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Kein privates Problem

Lisa Ecke über den vorhersehbaren Anstieg von Partnerschaftsgewalt

  • Von Lisa Ecke
  • Lesedauer: 1 Min.
Was hinter geschlossenen Vorhängen passiert, ist nicht immer nur Privatsache.
Was hinter geschlossenen Vorhängen passiert, ist nicht immer nur Privatsache.

Der Anstieg von Gewalt in Partnerschaften im Coronajahr 2020 überrascht nicht. Die Gewalt in bestehenden sowie ehemaligen Partnerschaften hat um fast fünf Prozent zugenommen. 146 655 solcher Gewaltdelikte gab es, über 80 Prozent der Betroffenen sind Frauen. Und das sind nur die zur Anzeige gebrachten Taten. Die Dunkelziffer ist, vor allem während der Lockdown-Phasen, viel höher. Ein kurzzeitiges Entkommen aus dem gefährlichen Zuhause war für Betroffene oft nicht mehr möglich – es gab kaum die Option, unbemerkt Hilfe zu holen. Trotzdem registrierte das Hilfetelefon »Gewalt gegen Frauen« eine stark gestiegene Nachfrage.

Wenn all das jetzt bedauert wird, ist das nichts als Heuchelei. Die steigende Gefahr für Frauen hat bei den Coronamaßnahmen keine Rolle gespielt. Dabei ist partnerschaftliche Gewalt keine Privatsache, sondern Ausdruck von ungleichen Machtverhältnissen. Diese wurden aber sogar verschärft, etwa durch die Corona-Hilfspakete, bei denen bestehende Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt ignoriert wurden. Nicht einmal mehr Hilfsangebote wurden geschaffen, stattdessen bestehende Angebote aus Infektionsschutzgründen weiter verringert. Aber auch das überrascht nicht: Einen Mangel etwa an Frauenhausplätzen gibt es nicht erst seit 2020.

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