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EU-Parlament stimmt gegen strengere Antibiotika-Regeln bei Tieren

Grüne scheitern mit Initiative, bestimmte Präparate für die Humanmedizin vorzuhalten und nur in Ausnahmefällen anders zu nutzen

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Straßburg. Das EU-Parlament hat Pläne abgelehnt, fünf bestimmte Antibiotikagruppen für den Einsatz beim Menschen zu reservieren und bei Tieren weitgehend zu verbieten. Die Abgeordneten lehnten am Donnerstag in Straßburg ein entsprechendes Vorhaben des grünen EU-Abgeordneten Martin Häusling ab. »Es ist ein ganz schlechter Tag für die Humanmedizin«, sagte Häusling nach Bekanntwerden der Ergebnisse. Es sei aber auch ein schlechter Tag für Hunde- und Katzenhalter. Der Bundesverband praktizierender Tierärzte hingegen begrüßte die Entscheidung.

Häusling und der Umweltausschuss des EU-Parlaments hatten erreichen wollen, dass künftig fünf Antibiotikagruppen vor allem Menschen vorbehalten sein sollen, aber in Ausnahmefällen an einzelne, kranke Tiere verabreicht werden dürfen. Ziel war, den massenhaften Einsatz dieser Stoffe in der Tiermast zu beenden, um Antibiotikaresistenzen vorzubeugen.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sagte der Deutschen Presse-Agentur: »Sehenden Auges steuert Europa auf Zeiten zu, in denen es keine lebensrettenden Reserveantibiotika mehr gibt.« Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, Schlupflöcher zu schließen, um den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung deutlich spürbar zu begrenzen und so die menschliche Gesundheit vor der Entwicklung resistenter Erreger zu schützen. »Die Entscheidung der Abgeordneten kann unter Umständen tatsächlich Menschenleben kosten.«

Die Vorschläge hatten Protest beim Verband praktizierender Tierärzte ausgelöst. Dieser befürchtete, dass auch Haustiere künftig nicht mehr adäquat mit Antibiotika behandelt werden könnten. Er hatte eine Unterschriftenaktion gestartet. Zahlreiche Tierhalter, die um die künftige medizinische Versorgung ihrer Vierbeiner fürchteten, unterzeichneten diesen. Verbandsgeschäftsführer Heiko Färber zeigte sich erfreut über das Abstimmungsergebnis: »Wir glauben, dass das der richtige Weg ist, um den Kampf gegen antimikrobielle Resistenzen anzugehen.«

Nun bleibt es bei den ursprünglichen Plänen der EU-Kommission: Diese will bislang keine konkreten Stoffe nennen, die auf die Liste von Reserveantibiotika kommen sollen. Die Behörde präsentierte stattdessen Kriterien für deren Auswahl: etwa eine hohe Bedeutung für die menschliche Gesundheit und ein »nicht-essenzieller« Bedarf in der Tiermedizin.

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Reserveantibiotika sind Medikamente, die bei Infektionskrankheiten verwendet werden, wenn normale Antibiotika nicht mehr wirken. Ziel ist ein möglichst restriktiver Einsatz dieser Mittel, um ihre Wirksamkeit durch sich entwickelnde Resistenzen nicht zu gefä