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Wer kennt den Boden des Jahres?

Dr. Schmidt erklärt die Welt: Was bitte ist Pelosol?

  • Von Christof Meueler / Steffen Schmidt
  • Lesedauer: 3 Min.
Pelosol bei Hildrizhausen, Schönbuch, Württemberg
Pelosol bei Hildrizhausen, Schönbuch, Württemberg

Der Pelosol ist der Boden des Jahres 2022. Hättest du das gewusst?

Wenn du es mir nicht erzählt hättest: Nein. Aber inzwischen haben diese Sowieso des Jahres derartig überhandgenommen, dass man den Überblick zunehmend verliert: Vogel des Jahres, Wildtier des Jahres, Reptil des Jahres, Einzeller des Jahres ...

Einzeller?

Ja, und damit der sich nicht langweilt, gibt es auch noch die Mikrobe des Jahres und die Alge des Jahres. Und den Pilz des Jahres, der ja manchmal auch einzellig sein kann.

Zu großen Fernsehshows im Dezember zu den wichtigsten Ereignissen des Jahres werden die aber nicht eingeladen.

Ja, das wäre dann auch eine ziemlich volle Sendung, fürchte ich. Ich meine, gut, einige Objekte sind so klein, dass sie wahrscheinlich nicht auffallen würden. Aber wenn man dann jeweils noch was dazu erzählen muss, dann ufert das ziemlich schnell aus. Diese Liste füllt drei DIN-A4-Seiten.

Es geht in der Menge unter.

Das denke ich auch. Und das schadet der ursprünglichen Idee, mit einem besonders herausgehobenen Tier oder einer Pflanze auf grundlegendere Umweltprobleme aufmerksam zu machen. Durch diese Inflation verläuft das inzwischen ziemlich im Sande.

Apropos Sand: Der Pelosol-Boden wurde von der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft ausgerufen. Kanntest du die?

Ja, da musste ich schon mal einen Experten suchen. Doch den Boden musste ich auch nachschlagen. Der ist laut Wikipedia etwas zickig für die Landwirte.

Ein zickiger Boden?

Ein Boden, der sich durch einen relativ hohen Anteil an Tonmineralien auszeichnet: die Sedimente, die ehemaligen Meeres- und Flussgründe, die überlagert und auf diese Weise irgendwann zu Stein gepresst worden sind. Und die dann verwittern und wieder in feinkörniges Material umgewandelt werden. Aber auf dem Weg dahin dann eben so was wie dieser Pelosol. Dieser Boden kann recht viel Wasser aufnehmen, gibt es aber nicht gerne wieder her. Für die Landwirte nicht so günstig. Und zickig, weil der Bauer für die Bearbeitung den Zeitpunkt treffen muss, wo er weder zu nass noch zu trocken ist.

Also eher was für die Würmer, oder?

Auch die haben es da wahrscheinlich ziemlich schwer. Denn wenn das Zeug trocknet, dann wird es extrem hart. Und wenn es nass ist, dann ist es wie Schmierseife.

Was ist denn der ideale Boden für die Pflanzen?

Für ertragreiche Landwirtschaft sind Lössböden so ziemlich das Nonplusultra. So wie beispielsweise in der Magdeburger Börde. Das ist sozusagen der Normboden für 100 Prozent Ertrag. Alles andere ist dann schlechter.

Und dann gibt es ja noch den Dachboden.

Den gibt es auch. Doch wenn da was wächst, will man das meistens nicht.

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