Werbung

Öko-Wohnstadt in Kasernen

Potsdams neuer Stadtteil Krampnitz soll auf dem Gelände der einstigen Heeresreitschule künftig Wohnen und Mobilität klimagerecht vereinen

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.
Lernen und Spielen in Krampnitz: Die Grundschule als Teil eines zentral gelegenen Campus mit Sporthalle und Kita soll 2024 fertig sein.
Lernen und Spielen in Krampnitz: Die Grundschule als Teil eines zentral gelegenen Campus mit Sporthalle und Kita soll 2024 fertig sein.

Modernes Wohnen in grüner Umgebung und eingebettet in die Seenlandschaft im Potsdamer Norden - in Krampnitz, das erst 2003 eingemeindet wurde, nimmt diese Vision konkrete Gestalt an. Für den neuen Stadtteil, der dort auf dem Gelände der einstigen Kasernenstadt aus den 1930er Jahren entsteht, sind in den vergangenen Monaten wichtige Weichen gestellt worden. »Die erste Baugenehmigung ist ausgereicht. Das ist ein Anlass, um darüber zu reden, was hier entsteht«, sagte Bernd Rubelt (parteilos), Potsdams Beigeordneter für Stadtentwicklung, am Mittwochabend auf dem unter großem öffentlichen Interesse veranstalteten 16. Krampnitz Forum. Anfang August war der Bau der Grundschule genehmigt worden. Wie Stadtverwaltung und Entwicklungsträger damals informierten, beginne damit der Aufbau der sozialen Infrastruktur inmitten der entkernten früheren Kavallerie-Kasernen. Rubelt sprach von einem Highlight.

Anfang 2022 startet der Bau der Grundschule für 600 Schüler. Zusammen mit einer Sporthalle samt Außenanlagen, einer Kita für 160 Kinder sowie Versorgungs- und Gemeinschaftseinrichtungen entsteht so ein Campus am geplanten Zentralpark. Er kostet rund 34 Millionen Euro und soll 2024 fertig sein.

»Ich weiß, viele Sachen sind strittig«, sagte Rubelt vor den anwesenden oder online zugeschalteten Teilnehmern des Forums. Doch er richtete sich vor allem an die Anwohner und Neu-Krampnitzer. Viele unter ihnen sehen die rasche Zunahme der Einwohnerzahl in ihrer Nachbarschaft kritisch, warnen vor negativen Umweltfolgen durch die neue Großsiedlung. Doch viele Potsdamer sowie Berufspendler befürchten vor allem jahrelanges Verkehrschaos und vielfältige Beeinträchtigungen entlang der Ausfallstraße B2 und der künftigen Trasse der Straßenbahn. Auch Platz und Daseinsberechtigung von privaten Autos im Mobilitätsmix der Wohnstadt, ein Dauerbrenner, sorgten erneut zuverlässig für Kontroversen.

Manche der Sorgen halten sich hartnäckig. Der 2019 verabschiedete Masterplan sah die »integrierte Entwicklung« von Krampnitz zu einem vollwertigen Stadtteil der Landeshauptstadt mit bis zu 10 000 Einwohnern vor. Dem steht die begrenzte Durchlassfähigkeit der Bundesstraße B2 entgegen, über der Wirtschafts- und Personenverkehr von Potsdam über Krampnitz nach Berlin laufen. Eine seit Langem geforderte Verlängerung der Tram aus Potsdam startet bestenfalls 2029.

Ihre Zustimmung zum Masterplan hatte die Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg von der Erfüllung bestimmter Auflagen zur Verkehrserschließung sowie zu Luftreinhaltung, Lärmminderung und Naturschutz verknüpft. Erst im Juni gab sie ihr Okay. Allerdings wird danach die Entwicklung des neuen Stadtteils in Etappen erfolgen. Nahziel der ersten Ausbaustufe (»Krampnitz 5000«) ist die Schaffung eines Quartiers für zunächst 5000 Menschen. Diese erste Ausbaustufe, mit deren Fertigstellung der Baubeigeordnete nun in acht Jahren rechnet, schließt vier Kitas, eine Gesamtschule, einen Supermarkt, zwei Gewerbestandorte, den Zentralpark und auch sieben Quartiersgaragen ein. Erst, wenn die Tram tatsächlich ab 2029 verlängert wird, kann der weitere Ausbau für bis zu 10 000 Einwohner erfolgen. Der Zeithorizont dafür verschiebt sich aber schon jetzt bis Mitte oder gar Ende der 2030er Jahre.

Mit großer Skepsis wurde dem Verkehrskonzept für »Krampnitz 5000« begegnet, das Norman Niehoff, Bereichsleiter Verkehrsentwicklung der Stadt, erläuterte. Im Kern soll die Erschließung von Krampnitz neben der B2 auch über die Landesstraße 92 Richtung Marquardt und letztlich zur A10 erfolgen. Linienbusse sollen eine ÖPNV-Anbindung »fast im Fünf-Minuten-Takt« sicherstellen. Ab Dezember 2022, mit dem Regionalbahnanschluss nach Berlin mit der RB21, soll der Bahnhof Marquardt zur Nahverkehrsdrehscheibe entwickelt werden. Große Hoffnungen setzt die Stadt auf eine Radschnellverbindung in Potsdams City, wobei die Streckenführung vor allem da, wo sie dem Verlauf der B2 folgen müsste, umstritten bleibt.

Aufgefrischt wurden die Pläne mit Blick auf den Klimawandel. Bernd Rubelt versprach ein Öko-Quartier, das die meisten Autos aussperrt. Man setzte - erstmals großflächig in Potsdam - auf begrünte Dächer mit Regenwassermanagement und örtlicher Versickerung. Die Hälfte der Gebäude soll Solaranlagen erhalten.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
0
Beiträge gelesen

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und kaufe eine virtuelle Ausgabe des »nd«

0
Beiträge auf nd-aktuell gelesen

Hilf mit, die Seiten zu füllen!

Zahlungsmethode