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Die Wiege der Industrie

Geschichten und Geschichte auf einer nd-Leserreise nach Wuppertal und ins Ruhrgebiet

  • Von Heidi Diehl
  • Lesedauer: 4 Min.
Seit 120 Jahren ist die Wuppertaler Schwebebahn ein öffentliches Verkehrsmittel.
Seit 120 Jahren ist die Wuppertaler Schwebebahn ein öffentliches Verkehrsmittel.

Wuppertal - für die meisten verbindet sich damit der Geburtsort von Friedrich Engels, für manche ist es der Ort, in dem, wie wir durch Loriot erfuhren, einst Erwin Lottemann mit dem Papst eine Herrenboutique eröffnen wollte. Nun, ob er es geschafft hat oder nicht, davon können Sie sich gern Ende November selbst ein Bild machen. Denn dann führt eine besondere Adventsreise in die Stadt im Bergischen Land, bei der aber nicht Erwin Lottemann im Mittelpunkt steht, sondern die Industriekultur.

Berühmt und vielen zumindest vom Hören ein Begriff, ist vor allem die im März 1901 eröffnete Wuppertaler Schwebebahn, die zum Wahrzeichen der Stadt wurde. Gut 13 Kilometer schwebt sie über den Straßen und gestattet den Reisenden so einen besonderen Blick auf die Stadt. Natürlich werden Sie, liebe Leserinnen und Leser, diesen Anblick auch genießen können. Verschaffen Sie sich so am Anreisetag einen ersten Überblick und bummeln Sie danach durch die beleuchteten Straßen von Wuppertal.

Gut ausgeschlafen führt Sie der Weg am nächsten Morgen ins Bergische Land, das als Wiege der Frühindustrialisierung Deutschlands gilt. Hier setzte man lange vor anderen Regionen auf die Kraft des Wassers, um sich die Arbeit zu erleichtern. So nahmen zahlreiche Gewerke einen Aufschwung, wie Textilverarbeitung, Klingenschmiede oder die Werkzeugverarbeitung. Die Entdeckungsreise folgt dem Lauf der Wupper bis zur Müngstener Brücke. Das technische Wunderwerk aus dem Jahr 1897 beeindruckt mit einer Höhe von 107 Metern und einer Länge von 500 Metern über dem Tal der Wupper.

Anschließend führt der Weg nach Solingen, das früher dank der Schneidwarenherstellung als »Werkstatt für die Welt« galt. Noch heute kann man sehen, wie die Altvorderen Messer schmiedeten.

Wie eine typische bergische Stadt einst aussah, können Sie im Remscheider Stadtteil Lennep entdecken - Fachwerk und Schiefer prägen bis heute das Bild. Hier steht übrigens auch das Geburtshaus des berühmten Physikers und Nobelpreisträgers Wilhelm Conrad Röntgen.

Am Abend tauchen Sie ein in die Welt des Zirkus und des Varietés. Lassen Sie sich im berühmten GOP-Varieté-Theater in Essen bei einem Drei-Gang-Menü in die Welt der großen Gesten, des Glitzerns, der Magie und Clownerie entführen. Mit der Show »Circus« verneigt sich das GOP tief vor der Tradition und der Poesie der großen Zirkuswelt. Die Erfolgsgeschichte des GOP begann übrigens im Jahr 1992, als die Familie Grote den »Georgspalast« in Hannover eröffnete. Mittlerweile gibt es sieben Häuser, das GOP in Essen wurde 1996 als zweites erbaut und erfreut sich seitdem wachsender Beliebtheit.

Am dritten Tag Ihrer Reise tauchen Sie ein in die Geschichte von Kohle und Stahl und erleben die Industriegeschichte des »Ruhrpotts« hautnah. Seit dem 19. Jahrhundert steht das Ruhrgebiet für die Förderung von Steinkohle und die Herstellung von Stahl. Dies hat sich inzwischen komplett geändert, dennoch begegnet man der Industriekultur auf Schritt und Tritt. Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich der einst graue Ruhrpott verändert hat, wie aus Industriegebäuden und Fabriken hippe Locations und Freizeiteinrichtungen für jedermann wurden. Sie können sich beim Besuch der Zeche Zollverein in Essen, auch »Eiffelturm des Ruhrgebietes« genannt, davon überzeugen. Von 1851 bis 1986 war sie ein aktives Steinkohlebergwerk. Benannt wurde sie nach dem 1834 gegründeten Deutschen Zollverein. Heute ist sie ein Architektur- und Industriedenkmal und steht seit 2001 auf der Unesco-Welterbeliste. Sie werden erstaunt sein über die Verwandlung eines »Aschenputtels« in eine schöne »Prinzessin«.

Anschließend führt die Fahrt weiter nach Oberhausen: In der Nähe der St.-Antony-Hütte, die als Geburtsstätte der Ruhrindustrie gilt, liegt mit Eisenheim die älteste Arbeiter- und Zechenkolonie des Ruhrgebiets. Die ersten Häuser auf dem rund sieben Hektar großen Areal wurden 1846 von der späteren Gutehoffnungshütte für ihre Hüttenarbeiter erbaut. Ab 1865 kamen auch Wohnungen für die Bergleute der Zeche Osterfeld hinzu. Rund 1200 Menschen lebten hier um 1900 in 51 anderthalb- und zweigeschossigen Häusern. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollten die Häuser abgerissen werden, doch es gab heftige Gegenwehr. Nach langem Kampf konnten die 38 verbliebenen Gebäude 1972 unter Denkmalschutz gestellt und später saniert werden.

Bevor Sie sich wieder auf die Heimfahrt nach Berlin begeben, besuchen Sie noch das Haniel-Museum in Duisburg-Ruhrort und erleben im historischen Packhaus eindrucksvolle Dokumente aus 265 Jahren Firmengeschichte. Mit einem abschließenden Bummel durch die Essener Innenstadt geht die erlebnisreiche Tour in die Geschichte der Industrialisierung zu Ende.

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