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Mopsfidele Tour ins Havelland

Loriots Waldmöpse sind Ziel einer nd-Leserreise am 6. Oktober nach Brandenburg/Havel

  • Von Heidi Diehl
  • Lesedauer: 5 Min.
Mopsfidele Tour ins Havelland

Da wird ja der Mops in der Pfanne verrückt! Oh, sorry, wie konnte mir nur so ein Fauxpas passieren: Zum Glück haben das meine Kumpels nicht gehört, die sich überall in der Stadt herumtreiben. Aber es ist ja auch wirklich zum junge Hunde, äh Möpse kriegen: Seit einer Ewigkeit sitze ich nun schon hier und halte Ausschau nach den Leuten, die uns Waldmöpse am 8. März besuchen wollten. Bis jetzt sind sie einfach nicht gekommen. Obwohl sie es versprochen hatten und alles so gut vorbereitet war. Seitdem sitze ich hier wie angewurzelt und trau mich nicht weg. Doch weit und breit ist niemand zu sehen. Ob es wohl an diesem fiesen, kleinen Virus namens Corinna oder so ähnlich gelegen hat?

Wir Waldmöpse geben aber die Hoffnung nicht auf, dass die nd-Leserreisefamilie doch noch bei uns auftaucht. Gestern erst hat mir einer meiner Kumpel gemopsbellt, dass wir uns für den 6. Oktober schick machen sollen. Machen wir, versprochen, und benehmen werden wir uns auch. Hauptsache ihr kommt endlich, mir wird nämlich schon der Hals ganz steif vom ständigen Ausschauhalten in Richtung Berlin.

Für die, die uns vielleicht noch nicht kennen: Gestatten, Waldmops, genauer gesagt, wilder gehörnter Waldmops. Einst waren wir in ganz Europa weit verbreitet, dann galten wir lange als ausgestorben, bis uns der berühmte Zoologe und Verhaltensforscher Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot, wiederentdeckte und seine langjährigen Forschungsarbeiten am 8. März 1972 medienwirksam veröffentlichte - das war auf den Tag genau 49 Jahre her, als Sie, liebe Leserreisende des »nd«, uns besuchen wollten. Die Nachricht schlug damals ein wie eine Bombe, die Leute waren ganz und gar aus dem Häuschen. Wir letzten scheuen Waldmöpse allerdings wussten noch nicht so richtig, ob wir das toll finden sollten, entdeckt worden zu sein. Denn mit den Menschen hatten wir über die Jahrhunderte nicht so gute Erfahrungen gemacht - sie nahmen uns, und auch so vielen anderen Tieren, immer mehr Lebensraum weg und machten Jagd auf uns.

Doch durch Loriot gerieten wir wieder ins Licht der Öffentlichkeit und mussten nun damit leben. Jahrzehnte lang klappte das gut, immer mal wieder im Fernsehen aufzutauchen, war ja noch zu verkraften. Was wir nur nie verstanden haben: Warum amüsierten sich die Leute so köstlich, wenn sie die Forschungsergebnisse des Herrn Loriot sahen? Der übrigens stammt aus Brandenburg an der Havel, dem heute einzigen Revier, wo wir uns öffentlich zeigen und wo wir inzwischen auch die Scheu vor den Menschen verloren haben. Ja, wir fühlen uns hier längst zu Hause, was man schon daran erkennen kann, dass wir uns in den letzten sechs Jahren sehr vermehrt haben. Fast 30 Waldmöpse leben heute in der Stadt, uns zu entdecken ist gar nicht so schwer. Und keine Angst: Sie kön uns getrost anfassen. Wir beißen nicht, wir wollen nur spielen!

Nach all den Jahren sind wir Loriot sogar dankbar, dass er uns aufgespürt hat. Denn ohne ihn würden wir garantiert nicht durch die schöne Havelstadt streifen, die auch als die »Wiege Brandenburgs« bezeichnet wird. Dass wir letztendlich hier heimisch geworden sind, verdanken wir den Stadtvätern und vor allem einer jungen Frau, die uns hier ausgewildert hat. Sie heißt Clara Walter und hat sich 2011 als Studentin an einem Wettbewerb der Stadt beteiligt, bei dem es darum ging, dem im selben Jahr verstorbenen Loriot in seiner Geburtsstadt ein würdiges Denkmal zu setzen. Außer ihr kam niemand auf die Idee, Loriots wohl wichtigste Entdeckung, uns scheue, gehörnte Waldmöpse, genau hier wieder anzusiedeln. Die Stadtväter waren begeistert, Clara bekam den Auftrag, und sie machte sich erfolgreich auf die Suche nach uns. Da sie wirklich eine Nette ist, ließen wir uns auf das Experiment ein. 2015 entließ sie den ersten von uns in Brandenburg in die Freiheit - der Rest ist Geschichte. Es mopsbellte sich rum, dass in der Stadt Menschen leben, die uns wohlgesonnen sind. Dank Clara sind wir inzwischen hier zu Hause und freuen uns über jeden Besuch.

Also, worauf warten Sie denn noch? Wir jedenfalls haben lange genug auf Sie gewartet. Wir sehen uns am 6. Oktober - abgemacht? In zwei Stunden erfahren Sie bei der kurzweiligen Mopstour durch Brandenburg jede Menge über uns, über die Stadt und natürlich auch über Loriot. Da wir uns an den schönsten Plätzen angesiedelt haben, können Sie natürlich auch sehen, wie attraktiv Brandenburg ist. Die Leute leben gern hier, aber das wird Sie nicht mehr verwundern, wenn Sie die Stadt gesehen haben. Erst zu Fuß, und nach dem Mittagessen im wunderschön gelegenen Restaurant »Werft« - wo sich auch ein Waldmops angesiedelt hat, weil er da immer gut gefüttert wird - vom Wasser aus.

Zwei Stunden schippern Sie dann durch die Seenlandschaft. Jeder, der das schon mal gemacht hat, war begeistert. Uns werden Sie dort allerdings nicht sehen können, denn die Havelgewässer mögen wir nicht so, weil da unser einziger Feind, der Havelwels, Jagd auf uns macht. Aber darüber wird Ihnen dann der Mopsranger sicher mehr erzählen können.

Also, wir sehen uns am 6. Oktober. Und versprochen: Wir werden Sie mopsfidel in Brandenburg empfangen!

Aufgeschrieben von Heidi Diehl

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