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Was kommt da alles »grün« daher?

Nachhaltige Geldanlagen voll im Trend

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.

Nachhaltige Fonds verwalteten zur Jahresmitte 361 Milliarden Euro, meldet der BVI, die Lobbyorganisation der Investmentbranche in Deutschland. Rein rechnerisch hält jeder Deutsche im Schnitt knapp 4500 Euro in Nachhaltigkeitsfonds - entweder direkt oder indirekt, zum Beispiel über Lebensversicherungen oder die betriebliche Altersvorsorge. Sind Sie dabei? Der Zuwachs in diesem Jahr stammte überwiegend von sogenannten Publikumsfonds, die sich an breite, private Anlegerkreise wenden. Nachhaltige Geldanlagen liegen heute voll im Trend.

Nachhaltigkeitsstrategien

Aber nicht allein Fonds, die als nachhaltig firmieren, kommen »grün« daher. Eine aktuelle BVI-Umfrage zeigt, dass selbst Investmentfonds, die nicht als nachhaltig klassifiziert sind, oft ökologische und soziale Kriterien sowie Fragen der guten Unternehmensführung (»ESG«) berücksichtigen. Bei 70 Prozent des Gesamtvermögens von Publikums- und Spezialfonds (für professionelle Investoren), für welches die täglichen Anlageentscheidungen in Deutschland getroffen werden, gelten intern Nachhaltigkeitsstrategien auf der Ebene der Fondsgesellschaft. »Das können zum Beispiel der Ausschluss von Investitionen in Wertpapiere einzelner Emittenten oder die systematische Analyse von ESG-Risiken sein«, erklärt eine Sprecherin des BVI.

Daran dürfte einiges richtig und einiges gut gemeint sein. So können beispielsweise Klimarisiken auch Risiken für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens bilden. Risiken, die Profis für ihre Anlageentscheidungen zunehmend berücksichtigen. Wirklich »grün« ist solches aber wohl nur selten.

Vorgehen gegen »Greenwashing«

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in Frankfurt am Main und Berlin will nun gegen die steigende Gefahr von »Greenwashing« bei Geldanlagen vorgehen. Greenwashing (englisch: »Grünwaschen«) zielt auf Produkte und Unternehmen, die sich zu Unrecht ein umweltfreundliches Ansehen verpassen. Laut einem veröffentlichten Entwurf der Bafin sollen Fonds, die als nachhaltig beworben werden, künftig mindestens 75 Prozent ihrer Anlagen nachhaltig investieren.

Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), reicht das nicht aus: »Auch der Gesetzgeber ist gefordert.« Die Mehrheit der Verbraucher erwartet, dass als nachhaltig beworbene Anlagen auch zu konkreten Veränderungen führen, also zum Beispiel Treibhausgasemissionen reduzieren oder Sozialstandards verbessern. Bei vielen Geldanlagen sei eine solche Wirkung allerdings unklar. Ab dem kommenden Jahr soll auch eine Vorgabe der Europäischen Union für mehr Klarheit sorgen.

Ob diese Maßnahmen auf dem überaus komplizierten Feld der Geldanlage wirklich fruchten, bleibt abzuwarten. »Grünen« Werbebotschaften oder bunten Labels, die angeblich gewisse Standards garantieren, sollten Sie bis auf Weiteres heftig misstrauen. Der Begriff »nachhaltig« ist nun einmal bislang nicht verbindlich festgelegt, ebenso wenig wie die Begriffe »sozial«, »fair« oder »ethisch«. Jede Bank oder Fondsgesellschaft kann diesen Ansatz also anders auslegen - und entsprechend investieren.

»Nur mal kurz die Welt retten«

Für Investmentfonds bemüht sich das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) zumindest um Transparenz. Das FNG ist seit 2001 der Fachverband für Nachhaltige Geldanlagen im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz). Das »Europäische Transparenzlogo für Nachhaltigkeitsfonds« wird an die Unterzeichner des Transparenz Kodex verliehen. Dieses helfe, die Investmentstrategie eines Fonds nachvollziehbarer zu machen und trage zur Qualitätssicherung bei, so das Forum.

Das Kleingedruckte müssen Sie aber dennoch lesen, wenn Sie wissen wollen, was im Fonds XY, den Sie ins Auge fassen, wirklich drin ist. Zu den FNG-Mitgliedern zählen Banken, Kapitalanlagegesellschaften und Versicherungen.

»Nur mal kurz die Welt retten«, hat sich die Verbraucherzentrale Bremen offenbar auf ihre Fahne geschrieben. Sie gilt Beobachtern als Vorreiter bei nachhaltigen Geldanlagen. So haben die Experten an der Weser gecheckt, wie sozial und ökologisch 14 angeblich nachhaltige Banken sind (nicht alle, sei hier verraten). Welche Produkte bieten diese an, haben sie beispielsweise ein Girokonto bundesweit im Angebot?

Ein nützlicher Check

Auf der Internetseite der Bremer Verbrauchzentrale finden Sie auch einen ausführlichen Produktcheck. Darin sind die Konditionen und Kosten für nachhaltige Girokonten und andere ethisch-ökologische Geldanlagen wie Tagesgeld, Sparkonto, Festgeld und Wachstumssparen zusammengestellt. Um zu den entsprechenden Seiten zu gelangen, geben Sie in Computer oder Smartphone in eine Online-Suchmaschine »verbraucherzentrale bremen« und »nachhaltige geldanlage« ein (www.verbraucherzentrale-bremen.de/wissen/geld-versicherungen/nachhaltige-geldanlage).

Ein Bundestagsbeschluss sorgt dafür, dass die aufwendigen Analysen der Verbraucherschützer vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) finanziell unterstützt werden. Das ist nachhaltig.

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