Corona mündet im Delta

Ministerpräsident und Gesundheitsministerin mahnen trotz niedriger Inzidenzen zur Vorsicht

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.
Ursula Nonnenmacher, Gesundheitsministerin von Brandenburg (Grüne)
Ursula Nonnenmacher, Gesundheitsministerin von Brandenburg (Grüne)

In einigen Regionen steige die Zahl der Corona-Infektionen leider wieder an, bedauert Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne). »Die hochinfektiöse Delta-Variante ist schon dominant.« Abstand halten, Maske tragen und auf Hygiene achten: Das bleibe weiterhin notwendig. Nonnemacher ruft die Einwohner des Bundeslandes dazu auf, sich impfen zu lassen. Das sei »der Weg raus aus der Pandemie«.

Am Dienstag hat sich das rot-schwarz-grüne Kabinett das erste Mal seit der Sommerpause wieder getroffen und sich dabei auf Eckpunkte für eine neue Corona-Verordnung verständigt. Die bislang gültige tritt am 1. August außer Kraft. Das Kabinett plant, die Anschlussverordnung am 28. Juli zu beschließen. Es wird dabei auch darum gehen, welche Regeln mit Beginn des neuen Schuljahres am 9. August für die Schulen des Bundeslandes gelten. So sei in der kommenden Woche zu entscheiden, inwiefern Masken auch von Grundschülern getragen werden müssen, teilt die Staatskanzlei mit. Ansonsten solle es, was Tests und Masken betrifft, in Kitas, Schulen und Horten nach jetzigem Planungsstand so bleiben, wie es vor den Sommerferien war. Das Land Brandenburg wolle zudem zusätzlichen Schülerverkehr weiter finanziell fördern. Die Idee dabei: Wenn die Schulbusse nicht so überfüllt sind, verringert dies das Risiko einer Ansteckung.

Mittlerweile sind 1,38 Millionen Einwohner vollständig geimpft, also 43,3 Prozent der Bevölkerung. Knapp 1,1 Millionen Brandenburger warten noch auf ihre zweite Dosis. Aktuell werden in den märkischen Kliniken zwölf Corona-Patienten behandelt. Sechs von ihnen liegen auf der Intensivstation, drei müssen beatmet werden. Am Dienstag wurden 26 neue Infektionen in den zurückliegenden 24 Stunden gemeldet, aber keine neuen Todesfälle. Diese Zahl verharrte bei 3815 - gerechnet seit Ausbruch der Pandemie im Frühjahr 2020.

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Brandenburgweit sind in den vergangenen sieben Tagen 6,1 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner registriert worden. In Brandenburg/Havel waren es null, im Havelland 19. Im Bundesdurchschnitt liegt der Wert bei 10,9. Im Vergleich zu vielen europäischen Staaten sind diese Zahlen zweifellos niedrig. Nachrichten aus Mallorca oder den Niederlanden über Inzidenzwerte von mehreren Hundert zeigten aber, »dass sich die Krankheit wieder blitzartig ausbreiten kann«, heißt es aus der Staatskanzlei.

»Die Daten sagen ganz klar: Wir müssen sehr vorsichtig bleiben«, erklärt Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). »Es geht jetzt nicht um weitere Lockerungen, sondern um Umsicht und Vorsicht. Wir dürfen das gemeinsam Erreichte nicht gefährden.«

Im Zuge der neuen Corona-Verordnung sollen allerdings große Veranstaltungen, zum Beispiel Sportwettkämpfe und Konzerte, mit bis zu 25 000 Gästen stattfinden dürfen. Dabei wird ab 5000 Gästen die Auslastung der Besucherkapazität am Veranstaltungsort auf höchstens 50 Prozent begrenzt. Details sollen in der kommenden Woche beschlossen werden. Aktuell liegt die Obergrenze in Brandenburg bei 1000 Gästen.

Bestehen bleiben soll die Regelung für Hotels und Gaststätten. Die Testpflicht ist demnach so lange ausgesetzt, so lange der Sieben-Tage-Inzidenzwert in einem Landkreis oder in einer kreisfreien Stadt unterhalb von 20 Infektionen je 100 000 Einwohner liegt.

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