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Dschungelkönigin wird nicht Bürgermeisterin

Ex-Fernsehsternchen Maren Gilzer (FDP) landet bei Wahl in Oberkrämer nur auf Rang fünf

  • Von Mischa Pfisterer und Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 4 Min.
Die gescheiterte Bürgermeisterkandidatin Maren Gilzer
Die gescheiterte Bürgermeisterkandidatin Maren Gilzer

Gebannt schaute die Welt am Sonntagabend auf den Landkreis Oberhavel, Brandenburg, überregional bekannt durch die gleichnamige Autobahnausfahrt. Denn die 12 000 Einwohner der Gemeinde im Nordwesten Berlins strömten an die Wahlurnen, um ein neues Gemeindeoberhaupt zu bestimmen.

Die alles bestimmende Frage dabei: Wird es Bürgermeisterkandidatin Maren Gilzer (FDP), die Gewinnerin der 2015er-Staffel der RTL-Trashsendung »Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!«, sieben Jahre nach der Dschungelkrone schaffen, auch die Regentschaft über Oberkrämer zu übernehmen?

Wer den Wahlabend und das Bangen der insgesamt sieben Kandidat*innen aus unaufschiebbaren Termingründen verpasst haben sollte: Oberkrämer hat Nein gesagt zum Glamour. Nein gesagt zu Gilzers Plänen für die Zukunft der Gemeinde: unter anderem ein eigener Fernsehsender und eine eigene Radiostation. Hat Nein gesagt zu dem schmissigen Slogan »Neuer Schwung für Oberkrämer«. Die Wahlbeteiligung lag am Sonntag bei 49,3 Prozent. Die einstige Dschungelkönigin Gilzer holte nur 297 Stimmen beziehungsweise 6,1 Prozent und landete damit auf Rang fünf.

Um dieses Ergebnis einzuordnen: Bei der Landtagswahl 2019 war die FDP mit 4,1 Prozent der Stimmen wieder einmal an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr erzielten die Liberalen in Brandenburg 9,3 Prozent - lediglich 1990 hatten sie noch 0,4 Prozentpunkte mehr geholt.

Schlechter als Gilzer waren jetzt in Oberkrämer lediglich der AfD-Kandidat Boris Bollert (4,5 Prozent) und der Gitarrist Sebastian Wolf von der Linkspartei (2,9 Prozent), der sich unter anderem auf die Fahne geschrieben hatte, als Bürgermeister für mehr bezahlbaren Wohnraum zu sorgen.

Besser, aber nicht viel besser lief es für Dino Preiskowski (SPD), der auf 10,6 Prozent kam. 17,9 Prozent erreichte die Einzelbewerberin Ingke Purrmann, 42 Jahre, gebürtig aus Bonn. Als Volleyballerin schaffte sie einst mit dem TSV Rudow den Aufstieg in die erste Bundesliga. Den Aufstieg ins Amt der Bürgermeisterin hat die Unternehmerin nun aber verpasst. Denn die meisten Stimmen erhielt mit 32,7 Prozent der von den Grünen mit unterstützte Kandidat der Freien Wähler Wolfgang Geppert. Ihm folgte mit 25,2 Prozent Carolin Schmiel von der Wählervereinigung Bürger für Oberkrämer. Sie möchte Bürgermeister Peter Leys beerben, der zur Wählervereinigung Bürger für Oberkrämer gehört und nach 14 Jahren im Amt am 1. März in den Ruhestand tritt. In die Stichwahl gegen Geppert, die im Februar stattfindet, hat sie es immerhin geschafft.

FDP-Kandidatin Gilzer, die als Prominente eher die Aufmerksamkeit der Medien als die der Bürger von Oberkrämer auf sich zog, hatte bis zuletzt alles gegeben. Während die Kandidat*innen der aktuellen Staffel des Dschungelcamps am Wochenende in Südafrika erstmals Hoden vom Warzenschwein vorgesetzt bekamen, tourte die Ex-Dschungelkönigin und ehemalige Buchstabenumdreherin der Sat1-Dauerwerbesendung »Glücksrad« unermüdlich durch die sieben Ortsteile Bärenklau, Bötzow, Eichstädt, Marwitz, Vehlefanz, Neu-Vehlefanz und Schwante.

Sie zeigte sich optimistisch, dass sie die Bürgermeisterwahl gewinnen könne. »Ich bin nicht naiv und weiß, es könnte in die Richtung gehen«, sagte die 61-Jährige. »Ich glaube schon, dass ich am Anfang gegen viele Windmühlen kämpfen werde. Aber ich traue es mir schon zu, die Leute von mir zu überzeugen, von meinen Plänen, und dass sie dann Lust und Spaß daran haben, mit mir mitzuarbeiten.«

Mehr oder weniger aufmerksame Beobachter*innen hatten da schon Zweifel. Zwar gab es bei einem schillernden Termin in Schwante an einem Supermarkt-Parkplatz Pfannkuchen, Glühwein und einen von der Firma der Unternehmerin Maren Gilzer hergestellten »natürlichen Vital-Trunk«, der bei der Gelegenheit gleich mitbeworben wurde. Doch die zu umwerbenden Wähler*innen blieben aus. Laufkundschaft in dem Sinne gab es nicht. Und wenn doch, dann ließen sich die Leute nicht bewegen, die Straßenseite zum improvisierten FDP-Werbestand neben dem FDP-Maren-Mobil zu wechseln.

Man kann das Wahlergebnis aber auch positiv sehen: 297 Stimmen für Gilzer sind immerhin 296 mehr, als die FDP in Oberkrämer Mitglieder hat. Auch wissenswert: In der aktuell laufenden Staffel von »Ich bin ein Star« werden dem Designer und TV-Schlachtross Harald Glööckler gute Chancen nachgesagt. Wie Maren Gilzer hatte dieser mehrere Jahre seine Produkte beim Shoppingsender QVC feilgeboten. Zufall? Fügung? Schiebung?

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