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Beide Seiten sind froh

Warum vermutlich weder IG BAU noch Arbeitgeber heiß auf einen Arbeitskampf waren

  • Von Simon Poelchau
  • Lesedauer: 2 Min.

Es gibt eigentlich keine Branche, der es derzeit so gut geht wie der Bauindustrie. Sie war von der Coronakrise kaum betroffen, dafür profitiert sie seit Jahren vom Immobilienboom. In den vergangenen zehn Jahren hat sich ihr Umsatz fast verdoppelt. Als um so unnachvollziehbarer erscheint da der Umstand, dass die derzeitigen Tarifverhandlungen extrem lange dauerten und fast gescheitert waren.

Die erste Verhandlungsrunde fand bereits im Mai statt, im Juni brüskierten die Arbeitgeber die Gewerkschaft IG BAU, indem sie eine Verhandlungsrunde vorzeitig abbrachen. Erst nach zwei Runden in der Schlichtung einigte man sich jetzt in der Nacht zum Freitag auf einen neuen Tarifvertrag. Dieser stellt offenbar beide Seiten zufrieden. Die IG BAU kann sich auf Einmalzahlungen, Lohnerhöhungen in drei Schritten, eine Ost-West-Angleichung und vor allem Entschädigungen für Wegstrecken freuen. Die Arbeitgeber wissen die lange Laufzeit zu schätzen, die ihnen erst mal Ruhe beschert.

Glaubt man der IG BAU, hätte es ansonsten einen Arbeitskampf in der Branche gegeben. Ihr Vorsitzender Robert Feiger drohte zuletzt offen mit Streik. Die Frage ist nur, ob er sich seiner Sache wirklich sicher war. Denn die Baubranche ist von Subunternehmertum geprägt. Die Organisierung der Angestellten zu Arbeitskampfmaßnahmen ist da alles andere als eine leichte Aufgabe. Wäre sich die Gewerkschaft ihrer Durchsetzungskraft sicherer gewesen, dann hätte sie sich nicht so lange von den Arbeitgebern hinhalten lassen, sondern hätte die Gespräche bald für gescheitert erklärt. Die Arbeitgeberverbände ihrerseits wussten wohl auch darum, ansonsten hätten sie schneller ein annehmbares Angebot vorgelegt.

Vermutlich sind deshalb jetzt beide Seiten froh, dass es nicht zum Streik kommt. Die Arbeitgeber, weil auf dem Bau ohne Pause weiter geschuftet wird. Und die IG BAU, weil sie ihre Kampfkraft nicht unter Beweis stellen musste.

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