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Mit neuen Freunden rund um die Welt

Seit 31 Jahren fahren nd-Leserinnen und -Leser »mit links durch die Welt«

  • Von Heidi Diehl
  • Lesedauer: 9 Min.
Mit einer Reise nach Griechenland, inklusive Besuch der Akropolis, fing 1990 alles an.
Mit einer Reise nach Griechenland, inklusive Besuch der Akropolis, fing 1990 alles an.

2011 traf sich die nd-Leserreisen-Familie zum nd-Reisetreff in Cottbus.
2011 traf sich die nd-Leserreisen-Familie zum nd-Reisetreff in Cottbus.

Aller Anfang ist schwer, sagt man. In diesem Fall aber war er so was von leicht. Kein Wunder auch: Die Menschen wollten reisen, nicht nur Bulgarien, Ungarn oder die Sowjetunion sehen, sondern endlich auch die große weite, ihnen bislang verschlossene Welt. Da rannte der Anruf im September 1990 des Veranstalters G.I.S.-Reisen aus Neustadt (Wied) bei der ND-Mitarbeiterin Uschi Pätzel geradezu offene Türen ein. Ob man sich vorstellen könne, miteinander ins Leserreisen-Geschäft zu kommen, fragte G.I.S.-Chef Hans Dieter Bachem an. Gemeinsam einigte man sich darauf, es mit einer Griechenland-Reise im November desselben Jahres zu versuchen. Was dann passierte, ging in die Annalen der Geschichte von nd-Leserreisen ein: Innerhalb der ersten 24 Stunden nach Ausschreibung der Tour hatten sich bereits 150 Interessierte gemeldet. Am Ende machten sich 269 Leserinnen und Leser auf den Weg nach Griechenland. Profitiert haben letztlich nicht nur diejenigen, die mit dabei waren und der Reiseveranstalter. Auch das »ND«, denn die Provision, die an die Zeitung floss, reichte für das Gehalt von 15 Redakteuren für ein ganzes Jahr aus.

Dieser sagenhafte Start war der Anfang eines Weges, der Uschi Pätzel schon bald den Namen »Reisefee« einbrachte. Als Verantwortliche für Leserreisen knüpfte sie Kontakte zu weiteren Reiseveranstaltern, einer der ersten war BTO International aus Neustrelitz. Etliche sind seitdem hinzugekommen, mit denen wir gut zusammenarbeiten und die über die Jahre zu zuverlässigen Partnern geworden sind: BVB/Freizeitreisen Berlin, Meissen-Tourist, PTI Panoramica, M-TOURS-Erlebnisreisen, die Kreuzfahrtunternehmen Plantours Kreuzfahrten, 1AVista, nicko cruises und andere.

Viele Leserinnen und Leser erinnern sich noch gut an die »ND-Reisefee«, die sich ihrer neuen Aufgabe mit großer Leidenschaft und einem wohl noch größeren Herzen ihrer »Kundschaft« annahm. Unermüdlich war sie auf der Suche nach interessanten Angeboten. Und das alles zu einer Zeit, da ihr neben dem Telefon nur Stift und Papier zur Verfügung standen. Mal schnell eine E-Mail verschicken war 1990 noch undenkbar, ebenso eine Recherche im Internet. Nicht deshalb, weil diese neuen Kommunikationsinstrumente und Medien damals noch im Babystadium waren: Uschi hatte nicht mal einen Computer. Alles schrieb sie mit der Hand, so manche Korrespondenz kann man noch heute im Archiv finden. »Ich frage mich manchmal, wie sie die Arbeit bewältigt hat«, sagt nd-Leserreisen-Chef Frank Diekert, der mit Computern und den neuen Medien aufgewachsen ist.

Die ND-Leserreisen-Familie wuchs und wuchs in den 90er Jahren, Freundschaften entstanden unter den Weltenbummlern. Da kam das neue Angebot von Uschi Pätzel, sich bei einem Jahresabschlusstreffen im November 1998 zu sehen, gerade recht. Die Einladung an alle, die schon einmal bei ihrer Zeitung eine Reise gebucht hatten, ein paar Tage gemeinsam ins Riesengebirge zu fahren, wurde mit großem Hallo angenommen. Aus allen Himmelsrichtungen starteten am 5. November die Busse, um die mehr als 300 Leserinnen und Leser nach Spindleruv Mlyn zu bringen, wo sie in den nächsten vier Tagen ein Programm voller Begegnungen und Überraschungen erwartete: zahlreiche Ausflüge in die Region waren genauso geplant wie Gespräche mit ND-Redakteuren, Künstlern, Politikern sowie Sportlern. Helmut Sakowski, André Brie, Walter Kaufmann oder Klaus Köste waren ebenso extra ins Riesengebirge gereist wie die »Distel«, die mit einem Kabarettprogramm alle begeisterte.

