Für Impfung - trotz Bewertungsunterschiede

Fragen & Antworten zu Kinderimpfungen gegen Corona

  • Lesedauer: 3 Min.
Ein Hausarzt impft in seiner Praxis einen Jugendlichen mit dem Serum von Biontech/Pfizer.
Ein Hausarzt impft in seiner Praxis einen Jugendlichen mit dem Serum von Biontech/Pfizer.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat keine generelle Empfehlung zum Impfen von gesunden Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren gegeben. Dennoch können sich inzwischen zumindest theoretisch Kinder impfen lassen.

Was empfiehlt die Stiko genau?

Die Stiko empfiehlt, dass nur Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren geimpft werden sollen, die bestimmte Vorerkrankungen haben. Das Gremium nennt rund ein Dutzend Krankheitsbilder, die mit einem anzunehmenden erhöhten Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf einhergehen. Darunter sind zum Beispiel Fettleibigkeit, ein schlecht eingestellter Diabetes, Immunschwächen, bestimmte Herzleiden, chronische Lungenerkrankungen und chronische Niereninsuffizienz, bösartige Tumorerkrankungen und Trisomie 21. Außerdem wird die Impfung Kindern empfohlen, in deren Umfeld Menschen leben, die stark gefährdet sind, einen schweren Covid-19-Verlauf zu bekommen und die selbst nicht geimpft werden können.

Worin unterscheiden sich die Einschätzungen von Stiko und EMA?

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA und die EU-Kommission gaben kürzlich grünes Licht für die Zulassung des Biontech/Pfizer-Impfstoffs ab zwölf Jahren, die Stiko schränkt das hingegen ein. Die EMA ist für die grundsätzliche Zulassung auf dem europäischen Markt zuständig. Bei der Stiko geht es um den Einsatz des Impfstoffs zum besten Nutzen der Bevölkerung.

Warum will die Stiko bislang keine generelle Impfempfehlung geben?

Stiko-Chef Thomas Mertens verweist auf die geringe Zahl an geimpften Probanden und eine Nachbeobachtungszeit von nur zwei Monaten für die Zulassungsstudie. Hinzu kommt: Wenn sich gesunde Kinder mit Sars-CoV-2 infizieren, haben sie laut Fachleuten ein sehr geringes Risiko, schwer zu erkranken. Der Nutzen der Impfung wiegt also möglicherweise ihr Risiko nicht auf.

Kann man ein gesundes Kind jetzt dennoch impfen lassen?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat bereits angekündigt, ohne die Empfehlung der Stiko abzuwarten. Die Stiko hat nun auch nichts gegen ein Modell, bei dem Ärzte Eltern und ihre Kinder beraten. Es ist dann eine individuelle Entscheidung. Der Impftermin hängt aber wie bei anderen Altersgruppen auch von der Verfügbarkeit des Impfstoffs ab. Die Stiko hält hier an ihrer Priorisierung für besonders gefährdete Menschen fest. Dazu zählen Kinder und Jugendliche ohne Vorerkrankungen nicht.

Welche Nebenwirkungen könnte die Kinderimpfung haben?

Insgesamt bewerten die Autoren einer Studie im »New England Journal of Medicine« die Impfung für die Kinder als gut verträglich. Die Impfreaktionen seien überwiegend mild bis moderat. Ähnlich wie in anderen Altersgruppen klagten die Kinder am häufigsten über Schmerzen an der Einstichstelle (79 bis 86 Prozent), Müdigkeit (60 bis 66 Prozent) und Kopfschmerzen (55 bis 65 Prozent). 20 Prozent bekamen nach der zweiten Impfung Fieber. Die Beschwerden verschwanden meist innerhalb von wenigen Tagen. Rund 51 Prozent der Kinder nahmen nach der zweiten Spritze ein Mittel gegen Fieber und Schmerzen ein. Schwere unerwünschte Wirkungen wie Thrombosen oder einen anaphylaktischen Schock gab es durch die Impfung nicht.

Was kann für eine Impfung eines gesunden Kindes sprechen?

»Aus Elternperspektive wäre mein Kind geimpft. Doch das Risiko möchte ich nicht«, sagte der Charité-Virologe Christian Drosten im Schweizer Online-Magazin »Republik«. Er argumentiert mit Langzeitfolgen wie Geruchs- und Geschmacksverlust und Müdigkeit bei einem kleinen Teil der Betroffenen und dem Risiko des sogenannten Pädiatrischen Multisystem-Inflammationssyndroms. Dies ist eine schwere Erkrankung Wochen nach der Infektion, die bisher aber als selten und gut behandelbar gilt. Von Langzeitfolgen betroffen sind nach Schilderungen von Ärzten eher Jugendliche als kleine Kinder. Länger anhaltende Einschränkungen kennen Mediziner aber auch von anderen Virusinfektionen.

Gibt es überhaupt genügend Impfstoff für die Kinder?

Mit dem Ende der sogenannten Priorisierung haben alle Kinder ab zwölf Jahren zumindest theoretisch die Möglichkeit, einen Impftermin zu bekommen. Impfstoffe sind aber weiter rar und speziell für Kinder reservierte Dosen gibt es nicht. dpa/nd

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