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Land für Menschen statt für Profite

In Mosambik wird den Bauern Boden unter den Füßen weggerissen und mit ihm Hoffnung

  • Von Christine Wiid, Inkota
  • Lesedauer: 5 Min.
Amélia Semente, Vorsitzende des Bauernvereins Nova Família im Distrikt Ribaue
Amélia Semente, Vorsitzende des Bauernvereins Nova Família im Distrikt Ribaue

Zurück bleiben Ohnmacht und Angst. Viele Menschen in Mathária haben Jahre in großer Sorge vor einer Umsiedlung gelebt. Es gab einen lang andauernden Streit mit einem privaten Unternehmen, das im großen Stil Soja anbauen wollte. Dabei besetzte das Unternehmen Mathária Empreendimentos nicht nur Flächen, für die es den Landtitel erworben hatte, sondern darüber hinaus illegal weitere Ackerflächen der lokalen Bäuerinnen und Bauern.

Ein Unrecht. Doch die Einwohner*innen von Mathária ließen sich nicht unterkriegen. Gemeinsam mit Inkota-Projektpartner ANAM setzten sie durch, dass das Land neu vermessen und die Kriterien für die Vergabe des Landes neu definiert wurden. Das hat nun zu einer Rückgabe der Flächen geführt. »Mithilfe von ANAM konnten wir den Konflikt lösen«, erzählt Vitor Daniel, Chef der lokalen Gemeinde. »Jetzt können wir wieder auf unserem Land produzieren, ohne dass wir Angst haben müssen, es noch einmal zu verlieren. Das Land ist sicher - für uns und auch für unsere Kinder.«

Dank ANAM (Associação Nacional de Ajuda Mútua; zu Deutsch: Verband für gegenseitige Hilfe) konnten rund 500 Hektar fruchtbares Ackerland an etwa 180 Bäuerinnen und Bauern zurückgegeben werden. »Landrechte sichern«, »Nein zum Ausverkauf von Mathária«, »Land für Menschen und nicht für Profite« - Inkota hat in den vergangenen Jahren immer wieder über die Arbeit von ANAM und die Gefahr des Landgrabbings in Mosambik berichtet.

ANAM ist eine wichtige Partnerorganisation von Inkota in Mosambik. Der Verband setzt sich seit Jahren erfolgreich für die Sicherung von Landrechten für Bäuerinnen und Bauern und ländliche Gemeinden ein. Mit der Zweigstelle in der Provinz Nampula arbeitet Inkota bereits seit vielen Jahren erfolgreich zusammen.

Land ist für einen Großteil der Menschen in Mosambik die wichtigste Ressource. Rund 80 Prozent der Mosambikaner*innen leben von der kleinbäuerlichen Landwirtschaft und dem, was sie auf ihren Feldern anbauen. Im Schnitt sind ihre Anbauflächen kaum größer als zwei Hektar, und darauf wird alles Lebensnotwendige angebaut. In Nampula sind das vor allem Mais, Maniok und Gemüse. In einigen Regionen wird auch Reis angebaut, ebenso wie Cashews, Sesam oder Baumwolle - diese Erzeugnisse dienen vor allem der Vermarktung und dem Export.

Süßwasser ist eine knappe Ressource in Mosambik wie auch Ackerland, weshalb Land kartiert wird, um die Rechte zu sichern.
Süßwasser ist eine knappe Ressource in Mosambik wie auch Ackerland, weshalb Land kartiert wird, um die Rechte zu sichern.

Land ist allerdings auch ein begehrtes Gut, insbesondere im Norden des Landes, in dem auch die Provinz Nampula liegt. Erdgas, Kohle, seltene Erden, Edelsteine, Schwersande - viele internationale Konzerne haben Interesse an den Bodenschätzen Mosambiks und erwerben Lizenzen für den Abbau. In der Folge sind die lokalen Bewohner*innen vom Verlust ihrer Häuser und ihrer Landwirtschaft bedroht. Sie müssen umsiedeln, verlieren mit den Anbauflächen auch ihren Lebensunterhalt.

