Min.
Auf dem Rennsteig auch mal nur als brave Wandersleute: Gert und Steffi Peter
Auf dem Rennsteig auch mal nur als brave Wandersleute: Gert und Steffi Peter

»Wie lange ich schon in der nd-Mannschaft beim Rennsteiglauf bin?«, grübelt Gert Peter (62). »Gefühlt eigentlich schon immer. Aber nun auch wieder nicht so lange, wie ich die Zeitung lese. Das wiederum muss wohl gleich so nach ›Atze‹ und ›Frösi‹ (zwei DDR-Kinderzeitschriften - d. A.) gewesen sein«, witzelt er. Ob die erste nd-Startnummer von 2004 noch zu finden ist, müsse er mal nachschauen.

Genau hat der Ex-Karl-Marx-Städter und Neu-Chemnitzer jedoch seine überhaupt erste Teilnahme am GutsMuths-Rennsteiglauf parat. Dies übrigens so wie jede und jeder der vielen Zehntausenden, die sich auf dem Kammweg des Thüringer Waldes bis ins Ziel nach Schmiedefeld gequält und so selbst gekrönt haben: »1983 war’s.« Und seither mag er die Atmosphäre beim schönsten und härtesten Massencross Europas nicht mehr missen. »Obwohl meine erste und eigentliche Sportliebe Radfahren ist.« Er hatte einst bei der BSG Ascona Karl-Marx-Stadt ordentlich gebolzt. Momentan radelt der Vertriebstechniker wieder etwas häufiger, als er läuft. Im März bekam er eine neue Hüfte, da sei »der Rennsteig leider noch etwas ungewiss. Aber Steffi wird wieder aktiv dabei sein.«

Steffi (60) ist seine Frau, beide haben zwei Kinder und drei Enkelkinder. Sie ist in der Finanzverwaltung tätig, und wegen der sitzenden Büroarbeit überkam sie die Lauflust. Besonders eben für den Rennsteig. Da war und ist die Streckenauswahl groß. 2021 beispielsweise acht Lauf- bzw. Walking-/Wanderdistanzen vom 73,9-km-Super- bis zum 4,2-km-Minimarathon. »Mit 45 habe ich da meinen ersten echten Marathon absolviert. Ein tolles Gefühl«, erinnert sie sich. Zusammen mit Gert begibt sie sich des Öfteren aber auch in die internationale Laufspur. Mit ihren zwei Töchtern war sie sogar mal für drei Tage zum Dubai-Marathon. »Auch Superstimmung dort, aber als Erfrischung gibt es nur Mineralwasser. Also nicht zu vergleichen mit der Auswahl beim Rennsteiglauf.«

Christina und Holger Jurack machen sich auf dem Tandem gern gegenseitig Tempo.
Christina und Holger Jurack machen sich auf dem Tandem gern gegenseitig Tempo.

Sportlich, flexibel, traditionstreu - auf diese Eigenschaften trifft man ebenso bei Christina und Holger Jurack. Sie 57 Jahre alt, aus Magdeburg stammend, er 61, aus Bautzen kommend, sind sie in Möser zu Hause, im Jerichower Land (Sachsen-Anhalt). Um das für einen Auswärtigen noch etwas prägnanter einzuordnen, fügt Holger an: »Von uns sind’s nur knapp zehn Kilometer nach Biederitz, wo Täve zu Hause ist.« (Für einige Zugezogene im nd-Hauptverbreitungsgebiet: Gustav Adolf »Täve« Schur, unlängst 90 geworden, zweimal Straßen-Radweltmeister sowie Friedensfahrtsieger, ist die DDR-Sportlegende schlechthin - d. A.) Und natürlich haben die Juracks den Täve als zweimaligen Ehrenkapitän des nd-Teams kennengelernt. Schließlich tragen sie das Trikot dieser Mannschaft bereits seit Längerem. Dessen Design haben seit dem ersten Teamstart 2004 übrigens schon rund 1500 nd-Aktive im Läuferfeld aufblitzen lassen.

Genau genommen kann nur Holger auf dem Thüringer Kammweg so richtig Knochenhärte beweisen. Christina war schon in jungen Jahren an Rheuma erkrankt, und ist »deshalb mehr so die Betreuerin«, meint sie. Aber was für eine! Wie für Holger ist nämlich auch für sie »Sport ein Lebenselixier«. Die beiden gehen jeden Tag eine Stunde spazieren und fahren so oft wie möglich Tandem (»Was meinem Gleichgewichtsgefühl förderlich ist«, so Christina). Diese Art, in der Familie Sport vorzuleben, hat nicht zuletzt auf die Kinder abgefärbt, die schon beim GMRL-Juniorcross mitgelaufen sind. Die Tochter war Hochspringerin und auf dem Sportgymnasium. Der Sohn spielt Hockey. Übrigens ist Holger außerdem noch als Orientierungsläufer sehr aktiv. »Doch obwohl am 2./3. Oktober die Deutschen Meisterschaften sind, kommen wir lieber mit dem nd-Team zum Rennsteiglauftermin.«

Carola, Norbert, Julia Schmidt (v. l.)
Carola, Norbert, Julia Schmidt (v. l.)

»Die nd-Trikots haben wir schon - und auch Tochter Julia überzeugt, mitzukommen«, berichten Carola und Norbert Schmidt. Die Lehrerin und den Ingenieur, gerade bzw. fast 59 Jahre alt, hat es »der Arbeit wegen« Mitte der 90er Jahre aus dem sächsischen Freiberg nach Dettingen an der Erms verschlagen, über 500 Kilometer weiter südwestlich. Eingewöhnt haben sie sich längst: in ein modernes Industriegebiet in einer schönen Gegend - die gesamte Gemeinde gehört zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb. »Die Kinder sind hier groß geworden, die sozialen Kontakte stimmen«, erzählt Carola. Beispielsweise kümmern sich die Schmidts auch um Flüchtlingsfrauen, machen Sprachunterricht und Sport mit ihnen. In der Saison wäre es nicht weit nach Stuttgart in die Oper, denn Musik und Kunst seien ihre Sache, betont Carola. Norbert meint realistisch: »Meine Bücher müssen bis zur Rente warten.«

Bei alldem werden aber auch die Kontakte zur alten Heimat gepflegt. Und der Rennsteiglauf gehört seit knapp zehn Jahren zur familiären Kulturbrücke. »Beim 40. Jubiläum sind wir das erste Mal dabei gewesen«, sagt Norbert, »gleich im nd-Team. Angeregt durch die Veröffentlichungen in eurer Zeitung, die auch unsere ist.« Das sei der Zündeffekt dafür gewesen, freizeitsportlich nicht nur auf Fitnessstudio und Radeln zu setzen. Imponiert hat beiden übrigens von Anfang an die überall spürbare Grundstimmung beim Rennsteiglauf - »nicht gegen, sondern miteinander«. Jetzt braucht nur noch Julia, gerade 31 geworden, ein nd-Trikot, erinnert Carola.

Darum wird sich der Reporter nun im nd-Verlag gern kümmern. Und zwar sportlich, flexibel, traditionstreu. Er ist übrigens 1977 zum ersten Mal gestartet. Inzwischen passt nur noch Halbmarathon. Aktuell 2:42:20 h, 30. Mai 2021, bei rennsteigläufer at home.

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