Begeistert fuhren alle wieder nach Hause und waren sich mit den Organisatoren einig, dass man so ein Treffen jedes Jahr machen sollte. Und so kam es dann auch. Zwar wechselte der Name - aus dem ND-Leserreisen-Treffen wurde später der nd-Reisetreff - das Grundprogramm aber blieb seit 1998 erhalten: Gemeinsam geht es im Spätherbst für vier Tage in einen schönen Ort in Deutschland oder auch ins benachbarte Ausland, wo die Gäste ein umfangreiches Programm erwartet. Vom Anfang sind es die Neustrelitzer Reiseveranstalter GR Reisen und BTO International, die zusammen mit der nd-Leserreisen-Abteilung die Touren organisieren. Bislang führten sie mit einer Ausnahme immer zu einem neuen interessanten Ziel. In diesem Jahr, zum 23. nd-Reisetreffen, gab es zum ersten Mal eine Wiederholung: Weil der Wunsch der Teilnehmer so groß war, ging es erneut nach Szczecin, wo die nd-Reisefamilie bereits 2002 die Gastfreundschaft des Radisson-SAS-Hotels genießen konnte.

Mit dabei war auch dieses Mal Rolf Schubert aus Berlin. Es war das 22. nd-Reisetreffen, an dem er teilnahm und sich, wie in jedem Jahr, auf viele Freunde freute, die er und seine Frau bei Leserreisen, die sie mit ihrer Zeitung seit 1999 machen, kennengelernt hatten. »Die Ausflüge, die Gesprächsrunden sind toll«, sagt Rolf Schubert, »aber am meisten freuen wir uns Jahr für Jahr darauf, Freunde und Bekannte aus ganz Deutschland wiederzutreffen, mit denen wir ansonsten nur telefonischen Kontakt halten können.« Mehr als 70-mal sind er und seine Frau in den vergangenen Jahrzehnten mit »nd« durch die Welt gereist, kein Weg war ihnen zu weit: Mexiko, Kuba, die Transibirische Eisenbahn, das Nordpolarmeer, Südafrika, Vietnam und sogar Australien haben sie entdeckt. So weit muss es nun nicht mehr sein, aber auch im kommenden Jahr plant die Familie, wieder die Koffer zu packen. Und dass sie, wenn es die Gesundheit erlaubt, beim 24. nd-Reisetreff vom 28. bis 31. Oktober 2022 in Hodenhagen in der Lüneburger Heide dabei sind, versteht sich von selbst.

Anfang der 2000er Jahre stieg die Nachfrage nach Reisen mit Gleichgesinnten ständig. Für Uschi Pätzel allein war die Arbeit bald nicht mehr zu schaffen, obwohl sie inzwischen längst auch einen Computer und Zugriff auf moderne Medien hatte. Mit Irene Kohlmetz verstärkte eine ebenso engagierte Kollegin die Abteilung Leserreisen, und das Angebot an Touren wuchs ständig. Ebenso die Zahl der Leserinnen und Leser, die regelmäßig mit ihrer Zeitung reisten - weit mehr als 1400 waren es im Jahresschnitt, und viele von ihnen buchten mehrfach. Nach dem Grund befragt, kam fast immer die gleiche Antwort, die wir auch von Rolf Schubert bekamen: »Man reist unter Gleichgesinnten, die an anderen Kulturen und Menschen ebenso interessiert sind wie an Begegnungen untereinander.« Das fasst wohl auch der Slogan »Mit links durch die Welt« zusammen, mit dem »nd« lange für seine Leserreisen warb und der zu so etwas wie einem Markenzeichen für nd-Reisen wurde.

2007 kam Frank Diekert als Dritter in die Abteilung Leserreisen, allerdings anfangs nur stundenweise. Von Beginn an kniete er sich mit ebensolcher Begeisterung in die Arbeit, wie die beiden Frauen. »Anders als Uschi musste ich ja nicht bei null anfangen«, sagt er zehn Jahre später. »Schnell aber merkte ich, dass mir der direkte Kontakt mit den Leserinnen und Lesern großen Spaß macht, und dass der Zufall mich genau an die Stelle gebracht hatte, bei der ich meine Talente ausleben kann.« 2011 ging die »Reisefee« Uschi Pätzel in den verdienten Ruhestand, und als Irene Kohlmetz ihr zwei Jahre folgte, war Frank längst zu einem Profi im Leserreisengeschäft geworden.

Aufbauend auf das, was die beiden Frauen in den zwei Jahrzehnten vor ihm aufgebaut hatten, entwickelte Frank zusammen mit den Reiseveranstaltern neue Ideen und Angebote. Eine davon ist inzwischen genauso eine feste Bank wie das jährliche nd-Reisetreffen. »Da viele Leserinnen und Leser immer wieder von den herzlichen Begegnungen mit anderen erzählten, kam die Idee, doch im Frühjahr so etwas wie einen kleinen Reisetreff zu organisieren - deshalb schrieb er 2015 eine viertägige Tour über den Frauentag nach Halle aus. Lange warten musste er nicht, bis sie ausgebucht war. Im etwas kleineren Rahmen als der Reisetreff im Herbst, standen auch hier neben Besichtigungsausflügen und Kultur, Begegnungen mit Prominenten verschiedener Genres auf dem Programm. Schon auf der Rückfahrt war klar: den «kleinen Reisetreff» zum Frauentag wird es künftig ebenfalls jährlich geben. Der nächste führt vom 5. bis 8. März 2022 nach Magdeburg und in den Harz.

