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Maskenpflicht als Mordmotiv

Tatverdächtiger tötet in Idar-Oberstein Kassierer – Rechte und Querdenker jubeln

  • Von Sebastian Bähr
  • Lesedauer: 3 Min.
Idar-Oberstein: Maskenpflicht als Mordmotiv

Nach der tödlichen Attacke auf einen Tankstellen-Kassierer laufen die Ermittlungen gegen den 49 Jahre alten Tatverdächtigen auf Hochtouren. Der Mann ist nach Angaben von Oberstaatsanwalt Kai Fuhrmann bislang polizeilich nicht in Erscheinung getreten. Er soll dem 20-jährigen Verkäufer im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein am Samstagabend in den Kopf geschossen haben, nachdem dieser ihn beim Bierkauf zwei Mal auf die Maskenpflicht hingewiesen habe. Der Haftbefehl erging laut Staatsanwaltschaft wegen dringenden Tatverdachts des Mordes aus niedrigen Beweggründen. Der Verdächtige befindet sich nun in Untersuchungshaft in einer Haftanstalt.

Der mutmaßliche Täter sagte bisher aus, dass er die Corona-Maßnahmen ablehne. Zum Motiv habe er angegeben, dass ihn die Situation der Corona-Pandemie stark belaste, so Fuhrmann. Er habe sich in die Ecke gedrängt gefühlt und »keinen anderen Ausweg gesehen«, als ein Zeichen zu setzen. Das Opfer schien ihm dabei »verantwortlich für die Gesamtsituation«.

Die mutmaßliche Tatwaffe, weitere Waffen sowie Munition seien bei einer Hausdurchsuchung bei dem Tatverdächtigen von der Polizei gefunden und sichergestellt worden, so der Oberstaatsanwalt weiter. Der Verdächtige habe jedoch keine waffenrechtliche Erlaubnis besessen – die Herkunft der Waffen müsse noch weiter aufgeklärt werden.
Auf einschlägigen Kanälen von Gegnern der staatlichen Corona-Maßnahmen sowie extremen Rechten wurde die Tat bejubelt und verharmlost. Bei der großen Mehrheit sowie zahlreichen Politikern sorgte der Mord dagegen für Entsetzen. Die Ko-Vorsitzende der Linken, Susanne Hennig-Wellsow, sagte: »Die Aufklärung schulden wir zuallererst dem Opfer und seiner Familie, aber sie ist für uns alle von elementarer Bedeutung.« Es müsse ermittelt werden, woher und warum der Mann eine Waffe hatte, sowie ob er allein gehandelt habe oder »in Chats unterwegs war, die Umsturzfantasien verbreiten«.

Auch der SPD-Ko-Chef Norbert Walter-Borjans reagierte empört: »Die furchtbare Tat von Idar-Oberstein zeigt erneut, wohin Verblendung führen kann.« Die Erwartung, sich in einer Gemeinschaft verantwortungsbewusst zu verhalten, sei keine Freiheitsberaubung, sondern Pflicht zivilisierter Menschen, so der SPD-Vorsitzende. »Tatverharmlosung ist geistige Brandstiftung.« Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Renate Künast erklärte: »Ich bin entsetzt von dem grausamen Mord. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen.« Maskenpflicht als Mordmotiv lasse sie sprachlos zurück.

Aus Sicht des Thüringer Verfassungsschutzpräsidenten Stephan Kramer sei die Tat indes nicht überraschend gekommen. »Der kaltblütige Mord an dem Studenten ist furchtbar, aber für mich keine Überraschung angesichts der steten Eskalation der letzten Wochen«, so Kramer gegenüber Medien. Er und seine Kollegen hätten vor dem Aggressionspotenzial gewarnt. »Bedauerlich ist, dass es immer erst Tote geben muss.«

Auch die Sicherheitsbehörden selbst stehen jedoch in der Kritik. »Wieder trauern wir nach einem rechten Mord«, erklärte die Initiative »NSU Watch«. Man habe dabei gewusst, dass die Corona-Proteste die Grundlage für rechten Terror böten, doch die Warnungen seien ignoriert worden. »Der Mord wurde nicht verhindert.« Mit Agenturen

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