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  • Die Füchse Berlin in der Handball-Bundesliga

Auf dem Schleichweg zum Meistertitel

Paul Drux ist sein zehn Jahren bei den Füchsen und hat als Kapitän der Berliner Handballer Großes vor

  • Von Manfred Hönel
  • Lesedauer: 4 Min.
Gut gelaunter Anführer: Paul Drux will mit den Füchsen Berlin endlich mal Meister werden.
Gut gelaunter Anführer: Paul Drux will mit den Füchsen Berlin endlich mal Meister werden.

Paul Drux trägt nun bereits in der zweiten Saison die Kapitänsbinde bei den Handballern der Berliner Füchse. Und der 1,92 Meter große Athlet scheint durchaus in der Lage, gleich dem schlauen Wappentier, den Schleichweg zur lang ersehnten ersten Meisterschaft zeigen zu können. »Als die großen Favoriten sehe ich schon Kiel, Flensburg und vielleicht auch Magdeburg an. Aber wir nehmen den Kampf an und wollen die beste Platzierung für uns herausholen. Dass wir wieder vor Zuschauer spielen können, ist ein Segen. Die Fans werden uns sicher helfen, das eine oder andere wichtige Tor mehr zu schießen, als uns das in einer gähnend leeren Schmeling-Halle geglückt ist«, zeigt sich Drux durchaus als Optimist. 2857 Zuschauer bejubelten am Donnerstagabend dann auch einen 29:24-Sieg zum Auftakt der Bundesliga gegen Wetzlar. Drux trug vor allem als Abwehrbollwerk zum Erfolg bei – und mit einem eigenen Treffer.

Paul Drux entstammt einer Handballfamilie. Da nimmt es nicht Wunder, dass er bereits im zarten Alter von drei Jahren vom Vater und der Mutter den Ball zugespielt bekam. Klein-Paulchen bekam so keine Chance, sich dem Handball zu entziehen. »Was ich bis heute nicht bereue«, sagt der inzwischen mit 105 Kilogramm zum kräftigen Paul herangewachsene Star auf dem Parkett. Die Kontakte zum SSV Marienheide, seinem ersten Verein, bestehen nur noch aus lockeren Verbindungen, zumal der Klub inzwischen fusionierte und jetzt als HSG Marienheide/Müllenbach antritt.

Die Leiter auf dem Weg nach oben stellte Paul Drux mit zwölf Jahren beim VfL Gummersbach auf. Da Füchse-Manager Bob Hanning seine Augen und Ohren überall im Handball hat, entdeckte er auch dort das große Talent und lockte Drux an das Berliner Sportgymnasium. Ein Ritual nahm er von Gummersbach – für jeden Zuschauer heute noch deutlich sichtbar – mit nach Berlin: Paul Drux sitzt immer ohne Pullover oder Jacke auf der Auswechselbank. Er erklärt es so: »Wir spielten mit Gummersbach um die Jugend- Meisterschaft. Ich saß auf der Bank, als mich unser damaliger Trainer Leczek Hoft plötzlich aufs Spielfeld schickte. Ich war so heiß, dass ich in der Hektik mit meinem Pullover aufs Parket gerannt bin. Der Schiedsrichter pfiff. Die Folge zwei Minuten wegen unkorrekter Kleidung. Ich war fertig und das Spiel war gelaufen.«

Im Alter von 15 Jahren verließ Drux seine Heimat. »Das war nicht ganz einfach für mich. Besonders die spielfreien Wochenenden empfand ich in meinem ersten Jahr am Sportgymnasium als ziemlich hart. Wenn meine Mannschaftskameraden zu ihren Eltern fuhren, saß ich allein im Internat. Die Heimatorte der meisten anderen Spieler waren nicht so weit entfernt von Berlin wie mein Zuhause«, erinnert sich der Füchse-Kapitän. Inzwischen gehört Drux längst zu den Alt-Füchsen. Der Rückraumspieler aus dem Bergischen Land zog vor zehn Jahren in die Hauptstadt – und will nicht wieder weg: »Ich wollte Profi werden und bin überglücklich bei den Füchsen gelandet zu sein. Für mich ist der Verein etwas Besonderes. Ich habe hier viele, angenehme Menschen kennengelernt. Berlin ist jetzt meine Heimat geworden. Hier fühle ich mich wohl und hier habe ich meine Frau Linda kennengelernt.« Am 30. Dezember 2020 hat das Paar geheiratet.

Leistungssport ist keineswegs nur Jubel, Trubel, Freudentänze. Paul Drux kann nach drei Knie- und zwei Schulteroperationen ein Lied von der harten Kehrseite singen. »2015 musste ich mich einer Operation am Wurfarm unterziehen. Da war mir schon ein bisschen mulmig. Gerade bei uns Handballern kann eine Schulterverletzung schnell zu einem Karriereaus führen«, verrät Drux seine damaligen Gedanken und berichtet: »Ich konnte mir nach der OP mit der rechten Hand nicht einmal die Zähne putzen.« Die Schmerzen steckte Drux offensichtlich ohne Jammern weg, wenn er sagt: »Nie würde ich wegen einer Verletzung auf Handball verzichten. Es ist ein ehrlicher Sport, selbst wenn es manchmal hart zur Sache geht. Handball ist spannend, denn ein Spiel endet wahrscheinlich nie 0:0.«

Mit großer Disziplin kämpfte sich Drux durch die – und nach einem halben Jahr Pause wieder in das Profiteam zurück. Inzwischen kann der begnadete Handballer auf mehr als 100 Länderspiele, Olympiabronze 2016, zwei EHF-Pokalsiege und zwei Klubweltmeisterschaften verweisen. Und nebenbei nahm der Chef im Fuchsbau nach dem Abitur ein Studium an der Beuth-Hochschule im Bezirk Wedding auf – und steht bald vor dem Bachelor-Abschluss.

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