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Mehr Licht!

Der US-amerikanische Theaterkünstler Robert Wilson wird 80 Jahre alt

  • Von Erik Zielke
  • Lesedauer: 3 Min.
Der Theaterregisseur Robert Wilson, 2017
Der Theaterregisseur Robert Wilson, 2017

Heiner Müller soll - ob das wohl stimmt? - über Robert Wilson einmal gesagt haben, er sei der einzige Kommunist in den USA, den er kenne. Bei der politischen Verortung des Künstlers sind Zweifel durchaus erlaubt; über das überaus produktive Verhältnis des amerikanischen Künstlers und des ostdeutschen Theatermanns, das beide zu neuen Ansätzen in ihrem Schaffen anspornte, herrschen hingegen keine Zweifel. Müller, der wortmächtige und spitzzüngige Beobachter des Weltenniedergangs, und Wilson, der Bewegungschoreograph und Virtuose des Lichts, hatten kaum etwas gemein - und sich daher viel zu sagen.

Bob, wie der in Waco, Texas, geborene Wilson genannt wird, feiert am Montag seinen 80. Geburtstag. Es war eine Anstrengung für den jungen homosexuellen Mann, der kleinbürgerlichen Herkunft zu entfliehen. Einem bodenständigen Wirtschaftsstudium folgte ein Universitätsabschluss in Architektur und die Beschäftigung mit dem Bauhaus. Wilson ging seinen Weg zu kreativer Vervollkommnung sehr schrittweise. Ab den 1960er Jahren versuchte er sich als Theaterregisseur und verlieh der westlichen Avantgardekunst entscheidende Impulse.

Die schöpferische Kooperation mit Menschen mit Behinderung nahm einen zentralen Stellenwert in seiner frühen Arbeit ein. Seine höchst unterschiedlichen Werke können im besten Sinne als Konzeptkunst gelabelt werden. Berühmt geworden sind Wilsons Zusammenarbeit mit Philip Glass und die gemeinsam verfasste Oper »Einstein on the Beach« (1976). Brechts ästhetisches Prinzip der »Trennung der Elemente« - also die Eigenständigkeit von Text, Bild und Musik - hat Wilson auf die Spitze getrieben und durchchoreographierte und -komponierte Theaterabende geschaffen, in denen auch Licht als zusätzliches unabhängiges Element eine Schlüsselrolle beanspruchen konnte.

»The Black Rider«, beruhend auf Carl Maria von Webers »Der Freischütz«, ist das Resultat der erstaunlichen Kollaboration der drei Größen Robert Wilson, William S. Burroughs und Tom Waits. Uraufgeführt 1990 am Hamburger Thalia Theater, war die Inszenierung auch ein internationaler Meilenstein und Wilsons Eintritt in das Theater im deutschsprachigen Raum. Bis heute arbeitet er regelmäßig an hiesigen Bühnen. An Experimentalgeist haben seine Spektakel allerdings eingebüßt. Und der eine oder andere Zuschauer belächelt den vielleicht etwas müden Formalismus Wilson’scher Inszenierungen heute. Auch Müller war der Erfolg seines Kollegen mit »The Black Rider« nicht geheuer, und er befürchtete Niveauverfall durch Kommerzialisierung.

Und doch begegnen einem auch jetzt noch Überraschungen, wenn man Wilsons Arbeiten verfolgt. Längst ist er nicht mehr nur unermüdlicher Schöpfer immer neuer Theaterabende. Mit dem von ihm 1992 gegründeten Watermill Center, einem kreativen Forschungszentrum in den USA, vergibt er jedes Jahr an Künstler verschiedener Ausrichtung Stipendien zur interdisziplinären Bereicherung, zum Austausch und zum ungezügelten Spiel. Ganz so, wie es der Jubilar vorgemacht hat.

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