Neben dem Bergbau setzen landwirtschaftliche Großprojekte die Menschen unter Druck: Vor einigen Jahren hat das Megaprojekt »ProSavana« mosambikanischer, brasilianischer und japanischer Investoren die mosambikanische Zivilgesellschaft in Aufruhr versetzt. Das Konsortium plante eine agroindustrielle, monokulturelle und exportorientierte Landwirtschaft und den Anbau von Soja nach brasilianischem Vorbild - auf einer Fläche von mehreren Millionen Hektar. Zum Vergleich: Nordrhein-Westfalen ist knapp 3,4 Millionen Hektar groß. Zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen setzten sich erfolgreich dagegen zur Wehr. Das Projekt wurde in der geplanten Form nie umgesetzt.

All diese Beispiele zeigen, dass die Nachfrage nach Land groß ist. Dabei sind die schwächsten Glieder in der Kette die Kleinbäuerinnen, die existenziell auf dieses Land angewiesen sind, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und sich und ihre Familien zu ernähren. Deshalb unterstützt ANAM die Menschen, ihre Landrechte zu sichern, schult die Verantwortlichen in den Gemeinden und die Bewohner*innen zu ihren Rechten und berät bei Landkonflikten.

Land ist in Mosambik in Staatsbesitz. Nutzungsrechte werden vom Staat vergeben, und Gewohnheitsrecht ist gleichgestellt mit registrierten Landtiteln. Einzelpersonen, aber auch Gruppen können Landtitel vom Staat erhalten. Investor*innen können nur nach einem Konsultationsverfahren mit den betroffenen Gemeinden Land erwerben, und die Gemeinden müssen angemessen beteiligt oder entschädigt werden. Allerdings wissen viele Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zu wenig von diesen Rechten und können sie deshalb auch nicht einfordern. »Wir kannten unsere Rechte nicht«, sagt etwa die Bäuerin Amélia Semente, Vorsitzende des Bauernvereins Nova Família im Distrikt Ribaue. »ANAM hat uns erklärt, welche Rechte wir haben und wie wir unser Land sichern können.«

Für den Anbau lokaler Sorten werden Saatgut-Pakete verteilt
Für den Anbau lokaler Sorten werden Saatgut-Pakete verteilt

ANAM unterstützt die Bauern und Bäuerinnen auch dabei, ihr Land zu vermessen und zu kartieren. Denn dies ist Voraussetzung dafür, dass Landtitel im Katasteramt eingetragen und Landnutzungsurkunden ausgestellt werden können, die die Rechte der Bäuerinnen und Bauern oder ländlicher Gemeinden verbriefen. Seit 2011 hat ANAM bereits Landflächen von über 75 000 Hektar für Gemeinden und Bauernvereine oder -genossenschaften vermessen, kartiert und registriert. Damit sind die Landrechte und der Landzugang von etwa 25 000 Menschen gesichert. Diese Größe entspricht fast einem Drittel der Landesfläche des Saarlands.

Einer der Bauern dessen Gemeindeland registriert wurde, ist António Joaquim aus Ribaue in Nampula. Er erzählt uns: »Der Landtitel gibt unserer Gemeinde Sicherheit, wir können unsere Produktion nun ausweiten. Mittlerweile haben wir auch ein großes Staubecken zur Bewässerung angelegt und können das ganze Jahr über Gemüse anbauen. Wir können also auch dann Gemüse verkaufen, wenn eigentlich keine Saison ist. So erzielen wir bessere Preise, weil das Angebot nicht so groß ist.«

Auch nach Vermessung und Kartierung gibt es weiterhin viel zu tun: ANAM berät die Bäuerinnen und Bauern in landwirtschaftlichen Fragen, um das Land nachhaltig zu nutzen, die Ernten zu verbessern und sich in Vereinen und Genossenschaften zusammenzuschließen. Für den Anbau lokaler Sorten werden Saatgut-Pakete verteilt. Außerdem unterstützt ANAM die Gruppen bei der Aushandlung von fairen Verträgen mit Abnehmerinnen und Arbeitnehmern und bei der Vermarktung ihrer Ernte.

Einigen Vereinen ist es bereits gelungen, feste Verträge mit lokalen Händlerinnen und Händlern abzuschließen. »Das ist es, was uns fehlt: zuverlässige Käufer und ein Absatzmarkt«, sagt Manuel Biguina, Vorsitzender des Bauernvereins Wassir in Malema. »Bisher haben unsere Mitglieder ihren Mais meist einzeln verkauft, jeder für sich und zu unterschiedlichen Preisen. Nun wollen wir unsere Ernte gemeinsam vermarkten und einen guten, einheitlichen Preis für alle aushandeln. Dafür setzen wir uns als Verein ein - und ANAM unterstützt uns dabei.«

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