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Bettina Jarasch will mehr Bullerbü

Grünen-Spitzenkandidatin orientiert sich bei Visionen für ein Berlin der Zukunft an großen europäischen Städten

  • Von Mischa Pfisterer
  • Lesedauer: 4 Min.

»Es wird Veränderungen geben - nur diese Veränderungen können ein Gewinn für alle sein«, verspricht die Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch am Mittwoch bei der Vorstellung ihrer »grünen Hauptstadtvision« im Quartier Zukunft der Deutschen Bank an der Friedrichstraße.

»Veränderungen machen sehr oft Angst, wenn man sich das Neue noch nicht vorstellen kann«, so Jarasch. »Deswegen finde ich diese konkreten Visionen so toll«, lobt sie die eigene Idee. Sie glaubt, damit sehr viel mehr Menschen von den Zukunftsplänen der Grünen überzeugen zu können.

Vier prominente und verbesserungswürdige Berliner Orte haben Jarasch und ihr Team ausgewählt, »die exemplarisch visualisieren sollen, wie das Berlin der Zukunft aussehen könnte«. Mit den Berlinerinnen und Berlinern wolle man in den Dialog kommen wollen, was möglich ist, sagt Jarasch. Es gehe nicht darum, den Menschen etwas wegzunehmen, sondern ihnen etwas zu geben. »Mehr Bullerbü in der vibrierenden Hauptstadt« stellt Jarasch dabei in Aussicht - in Abgrenzung zu SPD-Konkurrentin um das Rote Rathaus, Franziska Giffey.

Konkret stellt Jarasch vier Abbildungen vor, über die sie sehr oft sagt, dass sie nur exemplarisch gewählt sein. Da ist die Tauentzienstraße in Charlottenburg, die Danziger Straße in Prenzlauer Berg, die im Bau befindliche A100 in Treptow und der Elsterwerdaer Platz in Biesdorf. Alle Beispiele vereint vor allem eines: Noch ist da sehr viel Beton. »Deshalb haben wir einmal visuell durchgespielt, wie das aussehen könnte«, so Jarasch. »Wir haben quasi unser Programm in Bilder übersetzt.« Herausgekommen sind sehr schöne Bilder: Hier ein Springbrunnen, viele Grünflächen und Bäume. Kinder tollen herum. Hunde gibt es auch. Die Menschen sehen alle sehr glücklich aus. »Unser Leitbild ist mehr Grün, mehr Platz für Fahrräder, Fußgänger*innen und den ÖPNV, eine Stadt nicht ohne Autos, aber mit so wenigen wie möglich«, so die Spitzenkandidatin. »Wir haben in den letzten Jahren in dieser Koalition viel geschafft, aber eine klare Vision davon, wie das Berlin der Zukunft aussehen soll, sind wir den Menschen schuldig geblieben«, räumt sie ein.

Dabei richtet sie ihren Blick auch auf andere europäische Metropolen. »Paris, Rotterdam, Barcelona, Kopenhagen - Europas Metropolen machen sich auf den Weg zur Klimaneutralität«, so Jarasch. In Amsterdam zum Beispiel werden 10 000 Parkplätze in Gehwege umgewandelt, in Paris einfach großflächig zugunsten von Radwegen abgebaut. Ohnehin will die französische Hauptstadt bis 2030 alle Autos mit Verbrennungsmotoren aus der Innenstadt verbannen. In Wien ist die Jahreskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel mit einem Euro pro Tag inzwischen so günstig, dass mehr Menschen ein Ticket als ein Auto haben. Und Berlin? 100 Kilometer neue Radwege wurden gebaut und 10 000 neue Stadtbäume gepflanzt. Ein erster Anfang.

Die Berliner Grünen haben sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 eine »Nettonull« bei der Versiegelung von Flächen zu erreichen. Wenn dann noch Areale etwa für Wohnungen bebaut würden, müsste im Gegenzug eine genauso große Fläche begrünt werden.

Beteiligt an der Ausarbeitung der Vision war der Stadtentwickler Martin Aarts. Er gestaltet unter anderem die Entwicklung Rotterdams seit 30 Jahren mit. »Die Zeit wird knapp«, sagt er. »Deshalb müssen europäische Städte sich gegenseitig herausfordern, miteinander wetteifern und einander stimulieren, damit sich Innovation einstellen kann.« Auf den alten Wegen fortzufahren sei »ein teures und zynisches Experiment«. Zu sehr orientiere sich die Praxis noch am fossilen Zeitalter. »Auch Berlin will weiterhin als vielfältige, tolerante, wirtschaftsstarke, innovative und kreative Metropole wahrgenommen werden«, so Stadtentwickler Aarts.

Bereits am Vorabend hatte Jarasch bei einem gemeinsamen Wahlkampfauftritt mit Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock angekündigt, die Entsiegelung von Flächen in Berlin vorantreiben zu wollen. »Die Umwandlung von Parkplätzen oder bebauten Brachen in Parks oder Flussläufe ist gerade in Städten wie Berlin ein wesentlicher Punkt bei der Bewältigung des Klimawandels«, so die Spitzenkandidatin.

Eine konsequente Steuerung aus dem Roten Rathaus und mehr Tempo beim Stadtumbau verspricht Jarasch, sollten die Grünen bei der Abgeordnetenhauswahl am 26. September stärkste Kraft werden. »Vielen geht das alles zu langsam voran«, sagt Jarasch. »Uns auch.«

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