Schon ein Jahr früher fand erstmals eine Tagestour zum Internationalen Frauentag statt. Silvia Ottow begleitete am 8. März 2014 einen Bus voller fröhlicher Frauen (und einiger weniger Männer) in ihre Heimatstadt Luckau. Ab 2015 ist die Autorin dieser Zeilen bei dieser längst zur Tradition gewordenen Tour die Reisebegleitung. Beide Frauentagsfahrten gehören zu jenen Reiseangeboten, für die man eigentlich gar nicht mehr werben muss. Im Gegenteil: Für die Tagestour mussten wir schon mehrere Male einen Doppelstockbus ordern, um die große Nachfrage einigermaßen befriedigen zu können. Was bei einem der ersten Ausflüge zum 8. März Zufall war, hat sich inzwischen ebenfalls zu einer schönen Tradition entwickelt: Ein Berliner Frauenchor schenkt sich diese Reise nicht nur alljährlich selbst zum Frauentag, sondern sorgt mit viel Gesang auch für Stimmung an Bord. Bestimmt auch wieder im kommenden Jahr, wenn es auf eine besondere Entdeckungstour nach Meißen geht.

Wenn man Frank Diekert fragt, woran er sich am intensivsten erinnert, so muss er nicht lange überlegen: nd-Literaturredakteurin Irmtraud Gutschke hatte Hermann Kant, über den sie das Buch «Die Sache und die Sachen» geschrieben hatte, 2016 gefragt, wo er denn seinen 90. Geburtstag, den er am 14. Juni des gleichen Jahres beging, feiern wolle. Kant lebte zu der Zeit in einer Einrichtung für betreutes Wohnen. So eine richtige Vorstellung hatte er nicht, sie aber: Sie sprach mit dem Theater Neustrelitz, ob es möglich sei, den Schriftsteller dort zu ehren. Grundsätzlich stand dem nichts im Wege, aber vor leeren Rängen konnte man ja schlecht feiern. Also fragte Irmtraud Gutschke Frank Diekert, ob er nicht eine nd-Leserreise zum Geburtstag organisieren könne. Gemeinsam mit GR-Reisen wurde in kürzester Zeit ein Programm ausgearbeitet - 160 Leser buchten es. «Hermann Kant war total überwältigt von der besonderen Ehrung», erzählt Frank. Obwohl der Schriftsteller schon geschwächt war, ließ er es sich nicht nehmen, zahlreiche Bücher zu signieren und mit seinen vielen Geburtstagsgästen zu reden. «Sogar der NDR berichtete darüber», erinnert sich Frank. Auch für alle, die bei dieser besonderen Geburtstagsfeier dabei waren, bleibt es ein unvergessliches Erlebnis. Nur wenige Wochen danach starb Hermann Kant. Seitdem gibt es jährlich am 14. Juni zu seinem Geburtstag eine Erinnerungsfahrt.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist Frank Diekert auch die Begegnung mit dem Fotografen Thomas Billhardt anlässlich einer Ausstellung seiner Bilder aus Vietnam im Sommer 2018 im Foyer des Redaktionsgebäudes. «Ich fragte ihn spontan, ob er sich vorstellen könnte, mit Lesern nach Vietnam zu reisen.» Billhardt war sofort Feuer und Flamme, ebenso viele Leser, als die Reise ein Jahr später aufgelegt wurde. «Die Resonanz war so groß, dass wir die Tour wiederholen mussten.» Einige von jenen, die mit Thomas Billhardt in Vietnam unterwegs waren, haben sich auch bereits für eine Erinnerungstour des Fotografen nach Chile angemeldet, die vom 12. bis 24. Oktober 2022 stattfinden soll.

Bereits in diesem Jahr stand sie auf dem Plan, doch - wie so viele andere - wurde sie von Corona ausgebremst. Auch für Frank Diekert war es ein rabenschwarzes Jahr, doch er nutzte es, um mit den Reiseveranstaltern neue Touren zu entwickeln. So wird es zum Beispiel im Herbst 2022 eine exklusive Reise mit Uwe Behrens, dem Autor des Buches «Feindbild China» ins «Reich der Mitte geben. Künftig werden auch noch mehr nd-spezial-Reisen, angeboten, die es so nirgendwo anders zu buchen gibt. Begleitet werden sie von nd-Autoren und anderen Spezialisten. Eine führt beispielsweise vom 5. bis 10. Juli nach Frankreich ins Périgord auf den Spuren von Kommissar Bruno, die der Autor der beliebten Krimiserie, Martin Walker, teilweise selbst begleiten wird.

31 Jahre bietet »nd« nun Leserreisen an, daran wird sich nichts ändern, wenn die Zeitung ab Januar von der nd-Genossenschaft herausgegeben wird. Und Frank Diekert wird Sie auch weiterhin gut beraten.

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